Teatro Barocco

Teatro Barocco — — Presse

Teatro Barocco — — Presse

Die Presse | 10. 07. 2017

Hier lehrt uns der junge Mozart etwas über Theaterkunst

Stift Altenburg. „Bastien und Bastienne“ und Schuberts „Hochzeitsbraten“, auch szenisch in historischem Gewand: Das Festival TEATRO BAROCCO macht Zeitreisen in Rokoko und Biedermeier – und bietet dabei lehrreiche und vergnügliche Einblicke ins Theater von anno dazumal.

 

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Der zwölfjährige Jesus lehrt im Tempel: Das Gemälde am Ende des prunkvollen Bibliothekssaals im Stift Altenburg stellt den Fluchtpunkt des Bühnenbilds dar – und erinnert daran, dass Mozart im gleichen Alter war, als er „Bastien und Bastienne“ komponiert hat. Das Singspiel, wohl 1768 entstanden und im Wiener Gartenhaus des geheimnisumwitterten Arztes und Wunderheilers Franz Anton Mesmer uraufgeführt, geht auf eine französische Vorlage zurück: In der höchst erfolgreichen Oper „Le devin du village“ (1752) mit Text und Musik von Jean-Jacques Rousseau findet das zankende Schäferpaar Colette und Colin mithilfe des Dorfwahrsagers wieder zusammen; eine populäre Parodie des Stücks lässt die Figuren sogar Dialekt sprechen. In der von Mozart verwendeten deutschen Version kann von solchem Realismus zwar keine Rede mehr sein, am „vermeintlichen Zauberer“ Colas lassen sich zudem Mesmers Züge ausmachen, doch ist die Stoßrichtung dieselbe: Das Schäferdasein wird gefeiert, die Stadt als künstlich abgetan – und genau solche Sujets entzückten damals sowohl bei Hofe als auch im Bürgertum.

So wie Rousseau zurück zur Natur wollte, versucht Bernd Roger Bienert mit seinem Festival TEATRO BAROCCO nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch retour zu einer rundum historischen Aufführungspraxis zu finden – und also das auf die Bühne zu bringen, was uns der zwölfjährige Mozart über Theater hätte lehren können. Das heißt für heutige Augen: Kunstvolle Stilisierung regiert Ausstattung, Mimik und Gestik. Zwischen zentralperspektivisch sich verengenden Säulenreihen ragen Baum- und Zaunelemente auf die Bühne, die Kostüme sind den prächtigen Schäferkleidern des 18. Jahrhunderts nachempfunden, Colas tritt dagegen mit derben Stiefeln und Dudelsack auf. Dass praktisch jede Textzeile ihren Widerhall in entsprechendem Händeringen findet, als wäre dies gleichsam als Untertitel nötig, irritiert nur anfangs, dann geht die Verdoppelung in einer logisch anmutenden Gesamtwirkung von historischem Charme auf. Unter Konstantinos Romanos Papazoglou bildet das Solistenoktett des Ensemble Teatro Barocco die geschmeidige Grundlage; auf der Bühne gelingt Megan Kahts als Bastienne die Verbindung von gefühlvollem Gesang, Spiel und szenischem Augenzwinkern am besten. Mit hellem, leichtem Tenor gibt Pablo Cameselle den Bastien und wirkt fast, als wäre er als Putto einem Troger-Fresko entstiegen; witzig, wie er sich vor dem sprachlichen Dadaismus in Colas' Zauberarie ängstigt: „Diggi, daggi, schurry, murry …“ Marcus Pelz rückt als vokal untadeliger Quacksalber routiniert den in Schräglage geratenen Haussegen ins Lot.

Mehr als bloß Zugabe sind dann zwei kürzere Werke. Zunächst mit fröhlicher Attacke Mozarts Divertimento KV 136, wobei Bettina Knett im langsamen Satz auch eine historische Choreografie tanzt, dann gleichsam das Satyrspiel. In Schuberts komischem Terzett „Der Hochzeitsbraten“ D 930, das bald nach seinem Tod den Weg auf die Bühne fand, wildert der Bräutigam für die verängstigte Braut ein Häschen, was den Förster zunächst zum Amtshandeln, dann aber zum Einlenken bringt: historischer Humor, überraschend zeitlos aufbereitet.

 

Jeweils Samstag (20 Uhr) und Sonntag (18 Uhr), bis zum 30. Juli

 

 

Kronen Zeitung | 10. 07. 2017

Stift Altenburg: Bienerts TEATRO BAROCCO
Zauber des Originals

Wieder erliegt das Publikum dem Zauber dieser Inszenierungen: Bernd Roger Bienert zeigt nach Erfolgen mit „Ariadne“, „Medea“ oder „Leonard und Blandine“ mit seinem TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg Mozarts „Bastien und Bastienne“ und Schuberts Minioper „Hochzeitsbraten“ sowie ein getanztes Divertimento.

 

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Die „deutsche Operette“ des 12-jährigen Mozart (nach Rousseau; 1768) und Schuberts Minioper (Franz von Schober; 1827) in Terzettform fügen sich perfekt in die elegante Stiftsbibliothek, die Bienert nun nach hinten geöffnet hat.

Wie jedes Mal rekonstruierte Bienert auch für diese Produktion die Kostüme der Mozart- wie der Schubertzeit in mühevoller Kleinarbeit. Bis zum Hut, zum Mieder oder zum Hirtenstab des Mädchens Bastienne stimmen alle Details. Und auch bei der Gestik der Inszenierungen bemüht er sich um „authentisches“ Spiel, wie er es aus Josef Franz von Goetz’ „Regiebuch“ zu „Leonard und Blandine“ kennt.

Bienert führt ein ausgezeichnetes Team: Souverän der Dirigent Romanos Papazoglu am Pult des jugendlich frisch spielenden Teatro Barocco Orchesters. Überzeugend die junge Besetzung für die Liebenden: Megan Kahts als Mozarts Bastienne und Schuberts Terese mit hübschem, schlankem Sopran; und Pablo Cameselle als flatternder Bastien und Bräutigam Theobald. Marcus Pelz ist als Zauberer Colas und Caspar eine kauzige Figur. Das Publikum – darunter auch Kammersängerin Christa Ludwig – applaudierte begeistert.

 

 

Kurier | 10. 07. 2017

Stift Altenburg

Ein Vergnügen mit Mozarts Bastien und TEATRO BAROCCO

 

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Kritik. Wo Bernd R. Bienert draufsteht, ist penible Sorgfalt und gründliche Recherche drinnen. Der Archeget für historisch informierte Aufführungspraxis kümmert sich um alles vom edlen Stoffdesign der Kostüme über kuriose Requisiten bis zu seinem Kernanliegen, der Rekonstruktion des gestischchoreografischen Codes, den es mit Leben zu erfüllen gilt.
Mit seinem TEATRO BAROCCO gestaltet er in der wunderbaren Bibliothek von Stift Altenburg wieder einen bei- spielhaft durchstilisierten Abend, der mit Mozarts Jugendwerk „Bastien und Bastienne“ beginnt.
Die Bühne zeigt perspektivisch auf eine Gartenlandschaft. Die bukolische Szenerie wird durch Weidegatter angedeutet. Die Schäferin Bastienne, die Treulosigkeiten ihres Bastien befürchtet, wendet sich an den Dorfwahrsager Colas um Rat, der dann quasi als Paartherapeut alles wieder ins Lot bringt.
Mit Megan Kahts steht eine Bastienne zur Verfügung, die das historisch fundierte Bewegungsrepertoire perfekt beherrscht und mit einem runden, warmen Sopran erfreut. Der helle Tenor von Pablo Cameselle fügt sich fein dazu.
Marcus Pelz als Colas, der mit Dudelsack auftritt – Mozart imitiert solchen im Orchester –, gibt stimmlich souverän eine Mischung aus Zauberer – mit Blitz, Donner und Orakelbuch – und Beziehungscoach.
Zum Andante aus Mozart’s Divertimento in D (KV hat Kaj Sylegard eine Choreografie nach dem Tanztraktat von Gennaro Magri von 1779 rekonstruiert, mit der Bettina Knett auf eine tanzhistorische Zeitreise entführt.
Abschließend geht es mit einem Zeitsprung zu Schuberts Trio „Der Hochzeitsbraten“. Die Kostümierung wechselt auf Biedermeier. Ein junges Paar wird ertappt, als es einen Hasen als Hochzeitsbraten wildert. Doch angesichts der reizenden Braut ist der Jagdaufseher gesonnen, ein Auge zuzudrücken – vielleicht nicht ganz uneigennützig. Das Aufscheuchen des Hasen mit „gsch, gsch, prr, prr!“ macht Megan Kahts zu einem Kabinettstück.
Die Petitesse endet mit einem witzigen Jodler im Dreivierteltakt. Das kleine Orchester unter Konstantinos Papazoglou bietet ein solides musikalisches Fundament.

Abermals gelingt Bienert eine Produktion von gediegener Ästhetik, ein Schau- und Hörvergnügen.

KURIER-Wertung: ★★★★☆

 

 

Kronen Zeitung | 08. 07. 2017

Stift Altenburg: Heute TEATRO BAROCCO
Spaß mit Bastienne

Bernd Roger Bienert hat mit seinem TEATRO BAROCCO in der Bibliothek des Stiftes Altenburg Furore gemacht: Von seinen Ausgrabungen – „Leonard und Blandine“, „Piramo e Tisbe“, „Medea“ – waren Publikum und – auch internationale – Presse begeistert. Ab heute (8.) zeigt er „Bastien und Bastienne“

 

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Bienert war mit seinem Konzept, möglichst originale Aufführungen der Werke mit originalen Bühnenbildern, historischen Kostümen und authentischem Klang zu bieten, bisher stets sehr erfolgreich.

Nun zeigt er Mozarts „deutsche Operette“ „Bastien und Bastienne“ von 1768 und stellt dem Werk des Zwölfjährigen, Franz Schuberts „Hochzeitsbraten“ von 1827 gegenüber (Uraufführung: Theater in der Josefstadt; Orchesterfassung: 1829).

Er hat dafür ein hervorragendes Sängerteam: Pablo Cameselle singt den Bastien, Megan Kahts die Bastienne und Marcus Pelz den Dorfwahrsager und Zauberer Colas. Am Pult: Romanos Papazoglou.

Die Geschichte von Bastiens & Bastiennes Liebe nach Jean-Jacques Rousseau ist eine Parodie auf die Pariser Gesellschaft, der „Hochzeitsbraten“ auf ein Libretto des Schubert-Freundes Franz von Schober, eine deftige Geschichte um Verliebte und einen Hasenbraten, ein Stück, in dem sogar gejodelt wird. Außerdem wird ein Teil aus Mozarts D-Dur-Divertimento in Gennaro Magris Choreografie (1779) gezeigt. Tanz: Bettina Knett.

 

 

Kronen Zeitung | 10. 06. 2017

Bienerts TEATRO BAROCCO für Musiktheaterpreis 17 nominiert

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„Originale Texte sichtbar machen“

„Das ist eine ganz besondere Auszeichnung“, strahlt Bernd Roger Bienert. Sein Teatro Barocco wurde nun für die spektakulären Produktionen von Mozarts „Nozze di Figaro“ und Johann Adolph Hasses „Piramo e Tisbe“ für den Österreichischen Musiktheaterpreis 2017 nominiert. Am 25. Juni wird darüber entschieden.

 

Er hatte zuletzt mit seinen Mozart-Inszenierungen von „Nozze di Figaro“ (2016), „Così fan tutte“ (2017) und Johann Adolph Hasses „Piramo e Tisbe“ (2017) im barocken k. k. Hoftheater von Laxenburg Riesenerfolge.
Bienert, lange Jahre Tänzer und Choreograf der Wiener Staatsoper und Ballettdirektor der Zürcher Oper, beschäftigt sich mit Fragen nach dem originalen Aussehen der Opern- und Melodramen-Inszenierungen des 17. und 18. Jahrhunderts an Originalschauplätzen.
So stellte er in die prachtvolle barocke Stiftsbibliothek von Altenburg das „schönste Barocktheater Österreichs“, und zeigte Johann Adolph Hasse, einen einst von Regenten und Fürstenhöfen umworbenen Komponisten in der Originalfassung. So zuletzt mit „Piramo e Tisbe“ (für Kaiserin Maria Theresia) oder Georg Anton Bendas „Ariadne auf Naxos“ (2012).
Bienert geht es bei Mozart, aber auch bei den anderen Meistern, nicht nur um Originalklang und originales Aussehen. „Mozarts genialer Librettist Daponte spricht in seinen Texten oft Dinge aus, die optisch nachvollziehbar sein müssen. In modernen Opernaufführungen gehen viele Anspielungen und Details unter, die Mozart auch komponiert hat. Erst die Gestik des 18. Jahrhunderts, die wir ziemlich genau kennen, macht den Text sichtbar!“

Heuer im Sommer folgt übrigens in Stift Altenburg Mozarts „Bastien und Bastienne“.

 

 

Online Merker | 03. 2017 | Peter Dusek

LAXENBURG bei Wien – Schlosstheater: COSÌ FAN TUTTE im „Teatro Barocco“

Schlosstheater Laxenburg: SO MACHEN’S NICHT ALLE: BRILLANTE „COSI FAN TUTTE“ IM TEATRO BAROCCO

 

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Er ist wirklich ein echter Theater-Zampano, der Leiter des „Teatro Barocco“ und Regisseur einer hochkarätigen „Cosi fan tutte“-Produktion im Barocken Schlosstheater von Laxenburg Bernd Roger Bienert. Er begann als Tänzer der Wiener Staatsoper – neben Rudolf Nurejew. Sattelte dann um auf Regie und Choreographie, war Ballett-Direktor in Zürich und Saarbrücken. Gastierte in den verschiedensten Funktionen rund um den Erdball und entdeckte zuerst in Stift Altenburg und dann in Laxenburg das „Teatro Barocco“-nach Bühnenbilder-Vorlagen und Kostümen aus der Barockzeit, als das Rampenlicht noch bestimmend war. Nun: bis 19.März 2017 kann man sich vom hohen Niveau der diesjährigen Mozart-Inszenierung im Stil der Uraufführung selbst überzeugen und ab 8. Juli 2017 gibt es in Stift Altenburg die nächste Mozart-Wieder-„Erweckung“ mit „Bastien und Bastienne“ .

Nun also zur aktuellen Serie, die man mit der Überschrift „Neuer, frischer Wein in alten Schläuchen“ betiteln könnte. Junge Musiker im Orchester, die in kleiner Besetzung auf alten Instrumenten spielen. Also ein Horn, ein Fagott, eine Querflöte etc. Dazu ein junges Ensemble auf der Bühne, durchwegs Super-Talente und dann mit Juliette Mars von der Wiener Staatsoper als Dorabella und Wolfgang Holzmair, der einst als Harlekin in Ariadne debütierte und dann in der „Weissen Rose“ reüssierte und sich nun von der Bühne verabschieden will.

Auch der Dirigent hat ein Naheverhältnis zum Haus am Ring: David Aronson war von 1991 – 2015 Solokorrepetitor der Staatsoper, seither arbeitet er als „freier“ Dirigent. Mit der Laxenburger „Cosi fan tutte“ gibt er jedenfalls eine starke Empfehlung ab. Er führt mit behutsamer Hand die kammermusikalisch geführten Rezitative und Arien und entwickelt daraus die Ensembles so stringent, so transparent und brillant, dass man nur summieren kann: So machen’s nicht alle! Das Ensemble ist sehr homogen, dennoch ragt die Interpretin der Despina – die Südafrikanerin Megan Khats – besonders hervor. Sie punktet mit ihren Arien ebenso wie in den Verkleidungs-Szenen als Arzt und Notar. Mit erotischem Charme und vokaler Souveränität erspielt sie sich die Schlüssel-Rolle in diesem fröhlich-tiefgründigen Stück über Liebe, Eifersucht und Partnertausch, an dem die Männer ebenso beteiligt sind wie die Frauen. Von den beiden „Testpersonen“ fängt die Französin Juliette Mars als Dorabella früher Feuer. Sie ist großartig und erinnert an eine Christa Ludwig in Bestform. Nicht ganz so souverän ist Fiordiligi , die US-Amerikanerin Anne Wieben. Sie meistert insgesamt die extremen Lagen ihrer Rolle souverän und kommt vor allem mit den Alt-Koloraturen gut zurecht. Nur in der extremen Höhe bekommt ihre Stimme einen gewissen „Klirr-Faktor“, an dem sie technisch arbeiten sollte.

Ohne Einwand kommen die 3 Männer „davon“. Vor allem der Ferrando des Briten Thomas Elwin beeindruckt sowohl in seinen lyrischen Passagen („Un’ aura amorosa“) wie in den dramatischen Passagen – etwa wenn er das „Schwachwerden“ von Dorabella entdeckt. Tadellos auch der fesche Guglielmo aus Österreich – Christian Kotsis: ein Sänger mit angenehmen Timbre, erfrischendem Spiel. Vielleicht muss er sich für größere Häuser noch entwickeln. Für Laxenburg reicht es in der Tat! Wunderbar auch der offizielle Drahtzieher Don Alfonso in Person von Wolfgang Holzmair. Ein verschmitzer, „weiser“ Komiker, der an die Comedia dell’ arte-Spielweise erinnert. Köstlich! Zu erwähnen ist ein junger Mini-Chor, der auch als Dienstpersonal für die Szenen-Wechsel fungierte. Alles in allem: eine gelungene, geradezu tänzerische Wiedergabe eines Meisterwerkes mit alten Kulissen, wenig Licht und viel musikalischem „Drive“.

Hut ab vor dem Nachfahren von La Roche – Bernd Roger Bienert!

 

 

Süddeutsche Zeitung | 22. 03. 2017 | Michael Stallknecht

Alles nur Spiel

Der Regisseur Bernd Roger Bienert belebt die barocke Theaterpraxis wieder.
Im österreichischen Laxenburg gelingt ihm damit Mozarts Oper „Così fan tutte“ rundum überzeugend

 

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Wandelt man durch den gigantischen Park der Schlösser von Laxenburg, dann stößt man irgendwann auf ziemlich verwunschenen Wegen auch auf die Franzensburg. In der Sommerresidenz der Habsburger, eine halbe Stunde Autofahrt von Wien entfernt gelegen, hat sich Kaiser Franz I. ein neogotisches Schloss inklusive Turnierplatz und Rittergrab bauen lassen. Ihre architektonische Herkunft aus der Romantik verleugnet die Mittelalterrekonstruktion dabei durchaus nicht.

Man könnte sagen, dass der Regisseur Bernd Roger Bienert derzeit im Theater der Laxenburger Schlösser etwas Ähnliches tut: Er hat dort eine Aufführung der Oper „Così fan tutte“ rekonstruiert, wie ihr Komponist Wolfgang Amadeus Mozart sie gesehen haben könnte – mit der Betonung auf „könnte“. Die Vorbilder für die Kostüme hat er einer berühmten, in Japan befindlichen Kostümsammlung entnommen, die vorwiegend gemalten Bühnenbilder folgen realen Räumen etwa im Schloss Versailles. Wichtiger aber ist die Gestik, die ebenfalls den Vorbildern der Zeit folgt.

Die Darsteller tun, was im Gegenwartstheater eigentlich streng verpönt ist: Sie illustrieren viele ihrer Worte mit weit nach außen greifenden Gesten. Ist von Tränen die Rede, dann zeichnen die Hände ein Rinnsal unter den Augen. Werden die Götter angerufen, dann recken sie sich zum Himmel. Und wenn „zur Seite“ gesprochen wird, dann halten die Sänger die Hand zu einer Seite an den Mund. Es ist ein radikal antipsychologischer Spielstil, den man allenfalls noch aus gelegentlichen Begegnungen mit der Commedia dell’arte kennt. Seit 2012 schon untersucht Bienert mit seinem Ensemble Teatro Barocco auf diese Weise die Spielpraxis des späteren 18. Jahrhunderts, hat Opern von Mozart, Joseph Haydn und dessen Bruder Michael oder Johann Adolph Hasse erarbeitet.

Allein ist er damit nicht, Experimente dieser Art waren in den vergangenen Jahren immer wieder einmal zu erleben. So inszenierte die belgische Regisseurin Sigrid T’Hooft bereits vor einigen Jahren „Così fan tutte“ ganz ähnlich im historischen Theater des schwedischen Schlosses Drottningholm, im vergangenen Jahr war bei den Göttinger Händel-Festspielen ihre Umsetzung von Georg Friedrich Händels „Imeneo“ zu sehen. Dass Bienert wie T’Hooft ursprünglich vom Tanz kommt, ist wohl kein Zufall. Zehn Jahre lang war er Tänzer an der Wiener Staatsoper, danach Ballettdirektor in Zürich und Saarbrücken. Im Ballett sind nicht nur bis heute Rekonstruktionen älterer Choreografien üblich, auch viele Grundlagen der barocken Bewegungsästhetik haben sich am deutlichsten im klassischen Tanz erhalten.

 

Die Ästhetik des Barocktheaters reicht laut Regisseur Bienert bis zum Stummfilm

 

„Die Ästhetik des Barocktheaters reicht bis zum Stummfilm“, sagt Bienert am Tag nach der Premiere der „Così fan tutte“. Auch im Gespräch ist er ein Mensch, der in der Geschichte buchstäblich zu leben scheint, in rasender Geschwindigkeit von den Straßenverläufen zurzeit Maria Theresias zu den Gewinden historischer Kerzenleuchter übergeht und von Details aus Mozarts Briefen zur Schminkpraxis des Barocktheaters. Dabei hat Bienert auch modernes Schauspiel inszeniert, darunter österreichische Ur- und Erstaufführungen. Aber Irgendwie war da gleichzeitig, wie er sagt, immer „eine detektivische Sehnsucht herauszufinden, wie das Theater damals funktioniert hat“.

Die Quellen dafür fließen reichlich. Mehrere historische Abhandlungen zeigen in genauen Illustrationen, mit welcher Geste man im Barock Liebe, Trauer, Verlegenheit oder Schmerz ausdrücken konnte. Als „Rekonstruktionen“ möchte Bienert seine Inszenierungen dennoch nicht sehen. Er vergleicht seine Arbeit eher mit der schon seit geraumer Zeit etablierten historischen Aufführungspraxis in der Musik. Man arbeite mit den Mitteln der Vergangenheit, aber aus dem Bewusstsein der Gegenwart.

Klar, dass auch bei seiner „Così fan tutte“ das allzu kleine Orchesterchen – die finanziellen Mittel sind nichtgerade von barocker Üppigkeit beim Teatro Barocco – auf historischem Instrumentarium spielt. Bienerts großer Traum ist es, die barocke Bühnenmaschinerie in dem alten Schlosstheater wiederherzustellen, das nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs teilweise ziemlich entstellend wieder hergerichtet und zu einem Konferenzzentrum umgewidmet worden ist.

Dennoch funktioniert diese „Così fan tutte“ auch für Augen der Gegenwart verblüffend gut. Hat man sich an den vergleichsweise großen Spielstil gewöhnt, dann verschiebt er den Blick auf das Stück radikal. Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte veranstalten hier ein Menschenexperiment: Zwei Männer prüfen die Treue ihrer Geliebten. Am Ende haben beide Paare die Partner getauscht. Nun erweist sich „Così fan tutte“ auf der Bühne als immer wieder überraschend schwer realisierbares Stück. Im psychologisch verinnerlichenden Spielstil der Gegenwart erscheinen manche Situationen schnell unglaubwürdig, und der Zuschauer fragt sich, warum die Frauen ihre Geliebten in der Verkleidung nicht erkennen.

In Laxenburg löst sich das rasch auf weil die Parameter von „echt“ und „falsch“ von vornherein verschoben sind. Wenn die Männer hier in einem grotesken Fantasiekostüm aus fern- und nahöstlichen Versatzstücken auftauchen, schluckt man die Behauptung so naiv wie im Kasperletheater, wo man sich auch nie fragt, ob das Krokodil wirklich echt ist. Die Konsequenzen reichen bis in die Substanz des Stücks hinein. Denn in „Così fan tutte“ wird in doppeltem Sinne gespielt. Nicht nur spielen die Darsteller Figuren, diese Figuren spielen sich auch gegenseitig etwas vor.

Indem die barocken Spielformen von Beginn an „nur“ Theater sind, wird der Trug allumfassend. Niemand könnte hier noch sagen, ob die Trauer der Frauen über den Abschied der Geliebten echt ist – oder nur gespielt. Wenn Fiordiligi in der großen Arie des ersten Akts mit heroischen Gesten ihre Treue beschwört, dann bleibt offen, ob sie selbst sich diese Gesten glaubt. Damit aber löst sich auch der dem Stück gelegentlich gemachte Vorwurf der Frauenfeindlichkeit in Luft auf. Denn nicht nur die Männer spielen hier mit den Gefühlen der Frauen (und mit ihren eigenen), sondern auch die Frauen von Beginn an mit den Gefühlen der Männer (ebenso wie mit ihren eigenen).

In Bienerts Inszenierung erlebt man das vergleichsweise ausgewogene Geschlechterverhältnis des 18. Jahrhunderts. Frauen und Männer schenken sich nichts, schon gar nicht rasch das Herz, das die oft passiveren Frauenfiguren des 19. Jahrhunderts so offen auf der Zunge tragen werden. Damit wird klar, wie viel mehr dieses Stück mit dem mechanistischen Menschenbild des Barock zu tun hat als mit dem Authentizitätsideal der Gegenwart. Doch hier lässt sich in der Aufführung das Paradox erleben, von dem schon die historische Aufführungspraxis in der Musik lebt: Gerade weil die Macher den Zeitunterschied betonen, erscheint das Spiel quicklebendig.

Bienert begreift „Così fan tutte“ als Opera buffa, als „komisches Singspiel“. Im überzeichneten Spielstil sieht er selbst auch ein humanes Ideal, weil die Darstellung sichtbar nicht auf Perfektion ziele. Die Sänger sind nah im kleinen Schlosstheater, das Licht ist, Kerzenlicht imitierend, schummrig. Wie weit die von Bienert eingesetzten Gesten historisch sind, darüber könnten Puristen sicher streiten. In den Produktionen Sigrid T’Hoofts bleibt das Bewegungsrepertoire deutlich zurückhaltender, setzt mehr auf ballettöse Eleganz. Doch das ist letztlich egal, weil Bienert mit starkem Augenmerk auf dem Komischen sogar die tragischen Seiten des Stücks angeht. Und mit Thomas Elwin steht ein Ferrando auf der Bühne, der mit seiner warmen weichen, immer runden Stimme im zweiten Akt tief in das gebrochene Herz seiner Figur schauen lässt.

Recht behalten am Ende dennoch die komischen Figuren Don Alfonso und Despina, die einen Realismus der Liebe einfordern. Der als Liedsänger bekannte Wolfgang Holzmair trägt die knorrige Lebensweisheit des aufklärerischen Philosophen in jedes Wort. Und die höchst präsente Megan Kahts fegt mit ihrem allfälligen Besen die Trauer von Anfang an fort. Deshalb geht zuletzt sogar der Schluss auf, an dem sich die Paare wieder mit ihren alten Partnern abfinden müssen. Alles ist Spaß auf Erden, sagt er, sogar das Schlimme und Verletzende. Oder, wie das der Regisseur formuliert: Die Botschaft dieser – so der Untertitel des Stücks – „Schule der Liebenden“ sei, „dass man niemand wirklich vertrauen kann, das aber im Grunde auch völlig in Ordnung so ist“.

 

 

Kurier | 11. 03. 2017

Wie Mozarts schöne „Cosi“ einst ausgesehen und geklungen haben könnte

 

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Kritik. Wenn sogar das Schokoladeservice auf der Bühne ein Lobmeyr-Original ist, dann ist wohl Bernd R. Bienert mit seinem Teatro Barocco am Werk. Akribisch rekonstruiert Österreichs Chefideologe einer historisch informierten Aufführungspraxis Bühnenbilder, Kostüme, Lichtverhältnisse und gestischen Kanon des 18. Jahrhunderts, um im Laxenburger Schlosstheater Mozarts "Cosi fan tutte" so zu realisieren, wie das Werk 1790 dort gewirkt haben könnte wäre nicht die sommerliche Opernsaison wegen des Todes Josephs II. ausgefallen. Auch das klein besetzte Orchester ist dem Originalklang (mit all seinen Tücken) verpflichtet, die Instrumentalisten lassen solistische Qualitäten hören, David Aronson dirigiert vom Hammerklavier aus ebenso routiniert wie inspirierend.

Das Kraftzentrum der Aufführung ist der Don Alfonso von Wolfgang Holzmair mit kernigem, auch jenseits der 60 tadellos intaktem Material – kein souverän lächelnder Philosoph, sondern ein Fanatiker der Desillusionierung, der seinen Opfern (Ferrando: Thomas Elwin, Guglielmo: Christian Kotsis – beide sehr jung und vielversprechend) den Glauben an unwandelbare Treue schon austreiben wird.

Seiner Komplizin Despina leiht Megan Kahts ihren flexiblen, warmen Sopran sowie unglaubliche choreographische Wendigkeit; auch kleine Obszönitäten serviert sie charmant und graziös. Ihre Herrinnen modellieren das tradierte Bewegungsrepertoire individuell: Anne Wieben (Fiordiligi) gibt mit großer Stimme und großen Gesten die Heroine, Juliette Mars (Dorabella) mit sattem Mezzo die nervenschwächere Schwester, deren Aufgeregtheit sich schon einmal bis zur Schnappatmung steigern kann. Eine wunderbar homogene Ensembleleistung!

KURIER-Wertung: ★★★★☆

 

 

Die Presse – Print-Ausgabe | 11. 03. 2017 | Theresa Selzer

Schlosstheater Laxenburg: Così fan tutte? Nein, nicht alle!

In der zweiten Saison des Festivals Teatro Barocco präsentiert Bernd Bienert wieder einen Mozart-Klassiker im neuen alten Gewand.

 

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Aufgrund des überraschenden Todes von Kaiser Josef II. kurz nach der Uraufführung im alten Wiener Burgtheater gelangte „Così fan tutte“, anders als „Le nozze di Figaro“, zu Mozarts Lebzeiten in Laxenburg nicht mehr zur Aufführung. Heute führt das Teatro Barocco dort konsequent weiter, was durch die mittlerweile zum State of the Art gewordene historische Aufführungspraxis in Gang gesetzt wurde.

Im Gegensatz zur Originalklangbewegung, deren Beweislage nicht immer einfach und eindeutig ist, passt Bienert die Bewegungsregie den vielen erhaltenen Bildquellen von Theateraufführungen der Entstehungszeit an. Von der schummrigen, nur von der Seite und von unten kommenden Bühnenbeleuchtung über die rasch nach den Seiten beweglichen, zweidimensionalen Bühnenelemente bis zum historischen Korsett aus der Sammlung Tostmann: Wo möglich und logisch, wird auf modernes Theaterequipment verzichtet, um sich den Vorstellungen aus alten Zeiten anzunähern. Und während andernorts szenische Freiheiten voll ausgekostet werden, hält es Bienert wohl mit Goethes Vers aus „Natur und Kunst“: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister.“

Der Anspruch, das Musiktheater ein Stück näher an die Aufführungspraxis des 18. Jahrhunderts zu bringen, bedeutet auch genaue Arbeit mit den Originalpartituren. Jede Anmerkung wurde hier wörtlich genommen. Da Mozart in seiner Partitur genau bezeichnete, wann ein Sänger die Bühne zu betreten und wann er sie wieder zu verlassen hat, herrschte auch kein Zweifel, welche Arien coram publico zu singen sind und welche tatsächlich Monologe sind.
Gewöhnen muss man sich daran, dass besonders im vorderen Teil der Bühne die Schatten der von unten kommenden Lichter die stark geschminkten Gesichter schauriger und maskenhafter aussehen lassen als auf anderen Opernbühnen. Die schlechtere Sichtbarkeit wird durch die ausdrucksstarke Gestik der Sänger kompensiert. Obwohl es selbstverständlich weder Über- noch Untertitel gibt, wird die Handlung in der Verschränkung mit Mozarts eindeutiger Musiksprache dank ausladender und symbolischer Bewegungen verständlich.

Temperamentvoll: Megan Kahts

Vor allem Megan Kahts trug mit ihrem Theatertemperament als Despina, aber auch mit deren näselnd-quäkenden Interpretationen des Wunderheilers (nach Vorbild des Wiener Arztes und Magnetisierers Franz Anton Mesmer) und des Notars zur mitreißenden Komik des Abends bei. Ihren altersweisen Gegenpart Don Alfonso ließ Wolfgang Holzmair als enthusiastischen Fädenzieher auftreten, der sichtlich den komödiantischen Fortgang der von ihm initiierten Treueprobe genoss. Weniger stimmig: Anne Wiebens Fiordiligi, die sich charakterlich zu wenig von der grundverschiedenen Schwester Dorabella (Guglielmo Christian Kotsis hat leichtes Spiel, Juliette Mars zu erobern) abhob. Dadurch war die später zögernde Haltung der Fiordiligi gegenüber Ferrando (Thomas Elwin) schwer nachzuvollziehen, kokettierte sie doch zuvor noch übertrieben leichtfüßig mit ihrem Verehrer.

In der Intimität des ehemaligen Hoftheaters blieben dem Publikum kein Ton und keine Regung verborgen. (Auch nicht der hartnäckige Schnarcher in der vierten Reihe.) So empfindet man auch die aus heutiger Sicht wohl drastisch reduziert zu nennende Orchesterbesetzung als völlig ausreichend: Jede Stimme ist nur einfach vertreten, und so zählte man samt Dirigent David Aronson am Hammerklavier lediglich zwölf Musiker. Daraus folgte, dass einerseits kleinere Fehler nicht kaschiert werden konnten, andererseits die einzelnen Instrumente mit ihren Klangfarben viel deutlicher heraustreten durften. Gelungen waren die Verzierungen der Oboe in der Ouvertüre, kernig trat die erste Violine hervor, und Aronson begleitete in den Rezitativen achtsam, ganz in Korrepetitormanier.
Kurzum: So wie das Teatro Barocco machen's nicht alle. Der Anspruch, möglichst authentische Theaterbedingungen zu schaffen, die gewissenhaft recherchierten Fakten und die aufwendige Liebe zum Detail machen diese Produktion besonders wertvoll.

 

Weitere Termine: 11., 12., 14., 16., 18. und 19. März

 

ZUM ORT
Der Schlosspark Laxenburg stammt aus dem 13. Jahrhundert, im 14. kam er an die Habsburger. Unter Leopold I. (1640–1705) wurde das Jagdschloss renoviert und barockisiert. Das Neue Schloss (Blauer Hof) kam erst 1762 in den Besitz Maria Theresias, Hofarchitekt Nikolaus Pacassi errichtete den Speisesaaltrakt und das Schlosstheater, wo 1786 Mozarts „Le nozze di Figaro“ erstmals außerhalb von Wien aufgeführt wurde. Heute wird es vor allem als Konferenzzentrum des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) genutzt.

 

 

Kronen Zeitung | 11. 03. 2017 | Karlheinz Roschitz

Schlosstheater Laxenburg: Mozarts „Così“; szenische Rekonstruktion: B. Bienert

In der zweiten Saison des Festivals Teatro Barocco präsentiert Bernd Bienert wieder einen Mozart-Klassiker im neuen alten Gewand.

 

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Ein Abend und eine Opernproduktion, die eigenartigen Zauber ausstrahlt: Bernd Roger Bienert inszenierte für Kaiserin Maria Theresias Schlosstheater in Laxenburg Mozarts „Così fan tutte“. Eine bezaubernde, kluge, um Authentizität in Gesang, Musizieren, Regie und Ausstattung bemühte Aufführung. Und: unverwechselbar!

Vergessen Sie landläufige „Così“-Aufführungen in große Opernhäusern und bei Festspielen, vor allem jene, die wie einst bei den Salzburger Festspielen in einem modernen Herrenpissoir begannen. Bienert hat sich und Wissenschafter jahrelang bemüht, herauszufinden, wie „Così“ anno 1790 im k.k. Hofburgtheater ausgesehen und geklungen haben mag. „Così“ sollte dann auf Wunsch Kaiser Josefs II. nach Laxenburg übersiedeln. Doch der Kaiser starb.

Bienert inszeniert ein „komisches Singspiel“, das Weisheiten, Bosheiten und erotische Anspielungen Mozarts und Dapontes perfekt bedient. Ein turbulentes Verkleidungs- und Verführungsspiel im diskret milden Theaterlicht des 18. Jahrhunderts, mit ebenso sparsam eleganten Rekonstruktionen der alten Bilder.

Musikalisch gerät hier dank David Aronson am Cembalo, der’s bei Riccardo Muti gelernt hat alles frisch prickelnd, aber intim, mit diskretem Charme. Und die Führung des Sängerensembles fügt sich perfekt in diesen Rahmen. Sie alle gefallen: Thomas Elwin als Ferrando mit edlem Tenorschmelz, Christian Kotsis als komödiantischer Guilelmo, Anne Wieben als strahlende Fiordiligi nur die große Arie im 2. Akt ist nicht restlos perfekt , Juliette Mars als flatternde Dorabella. Besonders eindrucksvoll: Wolfgang Holzmair als philosophierender Drahtzieher und die hinreißende Megan Kahts als frech kapriziöse Despina.

 

Wenn Sie wissen wollen, wie Mozart 1790 aussah hingehen, anschauen!

 

 

tanzschrift.at | 03. 2017 | Barbara Freitag

TEATRO BAROCCO: „COSI FAN TUTTE“ IN LAXENBURG

In der zweiten Saison des Festivals Teatro Barocco präsentiert Bernd Bienert wieder einen Mozart-Klassiker im neuen alten Gewand.

 

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Regisseur Bernd R. Bienert ist Spezialist für historisch informierte Schauspielpraxis im Musiktheater des 18. Jahrhunderts. Die längst etablierte Originalklangbewegung ergänzt er um eine historisierende, gestische Spielweise der Sänger-Darsteller, so wie sie damals gewesen sein könnte. Mit kleinem Orchester unter der feinsinnigen Leitung von David Aronson am Hammerklavier und einem wunderbaren Ensemble gelang dem Teatro Barocco im Schlosstheater Laxenburg, W.A. Mozarts „Cosi fan tutte“ zum Theatererlebnis werden zu lassen, das alles andere als akademisch-rekonstruierend herüber kommt.

Im Gegenteil – und das ist das Erstaunliche – diese autotextuelle Inszenierungsart ist erfrischend und vitalisierend, was man von vielen anderen nicht behaupten kann. Eher gibt es bei all den diegetischen Modernisierungen, welche die Handlung einmal ins Gefängnis und ein anderes Mal in den Weltraum verlegen mögen, einen Gewöhnungseffekt bis zur Langeweile. Immer wieder erstaunlich, was man alles aus einem Libretto herauszulesen vermag, um dem bestehenden Aktualisierungs-Zwang im gegenwärtigen Opernbetrieb Genüge zu tun. Doch wird das Werk mittels Regiekniffen wirklich aktueller?

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Und noch etwas stimmt in den meisten Inszenierungen nicht: die Körpersprache. Schlimm ist, wenn gar nicht gespielt, sondern nur regungslos gesungen wird. Ebenso schlimm ist es aber, wenn kein besonderer Wert gelegt wird auf die Bewegung der Sänger, und diese sich vorgeblich „natürlich“ verhalten, als ob es nur so und nicht anders sein könnte. Unter der Voraussetzung jedoch, dass Körperkonzepte in der Geschichte einem steten Wechsel unterlegen sind, lässt sich folgern, dass jede Zeit ihre eigene Bewegungsform hervorgebracht hat. Naturgemäß wissen wir wenig über Körper in Bewegung vor der Ära bildgebender Medien, doch es gibt schon einige wissenschaftliche Quellen, die gewisse Vorstellungen ermöglichen. Nichtsdestotrotz kann man nie sicher sein, wie irgendetwas wirklich war, oder ob es nur so war und nicht auch gleichzeitig ganz anders.

Nun sollen diese Hinweise nicht bedeuten, dass man ständig die historische Quellenlage überprüfen soll, um eine Inszenierung zu entwickeln. Theater-Kunst machen heißt ja auch spielen, verfremden, in Frage stellen, experimentieren, erneuern. Aber abgesehen davon, dass die historisch informierte Aufführungspraxis in der Musik nicht nur den Klang, sondern auch das Schauspielen betrifft, geht ein Ansatz wie jener von Bienert über ein rekonstruierendes Moment weit hinaus. Man würde ihm nicht gerecht mit der Unterstellung, historisierendes Theater machen zu wollen.

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Bienert möchte Mozart so spielen, dass man Libretto und Musik versteht, und das macht vor allem bei den Da Ponte-Opern Sinn. Im Vorjahr ist es ihm gelungen, das Schlosstheater Laxenburg mit „Le Nozze di Figaro“ zu bespielen, wo es anno dazumal bereits Maria Theresia gesehen hat. Bei „Cosi fan tutte“ ist das Setting ähnlich. Die dunkle Kulissenbühne wird von kerzenartigem Licht beleuchtet, und in spätbarocker Kleidung samt Schminke und Perücken agieren die allesamt guten Sänger in rhetorischem Stil mittels Gestik, die das Gesagte/Gesungene nicht verdoppelt, sondern tatsächlich verdeutlicht. Das ist beim Gesang nicht gerade ein Fehler, denn wie oft versteht man die Worte nicht, auch wenn man der Sprache mächtig ist.

Aber das Schauspiel ist mehr als rhetorisch, und darin liegt wahrscheinlich Bienerts Erfolgsrezept. Auch andere Regisseure könnten sich in solchen Inszenierungen erproben, aber Bienert ist auch als Tänzer und Choreograf erfahren und versteht daher die Sprache des Körpers noch einmal so gut einzusetzen. So wirken Gesang, Text, Gestik und Bewegung einheitlich, beinahe wie Tanz. Das ist ein schön anzuschauendes Ereignis, das dank der kongenialen und engagierten Musiker, die auf historischen Instrumenten in Minimalbesetzung zu zwölft spielten, zum richtig mitreißenden Vergnügen wird (Wolfgang Holzmair als Don Alfonso, Juliette Mars als Dorabella, Anne Wieben als Fiordiligi, Thomas Elwin als Ferrando, Christian Kotsis als Guilelmo und die wunderbar komödiantische Megan Kahts als Despina).
Faszinierend an diesem Opernabend der Mozart/Da Ponteschen Liebesverwirrungen ist, dass trotz aller inszenatorischen Leihgaben aus der Geschichte nichts als museal wahrgenommen wird. Zu sehen ist ein Stück Gegenwartstheater, denn es sind heutige Sänger und Musiker mit heutigen Körpern, die da agieren. Wer sich an solchen rekonstruierenden Verfahren stören möge, stelle sich vielleicht lieber die Frage, was es über unsere Kultur aussagen mag, dass wir so eine Sehnsucht nach Musik und Spiel vergangener Jahrhunderte haben?

 

Teatro Barocco: Cosi fan tutte von W. A. Mozart, Regie, Konzept, Bühne, Kostüme: Bernd R. Bienert, Musikalische Leitung und Hammerklavier: David Aronson, Ensemble Teatro Barocco – Schlosstheater Laxenburg. Premiere: 9. März 2017.
Nächste Vorstellungen: 12., 18.,19.3. 2017 (16.00 Uhr) und 14.,16.3. 2017 (18.00 Uhr).

 

http://www.tanzschrift.at/buehne/kritisch-gesehen/509-teatro-barocco-cosi-fan-tutte-in-laxenburg

 

 

Der Standard | 10. 03. 2017 | Stefan Ender

Das TEATRO BAROCCO zeigt Mozarts Oper im Schlosstheater Laxenburg

 

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Wien – Die Vergangenheit, sie ist uns ein Schatz und zum Teil auch ein Rätsel: ein Rätsel, an dessen Entschlüsselung die Originalklangbewegung seit Jahrzehnten mit Akribie arbeitet. Auf dem Gebiet der Oper ist seit kurzem auch die möglichst detailgetreue Wiederherstellung der szenischen Vergangenheit in Mode gekommen, dankenswerterweise hat sich hierzulande Bernd R. Bienert mit seinem Teatro Barocco dieses Aufgabengebietes angenommen.

Der ehemalige Choreograf zeigt Mozarts Così fan tutte an einem Ort, an dem es zu Mozarts Lebzeiten wahrscheinlich zu sehen gewesen wäre, wenn Josef II. denn nicht im Winter 1790 dahingeschieden wäre: dem Schlosstheater Laxenburg. Man sieht also kuscheliges, kerzenscheinähnliches Licht, man sieht gemalte, sich zentralperspektivisch verjüngende Kulissen und luxuriöse Kostüme (alles: Bernd R. Bienert). Die Damen unterhalten und erfreuen, wie es damals üblich war, mit einem exaltierten, grenzbizarren, und doch deskriptiven gestischen Repertoire. Im Gehabe der Figuren vermählen sich der grelle Klamauk der Commedia dell'arte und die artifizielle Affektiertheit des Rokoko, oder: Löwingerbühne und klassisches Ballett. Es wird klar ersichtlich, als was Così konzipiert war: als eine amüsante Blödelei. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Der erfahrene David Aronson leitet vom Hammerklavier aus eine elfköpfige Musikergruppe und entfesselt mit ihr sowohl wilde Gefühlsstürme als auch das sanfteste Säuseln der Liebe, er erfrischt mit wilden Accompagnato- und nuancierten Secco-Rezitativen. Ein wundervoller Musiker. Juliette Mars (Dorabella), Anne Wieben (Fiordiligi) und Christian Kotsis (Guilelmo) bieten Spielfreude und solide Sangeskunst, Megan Kahts (Despina) ist speziell als Arzt ein Kracher. Wolfgang Holzmair erlebt man als Don Alfonso gleichsam beim kraftvollen Abgesang einer langen Karriere, Thomas Elwin sieht und hört man als Ferrando am Beginn einer solchen: Er gefällt mit einem kraftvoll-weichen Tenor, der nicht nur viel verspricht, sondern schon einlöst. Begeisterung für ein vierstündiges Hochfest der Theatralik und der orchestralen Lebendigkeit, und auch für eine fesselnde Reise in die Vergangenheit, wie man sie nicht alle Abende erlebt.

 

TEATRO BAROCCO, 11., 12., 18., 19. 3. (16.00), 14., 16. 3. (18.00)

 

Bühne | 03. 2017 | Peter Blaha

TEATRO BAROCCO. Im barocken Theater von Schloss Laxenburg zeigt Intendant Bernd R. Bienert Hasses „Piramo e Tisbe“ und Mozarts „Così fan tutte“
mit Wolfgang Holzmair als Don Alfonso.

 

Ein König tritt ab

WOLFGANG HOLZMAIR verabschiedet sich in Laxenburg als Don Alfonso in Mozarts „Così fan tutte“ von der Opernbühne.

 

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Wann ist der ideale Moment, sich von der Bühne zu verabschieden? Manche Sänger verpassen ihn, bei anderen hingegen ist man überrascht, wenn sie ihren Rückzug bekanntgeben. So etwa bei Wolfgang Holzmair, der 2014 verkündete, Podium und Bühne ade sagen zu wollen. Nicht nur klingt die Stimme des 64-jährigen Oberösterreichers, dessen Aussehen sein Alter ohnehin Lügen straft, nach wie vor intakt. Seinen Interpretationen, die sich immer schon durch Tiefe und eine souveräne Durchdringung von Wort und Musik ausgezeichnet haben, ohne der Natürlichkeit des Vortrags Abbruch zu tun - was etwa Karl Löbl enthusiastische Vergleiche mit Fritz Wunderlich anstellen ließ -, könnten von seinem Erfahrungsschatz noch zusätzlich profitieren. Warum also der Abschied? „Weil ich nicht erleben will, dass man mir nachsagt: Er hat's verpasst. Ich möchte über meinen Rückzug selbst entscheiden können. Ich war 25, als ich erstmals für Geld gesungen habe. Heute dauern Karrieren 20, höchstens 25 Jahre, 30 sind schon eher selten. Ich aber singe bereits seit 39 Jahren.“

Nicht nur die Länge von Wolfgang Holzmairs Karriere ist außergewöhnlich, auch seine Stimmlage. „Ich bin ein hoher Bariton, für den Pelléas in Debussys Pelléas et Mélisande eigentlich der Prototyp. Das ist eine Stimmgattung, die man sich heute als ‚Tenor-Bariton‘ gar nicht mehr zu benennen traut. Johann Michael Vogl, ein Freund Schuberts, war so ein hoher Bariton.“ Durch diese Stimmlage blieb Wolfgang Holzmair in Sachen Repertoire in gewisser Weise eingeschränkt. Der Weg vom Papageno und Guglielmo zum Figaro-Grafen oder zum Don Giovanni, den Baritone für gewöhnlich gehen, blieb ihm verwehrt. „Ich habe mehrere Anfragen, den Figaro-Grafen oder den Don Giovanni zu singen, abgelehnt. Das hat viele Leute überrascht. Doch sind bei Mozart fast alle Bariton-Rollen Bass-Bariton-Partien. Oft hört man, wie sich Sänger mit der Tiefe abmühen. Das wollte ich nicht. Wann immer ich das Gefühl hatte, etwas nicht erfüllen zu können, den Intentionen eines Komponisten nicht gerecht zu werden, ließ ich davon die Finger.“

Trotzdem hat Wolfgang Holzmair ein breites Repertoire mit 60 verschiedenen Partien gesungen, von Jacopo Peris L'Euridice favola drammatica, der ältesten überlieferten Oper überhaupt, bis zu zeitgenössischer Musik. Das Stadttheater in Bern war seine erste Station, wo er in Edgar Kelling einen verständnisvollen Intendanten fand. „Was sich heute kaum ein junger Sänger trauen würde, habe ich damals gemacht, nämlich schon nach zwei Monaten um eine höhere Gage gebeten. Ich habe sie bekommen, außerdem galt mein neuer Vertrag nicht zwei, sondern drei Jahre“ - in denen Wolfgang Holzmair viel, aber niemals etwas über sein Fach gesungen hat. Dadurch blieb seine Stimme gesund, was auch dem Lied zugute kam, das für ihn mindestens ebenso wichtig ist wie die Oper. Schon 1983 spielte er mit Jörg Demus Schuberts Die schöne Müllerin auf Schallplatte ein. Nachdem diese Aufnahme wenige Jahre später auf CD erschienen war, schrieb der einflussreiche Alan Blyth im Gramophone nicht nur eine hymnische Kritik, er empfahl den jungen Sänger auch dem Direktor der Londoner Wigmore Hall, einem Epizentrum anspruchsvollen Liedgesangs. „Obwohl damals ein No-Name hatte ich bei meinem Debüt 1989 einen so großen Erfolg, dass ich in der folgenden Saison gleich für drei weitere Konzerte eingeladen wurde. Insgesamt bin ich 37 Mal in der Wigmore Hall aufgetreten.“ Der Erfolg in London wiederum bewirkte eine Einladung in die Carnegie Hall nach New York. „Dort habe ich eingeschlagen wie eine Bombe“, erzählt Wolfgang Holzmair. „Die New York Times hat mich nach dem Liederabend, der im Jänner stattfand, regelrecht in den Himmel gehoben. Im Jahresrückblick wurde mein Auftritt dann noch als ‚Debüt of the Year‘ gewürdigt.“ Mit solchen Weihen gekrönt, stieg Wolfgang Holzmair zu einem König des Liedgesangs auf. Als solcher reüssierte er auch hierzulande, die große Karriere aber machte er im angelsächsischen Raum, wo man ihn auch als Opernsänger viel stärker wahrnahm. „Ich habe insgesamt 23 Tourneen durch die Vereinigten Staaten unternommen, bin viel gereist, von einer Stadt zur anderen, quer über den Kontinent.“ Den damit verbundenen Strapazen wollte er sich nicht länger aussetzen, was mit ein Grund für seinen Rückzug ist. „Manchmal fragt man sich, woran lässt sich ermessen, dass man Karriere macht? Für mich sind das zweierlei Dinge: Zum einen, man wird erneut eingeladen. Den ersten Auftritt vermittelt der Agent. Nur wenn man damit erfolgreich ist, folgt eine Wiedereinladung. Der zweite Punkt ist, dass man Projekte realisieren kann, die einem am Herzen liegen.“ Diese Möglichkeit hatte Wolfgang Holzmair: Unter den 50 Alben, die er aufnahm, finden sich neben populären Programmen mit Liedern von Schubert, Schumann oder Wolf auch solche mit weniger bekannten Komponisten, wie Benedict Randhartinger, vor allem aber mit Werken ehemals verfemter Komponisten. „Ich habe manches von Zeisl, Franz Mittler, Schreker, Krenek und den so genannten Theresienstädter Komponisten aufgenommen. Es kam mir schon auch darauf an, zum richtigen Zeitpunkt ein politisches Statement abzugeben, ohne mich dabei verbal zu äußern.“

Die Klage über den Propheten, der im eigenen Land nichts gilt, könnte - zumindest was die Oper anlangt - auch Wolfgang Holzmair anstimmen. Er tut es aber nicht, obwohl er an der Wiener Staatsoper nur in der Ära Drese als Harlekin und in Udo Zimmermanns Die weiße Rose aufgetreten ist. Zumindest seinen Abschied als Opernsänger aber feiert Wolfgang Holzmair, der im Unterrichten mittlerweile eine neue Erfüllung gefunden hat, vor den Toren Wiens, im Schlosstheater von Laxenburg. Dort hat Bernd Bienert im Vorjahr Le nozze di Figaro szenisch historisierend höchst erfolgreich auf die Bühne gebracht, heuer lässt er Così fan tutte folgen. „Bernd Bienert fragte mich zunächst für einen Liederabend mit Werken Randhartingers an, zwischen den Così-Terminen. Irgendwie hat mich das gejuckt, und ich fragte ihn, ob er schon einen Don Alfonso hätte, den ich unter William Christie sowie in Toronto gesungen habe. Prompt schrieb er mir zurück, dass ich seine Idealbesetzung wäre, weil er mich als Liedsänger schätze und ihm für Mozart meine Art zu singen genau richtig erscheine. Außerdem habe er auf youtube gesehen, wie ich unterrichte. Genau so stelle er sich den Don Alfonso vor.“ Für Wolfgang Holzmair ist Così fan tutte die perfekte Oper schlechthin, weil die sechs Figuren gleichwertig sind und ein echtes Ensemble bilden. „In der Oper war mir der Ensemble-Gedanke immer wichtig. Selbst wenn ich als Gast irgendwo auftrat, habe ich mich als Teil des Ensembles gesehen.“

Auf seine Karriere blickt Wolfgang Holzmair dankbar zurück. An Partien blieben nur drei Wünsche unerfüllt: Monteverdis Orfeo, der Ramiro in Ravels Spanischer Stunde sowie der Beckmesser in den Meistersingern von Nürnberg, für den er geradezu prädestiniert gewesen wäre. In Bayreuth hat er dafür sogar vorgesungen, weil es Terminprobleme mit einem bereits engagierten Kollegen gab, der dann aber doch alle Vorstellungen übernehmen konnte. In den USA wurde eine geplante Produktion kurzfristig in einen Rosenkavalier abgeändert, mit Wolfgang Holzmair als Faninal. Schade, die Intendanten haben sich dadurch etwas entgehen lassen. Aber vielleicht findet sich noch einer, der rasch handelt, denn auf die Frage, ob er seinen Abschied von der Bühne eines Beckmessers wegen vielleicht doch noch hinauszögern würde, antwortet Wolfgang Holzmair diplomatisch: „Den Fehler begehe ich sicher nicht noch einmal, nämlich zu sagen, ich mache nichts mehr. Wenn es als letztes Puzzlestück passt, warum nicht?“

 

SCHLOSSTHEATER LAXENBURG
Wolfgang Amadeus Mozart
Così fan tutte
Do., 9. März, 18.00 Uhr
Dirigent: David Aronson
Konzept, Regie, Bühnenbild und Kostüme: Bernd R. Bienert
Besetzung: Wolfgang Holzmair (Don Alfonso), Megan Kahts (Despina), Juliette Mars (Dorabella), Anne Wieben (Fiordiligi), Thomas Elwin (Ferrando), Christian Kotsis (Guilelmo)
Sa., 11., So., 12., Sa., 18., So., 19. März, 16.00, Di., 14., Do., 16. März, 18.00 Uhr

 

 

Die Presse - Schaufenster | 03. 02. 2017

TEATRO BAROCCO Schloss Laxenburg

W. A. Mozart: „Così fan tutte“ und J. A. Hasse: „Piramo e Tisbe“ am Originalschauplatz

 

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Mit der Wiedererweckung des 1753 von Maria Theresia in Schloss Laxenburg erbauten Opernhauses hat Teatro Barocco im Februar 2016 Geschichte geschrieben. Österreichs authentisches Mozart-Opernhaus, einstmals kaiserliches Privattheater, wurde mit der Originalinszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“ dem öffentlichen Bewusstsein und Kulturleben zurückgegeben. Das Schlosstheater von Laxenburg ist der ideale Rahmen für Mozarts Opern sowie für die Werke seiner bedeutenden Zeitgenossen. Ab 9. März 2017 werden nun Mozarts „Così fan tutte“ und J. A. Hasses „Piramo e Tisbe“ – zwei der großartigsten Werke der europäischen Musikgeschichte – in den Inszenierungen von Bernd R. Bienert in rekonstruierten Kostümen und Bühnenbildern der Epoche Mozarts im zauberhaft intimen Rahmen des ehemals kaiserlichen Privattheaters zu erleben sein.

In der Kaiserloge. Dieses außerordentliche Erlebnis sollten sich Musiktheatergourmets nicht entgehen lassen: nur in Laxenburg ist es möglich, erstmals seit rund 250 Jahren die 1770 in Laxenburg gezeigte Meisteroper „Piramo e Tisbe“ – das Hauptwerk von J. A. Hasse – am originalen Aufführungsort von genau jener Loge aus zu verfolgen, von der aus die kaiserliche Familie das Meisterwerk seiner Zeit bestaunen konnte. Maria Theresia ließ Hasse in ihre noch heute erhaltene Kaiserloge rufen, und überreichte ihm dort voll des Lobes einen wertvollen Ring.

Historiengetreu. Bereits zum Markenzeichen von TEATRO BAROCCO sind die wunderbaren historischen Kostüme und Bühnenbilder geworden, die Intendant und Regisseur Bernd R. Bienert an den Gepflogenheiten des 18. Jahrhunderts orientiert. TEATRO BAROCCO hat die Intentionen der Originalklangbewegung um die optischen und szenischen Komponenten erweitert, seine unverkennbare Handschrift lässt die Werke der Mozartzeit wieder so spannend und unterhaltsam aufblühen, wie sie das bei ihrer Uraufführung gewesen sind.

Grosse Stimmen. Ein außerordentliches Sänger-Ensemble bringt die Meisterwerke von Mozart und Hasse auf die Laxenburger Barockbühne, allen voran der international gefeierte österreichische Bariton Wolfgang Holzmair. Er übernimmt die Rolle des Don Alfonso. Als Dorabella wird die von Staatsoper und Volksoper bekannte Juliette Mars zu hören sein, in der Rolle der Despina die Südafrikanerin Megan Kahts. Sie feierte zuletzt mit TEATRO BAROCCO einen Riesenerfolg als Tisbe in Hasses gleichnamiger Oper. Anne Wieben übernimmt die Rolle der Fiordiligi, sie war zuletzt bei TEATRO BAROCCO in Mozarts „Figaro“ als Marcellina zu erleben. Das Ensemble TEATRO BAROCCO musiziert auf Originalinstrumenten, bei „Così fan tutte“ unter der Leitung von David Aronson (Wiener Staatsoper) und bei „Piramo e Tisbe“ unter der Leitung des Barock-Experten Emanuel Schmelzer-Ziringer.

 

Premiere „Così fan tutte“: W. A. Mozart (Wien, 1790): Do., 9. 3.2017 (18 Uhr) weitere Termine: 11., 12., 18. & 19. 3. 2017 (16 Uhr), 14. & 16. 3. 2017 (18 Uhr)
Mit: Wolfgang Holzmair (Don Alfonso), Megan Kahts (Despina), Juliette Mars (Dorabella), Anne Wieben (Fiordiligi), Juan Carlos Petruzziello (Ferrando), Christian Kotsis (Guilelmo), Chorus Alea/Leitung: Matthias Schoberwalter
Premiere „Piramo e Tisbe“: von J. A. Hasse (Wien, 1768): 15. & 17. 3. 2017 (18 Uhr)
Mit: Maria Taytakova (Piramo), Megan Kahts (Tisbe), Peter Widholz (Tisbes Vater)
Tickets: www.teatrobarocco.at Tickethotline: +43/(0)699/1839 69 69 Schlosstheater Laxenburg, Schlossplatz 1, 2361 Laxenburg/Niederösterreich

 

 

Presseberichte zu „Piramo e Tisbe“, Stift Altenburg 2016

 

KRONEN ZEITUNG | 27. 06. 2016 | Karlheinz Roschitz

Der Zauber barocker Tragödie

Stift Altenburg: Riesenerfolg für Bienerts TEATRO BAROCCO mit „Piramo e Tisbe“

Das ist nicht nur eines der Highlights des Niederösterreichischen Theatersommers, das ist ein spannender Ausflug in die barocke Musiktheaterwelt Österreichs: Im barocken Bibliothekssaal des Stiftes Altenburg zeigt Bernd Roger Bienert seine Produktion von Johann Adolf Hasses Oper „Piramo e Tisbe“.

 

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Um korrekt zu sein: „Piramo“ des einst sehr einflussreichen Deutschen Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) ist ein Intermezzo tragico. Eine „Romeo und Julia“-Tragödie, für die Marco Coltellini nach Ovids Metamorphosen das Libretto schrieb.

Wenn Bernd Roger Bienert, früher Tänzer & Choreograf der Wiener Staatsoper und Ballettdirektor der Zürcher Oper, sich für eine Inszenierung von „Piramo“ entschied, knüpft er damit Beziehungen zur Wiener Theatertradition: „Piramo“ wurde 1768 in Wien uraufgeführt, 1770 auf Wunsch Josephs II. in Laxenburg gezeigt und an vielen Höfen nachgespielt.

Bienert ist hervorragender Kenner barocker Operntradition. Die Aufführung mit ihren historischen Bühnenräumen im magischen karamellfarbenen Licht der Kerzen strahlt eigenwilligen Zauber aus. Umso mehr als Bienert die Figuren – das liebende Paar Piramo und Tisbe und den despotischen König – in prächtige spätbarocke Kostüme kleidet und in Gestik und Bewegungen barocker Spieltradition anpasst. Besonders das Waldbild mit einem Tempel und dem Grab des königlichen Ahnen beeindruckt.

Musikalisch trifft die Besetzung genau den Ton des damals – neben Mozart – bereits spätbarock „altertümlichen“ Hasse, der lange an den Höfen von Dresden, Paris und Wien als „Divino sassone“ und zuletzt in Venedig den Ton angab.

Die beiden Sopranistinnen, die Südafrikanerin Megan Kahts als Tisbe und die Slowakin Maria Taytakova als Piramo, beherrschen die Szene bravourös: Ihre oft sehr langen Rezitative haben Leben, ihre Da-capo-Arien imponierende Kraft und Spannung, ihre Koloraturen, bei denen Hasse – auch wegen seiner Frau, der berühmten Diva Faustina Bordini – nie gespart hat, funkeln verführerisch. Peter Widholz ist daneben der polternde König, der die Kinder in den Tod treibt. „Bärig“ wirkt der tollpatschige Löwe von Gabriel Wanka.

Emanuel Schmelzer-Ziringer (Dirigent & Cembalist) führt Sänger und zehnköpfiges Instrumentalensemble mit Energie, Intensität und Kenntnis der Aufführungspraxis. Das Publikum zeigte sich begeistert (Weitere Aufführungen: 2., 9., 16., 23. und 30. Juli).

Die Presse | 27. 06. 2016 | Walter Weidringer

Eine Barockoper auf Punkt und Komma

Das TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg bringt Hasses „Piramo e Tisbe“ in historischem Gewand.

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„Lasst mich den Löwen auch spielen!“, fleht Zettel in Shakespeares „Sommernachtstraum“ – jenen Löwen, der zwar brüllt, aber niemanden frisst und trotzdem das blutige Ende des Liebespaares in ihrem Stück über Pyramus und Thisbe heraufbeschwört. Spätestens seit Ovids „Metamorphosen“ rührt das Schicksal der beiden – so sehr, dass Shakespeare ihre Story bereits als Parodie auf die Bühne brachte. 1768 in Wien hingegen nahm man es wieder ernst mit der Tragik: Lasst mich den Löwen auch komponieren, dachte offenbar der damals 69-jährige, längst mit allen Opemlorbeeren bekränzte Johann Adolph Hasse, als er „Piramo e Tisbe“ als intimes „Intermezzo tragico“ auf die Bühne brachte. Eine regelrechte „Sinfonia di Leone“ für den Auftritt des Raubtiers ist aber nicht die einzige Merkwürdigkeit der Partitur. Hasse peppt hier seinen langsam altväterisch werdenden barocken Stil nach aktuellem Gusto auf: Von übertriebenem Zierrat bereinigte, melodisch aparte und formal aufgelockerte Arien gehen vielfach ohne Schlussakkord in markante Accompagnato-Rezitative über.

 

Widerständiges Konzept

Heute packt das Stück eher musikalisch – zumindest dann, wenn ausdrucksvolle Stimmen am Werk sind. Megan Kahts setzt als Tisbe ihr vergleichsweise flammendes Material differenziert ein, während Maria Taytakova den ebenfalls für Sopran komponierten Piramo mit lyrischerer Emphase füllt. Peter Widholz gibt mit Aplomb Tisbes strengen Vater, der sich am Ende angesichts der toten Liebenden aus Schuldgefühl auch noch ersticht: Der Löwe, hier ein mehr bärenartiges Ungeheuer, bleibt der einzige Überlebende. Es ist eine Art von widerständigem Theater, das Regisseur Bernd Bienert mit seinem TEATRO BAROCCO nun schon zum fünften Mal im prunkvollen Bibliothekssaal des Stifts Altenburg verwirklicht: Der Anspruch, historische Aufführungspraxis nicht nur musikalisch (mit einem farbenreich spielenden Ensemble unter Emanuel Schmelzer-Ziringer), sondern auch szenisch zu verwirklichen, steht quer zur herrschenden Bühnenpraxis – und entwickelt im Wechselspiel von Distanz und Nähe seinen eigenen Reiz.

Kurier | 27. 06. 2016 | Barbara Pálffy

TEATRO BAROCCO

Liebestragödie im Altenburger Schauderwald: „Piramo e Tisbe“

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Charmant. Im pluralistischen Spektrum der Inszenierungs-Stile hat Bernd R. Bienert, vielseitiges Mastermind des TEATRO BAROCCO, mit seiner historisch informierten Darstellungspraxis und Szenografie einen fixen Platz gewonnen. Diesmal gilt seine minutiöse Sorgfalt in der originalnahen Belebung eines Gesamtkunstwerks von Johann Adolph Hasse, „Piramo e Tisbe“ (1768), in der wunderbaren Bibliothek von Stift Altenburg. Für die Geschichte der Liebenden, die am Widerstand der Familien scheitern und nach tragischen Missverständnissen Selbstmord begehen, hat Bienert stilsicher historische Bühnenbilder rekonstruiert, von denen besonders der nächtliche Schauderwald des zweiten Akts mit nobler Gobelin-Ästhetik beeindruckt.

 

Megan Kahts (Tisbe) entfaltet ihren warm strömenden Sopran mit aufblühenden Höhen; die elegant geführte Stimme von Maria Taytakova – Piramo ist originalgetreu ebenfalls mit einem Sopran besetzt klingt eher silbrig, sodass sich in den Duetten ein fein dosierter Zusammenklang ergibt. Beide Damen sehen in den luxuriösen Kostümen hinreißend aus und geben den etablierten, gestisch-choreografischen Abläufen Leben und Seele.

Der Tenor Peter Widholz (Tisbes Vater) imponiert nicht bloß mit den Drohgebärden des despotischen Patriarchen, sondern steigert sich auch stimmlich zu beinahe heldischen Attacken. Der fatale Auftritt des Löwen (Gabriel Wanka) ist mit charmant ironisierter Naivität gestaltet. Das Ensemble musiziert auf Originalinstrumenten, jedes seiner Mitglieder verfügt über solistische Qualitäten; Emanuel Schmelzer-Ziringer (Cembalo und musikalische Leitung) beweist die Leidenschaft und Lebenskraft von Hasses Musik. Ein Erlebnis für alle Sinne!

 

KURIER-Wertung: ★★★★☆

Die Welt | 25. Juni 2016 | Manuel Brug | http://klassiker.welt.de

Operngenuss im Waldviertler Escorial: das TEATRO BAROCCO in Altenburg

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Stuck, Stuck, Stuck. Und Fresken. Der Blick mag sich gar nicht abwenden von diesen Decken und Wänden, Kuppel und Raumschalen, die fantasievoll prunken, aber eigentlich demütig auf Gottes Werk lenken sollen. Unter dem kunstsinnigen Abt Placidus Much entstand die prunkvolle Barockausstattung des hoch über dem Kamptal im als eine Art Escorial im Waldviertel thronenden Kloster Altenburg. Vor allem dem Maler Paul Troger gelangen in Kirche, Bibliothek, Weißem Saal und Kaisertreppenhaus farbig lebenskräftige Bilderwelten, die unwillkürlich das Auge nach oben lenken. Doch hier, 90 Kilometer von Wien entfernt, schaut man in diesem versteckten Juwel in der prachtvollen Bibliothek auf einen blau gemalten Bühnenrahmen, der die andere Hälfte des langestreckten Saales verbirgt: Bernd R. Bienert ist wieder mit seinem TEATRO BAROCCO zu Gast.

Nun schon zum fünften Mal lässt der Choreograf und Regisseur in diesem so originalen wie originellen Ambiente frühklassizistische Stücke spielen. Werke, die zu klein oder zu speziell sind, um in normalen Theatern ihre Wirkung zu entfalten, die aber hier leben und zu leuchten begonnen. Mini ist das Orchester, doch es reicht aus. Denn auch der böhmischen Kapellmeisters Anton Benda (1722–1795) beschränkt sich in seinen Melodramen oftmals nur auf unterstützende, kommentierende Akkorde zum gesprochenen Wort. Damals war das eine sehr modische Gattung, selbst der ihn bewundernde Mozart eiferte Benda nach.

Hochpathetisch sind sie, so wie sein berühmtestes, die Finalszene der „Medea“, die es im letzten Jahr gab. Die Musik, ist schlicht und direkt, gemahnt oft an Gluck. Das barocke Umfeld relativiert das, und die tänzerisch exakte, wortdeutliche Umsetzung durch Kira von Zierotin. In Reifrock und Allongeperücke steht sie da wie eine der berühmten Schauspielerinnen der Comédie Francaise wie sie ein Hyacinthe Rigaud gemalt hat. Sie schwingt den Dolch und hebt die Arme zum Himmel, ist Verzweiflung, Wut, Weinen und Verfluchung. Eine Megäre in feinster Robe.

Hier ist nicht nur die akustische, sondern auch die optische Komponente der Aufführungspraxis der Entstehungszeit verpflichtet. Versucht wird, ihr durch akribische Recherche bei Gestik, Kostümen und Bühnenbild so nah wie möglich zu kommen. Das ist so fremd wie faszinierend. Bis Medea nach vollzogenem Kindsmord – nur das leere Kissen klagt noch an – im Pappwagen gen gemalten Himmel entfleucht. Bernd R. Bienert, Wiener Choreograf, Musiktheaterregisseur, Kurator, Ausstatter, Unternehmer und Organisator, sagt über das vor ihm akribisch untersuchte Gestenrepertoire dieser Zeit. „Das war viel größer, komplexer und übertriebener als wir das heute gewohnt sind. Es war aber wie eine Sprache, die alle verstanden. Und es ist erstaunlich, wie normal diese im korrekten Umfeld wirkt, vor allem wenn die Akteure die richtigen Kleider tragen.“

Der 1962 geborene Bienert war als Tänzer an der Staatsoper Wien und am Nederlands Dans Theater engagiert. Am Opernhaus Zürich wirkte er von 1991-96 als Ballettchef, wo er vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Stararchitekten wie Mario Botta, Renzo Piano, Jean Nouvel oder Zaha Hadid Furore machte. 1999 bis 2001 schloss sich ein Engagement in Saarbrücken an. Bienert hat sich bereits damals aber auch für die Rekonstruktion tanzhistorisch bedeutender Choreographien verdient gemacht. Nur konsequent also, dass er seit 2011 selbst nach dem Vorbild der Kupferstiche von J. F. Götz auch historische Darstellungs- bzw. Inszenierungspraxis im Bereich der Oper wieder belebt. Jüngst hat er auch im Schlosstheater Laxenburg, einem der wenigen noch erhaltenen Theater aus der Mozart-Zeit, einer historisch korrekten „Hochzeit des Figaro“ gespielt.

Er tut das, mit einem durchaus theatralischen Sinn für die Magie eines Ortes, mit seinem hochgelobten Truppe TEATRO BAROCCO. Und er weiß als kluger Theatermann. Nach Drama und hohem Gefühl braucht es die komische Entladung: Die brachte 2015 witzig und spielerisch tänzelnd eine hübsche Intermezzo-Buffa: „Lo Speziale“ – „der Apotheker“ von Joseph Haydn, wo wieder mal ein reiches Mündel vor ihre alten, amourösen Vormund bei einem jungen Kerl Zuflucht sucht. Das war so quirlig gespielt wie fein gesungen. Und machte Lust auf mehr.

Was schnell erfüllt werden kann, denn ab heute ist im Stift Altenburg bei Horn wieder das TEATRO BAROCCO zu Gast. Diesen Sommer, jeweils Samstags bis zum 30. Juli (und am 20. Juli als Gastspiel in Bad Aussee) mit „Piramus und Tisbe“, einem „intermezzo tragico“ von Johann Adolph Hasse.

 

Wiener Zeitung | 25. 06. 2016

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Piramo e Tisbe

Möglichst nahe an die Zeit der Erstaufführung will sich das TEATRO BAROCCO in seinen Produktionen annähern, mit anderen Worten: Willkommen in der Epoche von Maria Theresia! Im Originalklang mit getreulich rekonstruierten Bühnenbildern und Kostümen und im Ambiente des barocken Stiftsaals entfaltet sich die höchst ergreifende Liebesgeschichte von Johann Adolf Hasse, seinerzeit bekannt als „il divino Sassone“.

Jeweils samstags bis zum 30. Juli (Tel. 0699/1839 6969).

 

Neue Zürcher Zeitung | 24. 05. 2016 | Michael Stallknecht

Plädoyer für eine historisch informierte Darstellungspraxis

 

„… in Wien verleiht der Theatermacher Bernd R. Bienert mit seinem TEATRO BAROCCO regelmässig Werken der Mozart-Zeit eine historisierende Gestalt.“

„Wie Nikolaus Harnoncourt, … unermüdlich die Bedeutung der «Klangrede» herausstellte, müsste man für die historisch informierte Darstellungspraxis … geradezu von einer «Körperrede» sprechen. Das Interesse an einer solchen Darstellungspraxis kommt wahrscheinlich nicht zufällig zu einer Zeit, in der das Regietheater nicht mehr unbedingt neu, geschweige denn unangefochten ist.“

 

KURIER | 21. 05. 2016

TEATRO BAROCCO IN STIFT ALTENBURG

Im bekannten barocken Saaltheater wird das Publikum gekonnt ins 18. Jahrhundert versetzt

Musikalisches Drama in zwei Akten

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Im schönsten Barocksaaltheater Österreichs inszeniert TEATRO BAROCCO – Intendant Bernd R. Bienert – das musikalische Drama „Piramo e Tisbe“, J. A. Hasses Meisterwerk erstmals in Österreich in einer Originalinszenierung und in rekonstruierten Bühnenbildern und Kostümen im Stil der Mozartzeit. Das Ensemble TEATRO BAROCCO musiziert auf historischen Instrumenten. Die südafrikanische Sopranistin Megan Kahts verzeichnete kürzlich als Susanna in Bienerts gefeierter Produktion „Le Nozze di Figaro“ von W. A. Mozart im Schlosstheater Laxenburg bei Publikum und Presse einen Riesenerfolg. In J. A. Hasses „Piramo e Tisbe“ übernimmt sie die nun als „Tisbe“ die Hauptrolle der neuen Produktion. Die Handlung – ein barockes Drama vom Feinsten: Tisbe liebt Piramo, doch ihr Vater zwingt sie zur Heirat mit einem Fremden. Tisbe widersetzt sich der unfreiwilligen Heirat. Der fatale Irrtum passiert: Piramo ersticht sich, da er Tisbe von einem wilden Tier getötet glaubt. Tisbe folgt ihm in den Tod. Tisbes Vater erkennt nun die Folgen seines Starrsinns und tötet auch sich. TEATRO BAROCCO versteht Musiktheater als gesamtheitliches Erlebnis im Kontext der Authentizität aller beteiligten Kunstformen. Bernd R. Bienert hat 2012 mit seinem „TEATRO BAROCCO“ ein Festival begründet, das sich explizit mit dem Musiktheaterschaffen von W. A. Mozart und dessen künstlerischem Umfeld auseinandersetzt und das eine weitgehend unbekannte Vielfalt an verschiedenen Formen (Melodram, Singspiel, Intermezzo, Opera buffa, Opera seria usw.) Schritt für Schritt zurückerobert.

Ticket und Informationen

Vorstellungen: 25. Juni 2016 (Premiere). Weitere Vorstellungen: 2., 9., 16.; 23.; 30. Juli 2016, jeweils um 19 Uhr
Tickets: www.teatrobarocco.at oder Ticketline: 0699/18396969

 

Die Presse | 15. 04. 2016 | Wilhelm Sinkovicz

Die Moden früherer Zeiten

Historienfilme, Originalklang, ja, aber wie sahen eigentlich historische Opernaufführungen aus? Das TEATRO BAROCCO zeigt es haargenau.

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Zu den Spezialitäten des Wiener Musiktheater-Tausendsassas Bernd Roger Bienert zählt es, den Moden früherer Zeiten nachzuspüren. Er lockt damit auch wider den Stachel unserer nur vordergründig politisch korrekten Ära. Zwar, wir sprechen von Originalklang und historisch informierter Aufführungspraxis. Allein, weit ist es mit der Authentizität nicht her. Sobald man die Dinge ein wenig stärker hinterfragt und tiefer schürft, kommt man zu dem Punkt, an dem offenbar wird, dass man über die Frage, wie Musik etwa zu Bachs oder Mozarts Zeiten gespielt wurde, relativ wenig sicher aussagen kann, hingegen Illustrationen und Stiche aus der Zeit sehr gut nachvollziehen lassen, wie die Inszenierungen auf den Bühnen ausgesehen haben und welcher Gebärdensprache sich die Schauspieler und Opernsänger bedient haben. Just daran will man sich heute aber gar nicht orientieren.

Zaubrische Lichtmagie. Bienert fand das wenig schlüssig und gründete sein TEATRO BAROCCO, das seit fünf Spielzeiten im Stift Altenburg eine Heimat hat. Und dort rekonstruieren Bienert und seine Getreuen musiktheatralische Spektakel wie anno dazumal – sogar die Lichtverhältnisse, wie sie einstens bei Kerzenbeleuchtung herrschten – versucht man zu simulieren. Die Erfahrungen sind atemberaubend, denn sie bringen unsere Fantasie erst so recht in Gang. Was als akustisches Abenteuer begann, wurde zum retrospektiven Gesamtkunstwerk. Als einen Höhepunkt seiner Arbeit darf Bienert die Wiederbelebung des einzigen erhaltenen historischen Mozart-Spielorts bezeichnen, die ihm mit der Aufführungsserie von „Figaros Hochzeit“ im Schlosstheater von Laxenburg heuer im Frühjahr gelang. Die gewohnte Teatro-barocco-Stagione führt uns im Sommer wieder nach Altenburg zurück, wo sich in den vergangenen Spielzeiten zum nostalgischen Theater-Rückblick noch musikhistorische Seitenblicke gesellten. Denn Bienert findet es nicht nur interessant, wie unsere Altvordern Theater gespielt haben, er will auch wissen, für welche Stücke sie sich begeistert haben. Und da unterscheidet sich die Repertoireliste stark von jener, die wir heute für die Ära der Vorklassik und des Barock als kanonisiert ansehen. Von Bach beispielsweise wussten die Europäer der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts vergleichsweise wenig, von Händel schon mehr – aber zu den absolut führenden Köpfen in Sachen Musiktheater zählte der heute bestenfalls Kennern dem Namen nach bekannte Johann Adolf Hasse.
Er galt den Italienern als „göttlicher Sachse“, was im Geburtsland der Oper schon damals allerhand heißen wollte, und war in Deutschland der absolute Star unter den Musiktheater-Komponisten seiner Ära. Im legendären Opernstreit im Paris der Vordenker Voltaire und Rousseau spielte Hasse eine gar nicht geringe Rolle als Vorzeige-Meister der italienischen Oper. Dass es ihn im Gefolge des Siebenjährigen Kriegs zuletzt gar nach Wien verschlug, verschweigt die hiesige Chronik gern; doch fand Bienert in einer der letzten Hasse-Opern, „Piramo e Tisbe“ sogar ein Beweisstück, dass sich der erfolgreiche Künstler den Reformen des jüngeren Christoph W. Gluck keineswegs verschloss, sondern deren Errungenschaften für sich zu nutzen verstand.

Neue Opernära. Die Tragödie der unglücklichen Liebe der zarten Thisbe zu Piramus, die vom Vater des Mädchens durchkreuzt wird, stammt aus derselben Zeit wie die bisher in Altenburg aufgeführten Werke, verzichtete ebenso wie diese auf die Mitwirkung von Kastraten und war übrigens nach ihrer Uraufführung – eine weitere Teatro-barocco-Parallele – auch in Laxenburg zu sehen! Sie zeigt uns einen der führenden Barock-Komponisten an der Schwelle zu einer neuen Opernära.

 

Info
„Piramo e Tisbe“ von J. A. Hasse
Premiere: 25. Juni, Reprisen: 2., 9., 16., 23., 30. Juli. Stift Altenburg.
www.teatrobarocco.at
Informationen zu Clubvorteilen auf DiePresse.com/derclub

 

Presseberichte zu „Le nozze di Figaro“, Schloss Laxenburg 2016

 

Barbara Rett trifft … TEATRO BAROCCO: Le Nozze di Figaro

ORF 2 Heute Leben | Montag, 15. Februar, 17:30 Uhr
ORF III Kultur Heute | Freitag, 19. Februar, 19:50 Uhr

VIDEO ≫

 

Wie zu Mozarts Zeiten …

Kerzenbeleuchtung, handgemalte Kulissen, Originalinstrumente, historische Kostüme – wenn am 18.Februar „Die Hochzeit des Figaro“ im Schlosstheater von Laxenburg Premiere hat, kann man diese Oper einmal so erleben, wie sie Mozart, Kaiser Josef II. und der Wiener Hof selbst erlebt haben! Denn kurz nach der Uraufführung im alten Burgtheater wollte der Kaiser Mozart's Neuling am 13.Juni 1786 gleich noch einmal in seinem Schlösschen in Laxenburg sehen und so übersiedelte die ganze Produktion dorthin.

Das Schlosstheater von Laxenburg hat Mozart gut gekannt – er hat es 1773 bereits mit seinem Vater Leopold besucht, um von Kaiserin Maria Theresia in einer Audienz empfangen zu werden und ist in den folgenden Jahren dort oft zu Besuch gewesen. Es ist somit die einzige Mozart-Spielstätte der Welt, die Mozart selbst gekannt hat und die bis heute baulich vollkommen unverändert erhalten ist!

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„Ich will die Oper nicht ins Heute versetzen, sondern das Publikum ins Gestern“, sagt TEATRO BAROCCO-Chef BERND BIENERT, selbst ausgebildeter Tänzer, erfolgreicher Choreograph und mittlerweile erfolgreicher Intendant in Niederösterreich, wo er alljährlich im Stift Altenburg mit einem jungen Ensemble Perlen der Barockoper der Vergessenheit entreißt – sehr zum Vergnügen des Publikums, denn seine Produktionen sind liebe- und humorvoll, halten sich so eng wie möglich an die historischen Vorbilder und vermitteln durch ein Originalklangorchester mit Hammerklavier neue musikalische Erlebnisse.

Aufführungen von „Le Nozze di Figaro“ im Schlosstheater Laxenburg
Premiere 18. 2., weitere Vorstellungen 20., 21., 25., 27. und 28. Februar 2016

Wiener Zeitung | 20. 02. 2016 | Rainer Elstner

Ernste Lockerheit im Kaiserschloss

In Laxenburg ist Mozarts „Figaro“ zu sehen – in Klang und Bild an der Uraufführungszeit orientiert.

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Theaterfreunde mögen das Schlosstheater Laxenburg als einen Saal in Erinnerung haben, in dem das Publikum mit dem Rücken zur alten Bühne sitzt, mit dem Blick auf die spätbarocke Kaiserloge. Derzeit ist dort alles anders. Bernd R. Bienert, Intendant des TEATRO BAROCCO (das sonst im Stift Altenburg residiert), hat die Blickrichtung der Zuschauerplätze wieder in Richtung Bühne gedreht.
Nicht Platzoptimierung steht im Vordergrund, sondern historische Aufführungspraxis bis in die Fingerspitzen. Bienert ist ein international erfolgreicher Choreograf, Regisseur und Ausstatter. Er nutzt das Theater in der Sommerresidenz von Kaiserin Maria Theresia für ein interpretatorisches Abenteuer: Mozarts Oper "Le nozze di Figaro" an einem originalen Aufführungsort in möglichst originalgetreuer Wiedergabe. Das bezieht sich nicht nur auf die Orchesterinstrumente, sondern auch auf die Kostüme, das Bühnenbild und das Bewegungsrepertoire der Darsteller. Für die Stoffe der Klei-der wurden gar alte Webtechniken rekonstruiert.
Das Konzept von Regisseur Bienert, den Gesang mit Theatergesten der Mozart-Zeit zu begleiteten, wird von den jungen Darstellern mit ernster Lockerheit umgesetzt. Für heutige Augen mag die ständige Kommentierung des Textes wie ein „Activity“-Spiel für Opernfreunde wirken. Doch einerseits reißt dieser Duktus schnell mit, andererseits dient die nonverbale Kommunikationsebene für manche wohl auch als Substitut für eine Übertitelung, die bei diesem Vorhaben naturgemäß nicht vorhanden ist.
Das Ensemble ist mit viel Fingerspitzengefühl gewählt. Gebhard Heegmann singt den Figaro mit Eleganz, aber nicht in allen Lagen gleich kraftvoll. Gezim Berisha ist ein darstellerisch wie stimmlich agiler Graf Almaviva. Die männlichen Nebenrollen sind überzeugend besetzt: Juan Carlos Petruzziello ist ein markig quengelnder Basilio und ein quaken-der Don Curzio, Florian Pejrimovsky leiht seinen fülligen Bass den Rollen des Bartolo und Antonio.

Rührend und verführend

Stimmlich haben die Damen die Nase vorn: Penelope Makeig strahlt als Barbarina kokette Natürlichkeit aus, Anne Wieben zeichnet als Marcellina den affektierten Gegenpol. Barbara Angermaier trifft – trotz anfänglicher Kurzatmigkeit – mit Cherubinos berühmter Arie „Voi che sapete“ ins Herz. Sarah Marie Krämer lässt als Gräfin ihre Stimme kraft-voll strömen. Megan Kahts belebt die Rolle der Susanna nicht nur musikalisch, sondern vermag im Lauf des Abends ihrer Stimme über alle Register hinweg ein dunkles Timbre beizumischen – rührend und verführend.
Das Orchester des TEATRO BAROCCO spielt auf Originalinstrumenten und in der kleinstmöglichen Besetzung: fünf Streicher, fünf Bläser, ein Paukist. Das mag bei manchem Violin-Crescendo karg klingen, sorgt aber für eine konturscharfe Auffächerung der Partitur. Der erfahrene Operndirigent und Korrepetitor David Aronson leitet vom Hammerklavier aus. Er ist der rechte Mann für dieses Projekt: Mit ruhiger Hand und ohne Exzentrik führt er das hochtalentierte Sängerensemble. Ein Fest für Mozart im akustisch idealen Rahmen.

OPER Le nozze di Figaro Von Wolfgang Amadeus Mozart Schlosstheater Laxenburg Termine bis 28. Februar

Tickets: www.culturall.com

 

KURIER | 20. 02. 2016 | Barbara Pálffy

LAXENBURG

Ein historischer Mozart, der stets die Spannung zu halten weiß

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Kritik. In Laxenburg wird historisches Terrain für Mozarts „Le Nozze di Figaro“ wiedergewonnen, denn Joseph II. hatte sich die Produktion knapp nach der Uraufführung in die Sommerresidenz mitgenommen. Bernd R. Bienert, „Chefarchäologe“ für den szenischen Komplex historisch informierter Aufführungspraxis, nimmt sein Publikum im Schlosstheater wieder auf eine Zeitreise mit.
Das bedeutet ebenso minutiös rekonstruierte Ausstattung wie präzise recherchiertes Bewegungsrepertoire. Raffiniert nützt Bienert diese stilisierte Darbietungsform für die Vermittlung von Sinn. Die sozialen Reibeflächen des Librettos werden scharf konturiert: Die Bauern nähern sich ihrem gräflichen Herren als geduckte Lemuren, der Graf zeigt tiefsten Ekel vor ihnen. Er ist arrogant, hysterisch und geil – brutal zwingt er Susannas Hand an sein Genital.

Junges Ensemble. Das Ensemble ist großteils sehr jung und attraktiv: Gezim Berisha gibt dem Grafen Attacke; Sarah Marie Kramer berührt als Gräfin; Megan Kahts als Susanna agiert graziös mit agilem Sopran, Gebhard Heegmann gibt einen geschmeidigen Figaro.
Barbara Angermaier als Cherubino steigt gleichsam aus einem Gemälde von Watteau und singt hinreißend. Komödiantische Kabinettstücke machen Juan Petruzziello (Don Basilio/Don Curzio) und Florian Pejrimovsky (Bartolo/Antonio) aus ihren Rollen. Die Figur der Marcellina wird durch die attraktive Anne Wieben aufgewertet. Eine Talentprobe liefert Penelope Makeig als Barbarina.
Vom Hammerklavier aus lässt David Aronson das kammermusikalisch besetzte Orchester beträchtliche Klangfülle entfalten und trägt die Sänger behutsam. Ein langer Abend – ohne Striche im letzten Akt – der stets die Spannung hält.

 

tanzschrift.at | Februar 2016 | Barbara Freitag

http://www.tanzschrift.at (http://www.tanzschrift.at/buehne/kritisch-gesehen/240-le-nozze-di-figaro-in-laxenburg)

LE NOZZE DI FIGARO IN LAXENBURG

Spannender und dichter kann man sich Wolfgang Amadeus Mozarts Opera buffa „Le Nozze di Figaro“ gar nicht wünschen. Bernd R. Bienert inszenierte das Werk für sein TEATRO BAROCCO in größtmöglicher Annäherung an eine historische Aufführungspraxis, mit berückender Musikalität und Gestik. Sogar der Ort ist Geschichte: Das ehemalige kaiserliche Hoftheater in Schloss Laxenburg, wo Mozarts Meisterwerk kurz nach der Uraufführung in Wien 1786 gespielt wurde.

 

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Eine derartige Einheit von Stimmen, Körpern und Instrumenten gelingt selten auf einer Opernbühne. Um das zu erreichen, braucht es offenbar gar keiner ausgetüftelten Regiekonzepte mit neuen Interpretationen da und dort, sondern es genügt, sich an die szenischen Anweisungen von Mozarts kongenialem Librettisten, Lorenzo da Ponte, zu halten. Und die richtige Mischung aus theatralem Instinkt, Musikalität und choreographischem Vermögen zu haben. All das trifft auf den gebürtigen Wiener Bernd R. Bienert zu, dem natürlich seine Vergangenheit als Ensemble-Tänzer am Wiener Staatsballett zu Gute kommt, wie auch seine spätere Karriere als Ballettchef und freier Choreograph.

Im Lauf der Jahre trat das Musiktheater in den Vordergrund, und 2012 gründete Bienert das Festival „TEATRO BAROCCO“ im Benediktiner Stift Altenburg, wo ihm die Restaurierung des Saaltheaters gelang. Es ist seither das räumliche Herzstück seiner Erarbeitungen barocker Musikdramen von Mozarts Zeitgenossen. Den Meister selbst implementierte er nun im wieder spielbar gemachten, ehemaligen kaiserlichen Hoftheater in der habsburgischen Sommerresidenz Laxenburg. Ein Ort mit besonderer Aura, denn genau hier fand „Le Nozze“ tatsächlich statt, sogar in der Besetzung der Uraufführung, ganz nach Wunsch von Kaiser Josef II.
Es ist ein relativ kleiner Raum, mit kleiner Bühne, und dieser Größenordnung entsprechend besteht das Orchester aus nur elf Musikern. Die musikalische Leitung hat David Aronson über, der vom Hammerklavier aus dirigiert – präzise, mit Engagement und sichtlicher Freude. Das ist alles gut sichtbar, weil man als Publikum nahe beim Orchester sitzt und die auf historischen Instrumenten gespielte Musik dadurch ganz anders wahrnimmt, intimer und persönlicher.

Anders als üblich ist auch das Geschehen auf der von Kerzenlicht beleuchteten Bühne, was eine besondere Stimmung erzeugt. Das stilisierte Bühnenbild entspricht barocken Standards gemalter Prospekte und Seitenwänden, und auch die Kostüme sind damaligen Kleidern nachempfunden. All das entspricht Bienerts Konzept, einen möglichst authentischen Gestus der Aufführung zu gestalten. Das Entscheidende ist aber das Spiel der Sänger-Darsteller, das komplett anders ist als in den meisten heutigen Inszenierungen mit naturalistischem Gehabe. Es handelt sich hier um einen durchchoreographierten Gestenkanon, den alle Sänger anwenden. Bienert hat diesen in historischen Quellen zur barocken Aufführungspraxis recherchiert und für seine Inszenierung rekonstruiert. Obwohl ein Verfremdungseffekt, entsteht andererseits ein harmonischer und natürlich wirkender Fluss, der die Handlung unterstützt. Noch mehr: Endlich versteht man durch den über den Gesang gelegten gestischen Ausdruck den doch sehr verwirrenden Verlauf im Intrigenspiel der drei Liebespaare, in dessen Zentrum Susanna steht, Figaros Verlobte. Auch ist das Libretto ja stark durchsetzt von erotischen Anspielungen, deren Schärfe in der üblichen Darstellungsweise eher banalisiert wird. Nun kommt das alles durch die Körpersprache klar zu Tage, ohne pantomimisch zu sein.

Das gesangliche Niveau ist insgesamt hoch, auch wenn die Frauen durch die Bank das bessere Material zur Verfügung haben. Besonders Megan Khats als Susanna ist ein Erlebnis, und ebenso Sarah Marie Kramer als Gräfin Almaviva. Auch Anne Wieben als Marcellina überzeugt. Darstellerisch sind jedoch ausnahmslos alle Mitwirkenden hervorragend. Eine tolle Leistung, wie sie alle die körperliche Gestik dermaßen exakt mit dem Gesang vereinbaren. Möglicherweise funktioniert das auch mit Mozarts Musik besonders gut, die ausnahmslos gut zu singen und spielen ist, wie professionelle Sänger oft versichern.
Ein überzeugender, runder Abend, der die vier Stunden Dauer mühelos vergehen lässt. Und demonstriert, wie genussvoll und heutig ein Werk als Ganzes sein kann, das aus einer vergangenen, fremden Welt kommt. Wenn man es fremd lässt und nicht zu Tode modernisiert.

„Le Nozze di Figaro“, Opera buffa in vier Akten von Wolfgang Amadé Mozart, Libretto von Lorenzo da Ponte, Regie, Inszenierung, Bühne, Kostüme: Bernd R. Bienert, Musikalische Leitung und Hammerklavier: David Aronson,nächste Termine: 25. (18 Uhr) , 27. Und 28. Februar (16 Uhr), Schlosstheater Laxenburg, A-2361 Laxenburg, Schloplatz 1, www.teatrobarocco.at

 

KRONENZEITUNG | 20. Februar 2016 | Karlheinz Roschitz

Laxenburg: Mozart, Bernd Bienert

Figaro kehrt heim

Was Opernfreunde schon immer wissen wollten, erfahren sie jetzt im ehemals kaiserlichen Schlosstheater Laxenburg: Teatro-Barocco-Chef Bernd Roger Bienert rekonstruierte am Originalschauplatz in Bühnenbildern der Zeit die Aufführung von Mozarts „Nozze di Figaro“.

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So hat "Figaro" am 3. Juni 1786 ausgesehen, als Kaiser Joseph II. die Uraufführungsproduktion des Hofburgtheaters nach Laxenburg holte. Von Bienert spielerisch kokett, voll Witz und Ironie im Gestus von damals inszeniert und mit streng klassischen Bühnenbildern ausgestattet. Stimmungsvoll die schummerig geheimnisvolle Beleuchtung der Zeit, von sparsamer Eleganz die Rokokokostüme. Optischer Höhepunkt ist der in blaues Mondlicht getauchte Schlosspark, in dem die Verführungskapriolen zauberhaft wirken. Schön, „Figaro“ einmal nicht im Supermarkt, in einer Fünfzigerjahre-Küche oder einer Toilette sehen zu müssen.
Feingefühl für Mozart merkt man auch bei David Aronson am Pult des Teatro-Barocco-Kammerorchesters mit historischen Instrumenten. Jonathan Lyness Kammerfassung passt perfekt in die Akustik des kleinen, feinen Barocktheaters. Aronson sorgt für klanglich homogene Szenen, stimmige Tempi, Leichtigkeit und Eleganz. Temperamentvoll führt er das Ensemble. Mit Freude am Quirligen, die er auf die Sänger überträgt.
Ein solides Ensemble, aus dem Sarah Maria Kramers würdevoll leidende Gräfin, Megan Kahts' kokett turtelnde Susanne und Barbara Angermaiers durch die Liebeswelt flatternder Cherubino besonders gefallen.
Überzeugend: „Almaviva“ Gezim Berisha, Gebhard Heegmanns stimmgewaltiger Figaro, Anne Wieberns Marzellina, Juan Carlos Petruzziellos Basilio, Florian Pejrimovskys Bartolo und Penelope Makeigs Barbarina. Viel Jubel!

 

Der Standard | 25. 02. 2016 | Ljubiša Tošić

Eine Epoche zu Besuch

Mozarts „Figaro“ im Schlosstheater Laxenburg

 

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Laxenburg – Es gab ihn schon – den Versuch einer szenischen Originalstilbewegung als Pendant zur Originalklangästhetik. Sie wurde vor ein paar Jahren etwa auch bei der Salzburger Mozartwoche erprobt. In Laxenburg jedoch, wo nun Wolfgang Amadeus Mozarts Le nozze di Figaro gezeigt wird, verschmilzt der präzise und an der Zeit der Werkentstehung orientierte Regiestil von Bernd R. Bienert auch mit dem Raum. Und dies im Sinne einer quasi authentischen Wiederbelebung der seinerzeitigen inszenatorischen Vorgänge rund um den Geniestreich.
Kurz nach der Uraufführung des Figaro, im Jahre 1786, wurde die Oper auch im Schlosstheater Laxenburg aufgeführt. Und all die barocke Gestik, all das stilisierte Darstellen von Emotionen im schummrigen Licht ist nun in Form einer charmanten Zeitreise zu erleben. Ja, manch großem Haus wäre so viel Sorgfalt bei der Charakterisierung der Figuren zu wünschen. Hier prallen sie zwischen Rekonstruktionen des seinerzeitigen Bühnenbildes kurzweilig aufeinander.

Solide und schrill

Bei den Stimmen ist Schönes, Solides bis etwas Schrilles zu hören, wobei die Herren kultivierter an die Zeit Mozarts erinnerten. Edel etwa der Figaro von Gebhard Heegmann, solide der Graf von Gezim Berischa. Da konnten – bezüglich jenes leichten und doch so schwer zu erweckenden Mozarttones – Megan Kahts (als Susanna) und Barbara Angermaier (als Cherubino) noch nicht alle Hoffnungen erfüllen.
David Aronson am Pult und am Hammerklavier animiert das auf historischen Instrumenten spielende Ensemble des TEATRO BAROCCO zu durchaus herzhaft-engagierter Spielweise, die mit Fortdauer des Abends an Stringenz gewann. Manch Ton ging zwischendurch effektvoll daneben. Aber das war wohl damals, als das Werk das Licht der habsburgischen Welt erblickte, auch nicht anders.
In jedem Fall bietet Laxenburg als Gesamtkunstwerk ein besonderes Zeit- und Raumerlebnis.

Aufführungen am 27., 28. Februar, 16.00

 

Die Presse | 22. 02. 2016 | Wilhelm Sinkovicz

Wie Figaro aussah, wissen wir, wie er gesungen hat, nicht

 

diepresse.com | Kultur | Klassik | 21. 02. 2016

„Presse“-Musikkritiker Wilhelm Sinkovicz bloggt über die wichtigsten Ereignisse der Klassikszene.

Sinkothek live (http://diepresse.com/home/kultur/4573460/Sinkothek-live)

Mozarts Figaro widerfährt ein wenig Gerechtikgeit.

Anmerkungen zu Bernd Bienerts Versuch, im originalen Mozart-Theater von Laxenburg Mozart auch möglichst „original“ zu spielen.

 

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Der im Grunde völlig richtige Gedanke, Oper sei nicht vornehmlich eine Sache für hedonistische Hörer, sondern hätte viel mit Theaterspielen zu tun, treibt hie und da absonderliche Blüten. Was die modischen Inszenierungen betrifft, wollen uns manche Intendanten und viele Rezensenten einreden, nur durch derlei Neudeutungen auf dem Niveau unserer Zeit ließe sich die Gattung Oper auf Dauer am Leben erhalten.
Abgesehen davon, dass ich mich ja nicht zuletzt dank der Beschäftigung mit älteren Meisterwerken aus den Niederungen unserer Zeit auf ein etwas höher gelegenes Niveau zu retten versuche, scheint mir in diesem Gedanken ein grober Irrtum zu liegen.
In aller Regel reduzieren die Regisseure durch ihre Verfremdungsmaßnahmen die Perspektive des Publikums ja etwa auf den Stand ihrer eigenen intellektuellen und seelischen Befindlichkeit. Würden sie weniger ihre eigenen Gedanken umzusetzen versuchen als das, was in Text und Partitur vorzufinden ist, bestünde immerhin die Chance, den Stücken eine gewisse Offenheit zu erhalten – eine Offenheit im Sinne dessen: Wenn sich Fragen stellen, sind es vielleicht die, – um ein Beispiel zu geben – die Lorenzo da Ponte und Wolfgang Amadé Mozart uns gestellt haben; und nicht die, die bei der letzten psychoanalytischen Sitzung von Regisseur X oder Regisseuse Y offen geblieben sind.
Interessanterweise konfrontieren uns ja in Bezug auf musikalische Interpretation seit vielen Jahren die bedeutendsten Musiker mit ihren Forschungen auf dem Sektor des sogenannten Originalklangs. Man versucht so getreulich wie irgend möglich zu rekonstruieren, wie ein Klavierkonzert zu Mozarts Zeit geklungen haben könnte; wie Opernsänger phrasiert und artikuliert haben.
Erstaunlich, dass die Rädelsführer dieser Bewegung, wenn sie denn einmal dazu angehalten waren, eine Oper nach ihrem Gusto zu interpretieren, nie Protest eingelegt haben, wenn auf der Bühne das strikte Gegenteil dessen unternommen wurde, was sie mit ihren darmsaitenbestücken Violinen und kieksenden Naturhörnern im Orchestergraben zu realisieren versuchen. Solange die Susanna ihre Rosenarie möglichst vibratofrei sang, war es egal, ob sie währenddessen in einem Rokoko-Garten in stimmungsvollem Abendlicht auf einer Parkbank saß oder von einer Neonröhre illuminiert, verkehrt herum vom Schnürboden über einer Herrentoilette hing.
In diesem Sinne ist es einen Ausflug nach Laxenburg wert, wo Bernd Bienert mit seinem „Teatro barocco“ einen „Figaro“ realisiert, der sich an erhaltenen Quellen über das theatralische Gesten- und Gebärdenrepertoire der Mozart-Zeit orientiert. Bei (simuliertem) Kerzenschein nimmt sich jeder einzelne Moment aus wie ein lebendig gewordener Kupferstich.
Gespielt wird noch am 25., 27. und 28. Februar. Das Schöne daran: Anders als die Leistungen von Originalklangpionieren lässt sich die Authentizität von Bienerts Arrangements „beweisen“. Bilder von Aufführungen jener Epoche gibt es in Hülle und Fülle, auf die Erfindungen Thomas A. Edisons musste die Menschheit hingegen noch eine Zeitlang warten. Wie mein Kollege Walter Weidringer schrieb, geht es in diesem Fall nicht darum, „jeden Ton auf die Goldwaage zu legen“. Die Optik dieser Produktion sollte man hingegen neugierig taxieren …

 

DieKleinkunst | 20. 02. 2016 | Gerd Kern

Schlosstheater Laxenburg: Le nozze di figaro

Das Schlosstheater Laxenburg, in diesem Fall das „Teatrobarocco“, hatte sich ein ambitioniertes Projekt vorgenommen. Zum 260.Geburtstag Mozarts, aber vor allen zum 230-Jahre-Jubiläum von „Le nozze di figaro“wurde diese Oper in voller Länge und in italienischer Sprache inszeniert. Ob diese äußerst intensive Arbeit erfolgreich war, hat sich DieKleinkunst-Redakteur Gerd Kern in dem stimmungsvollen Theater angesehen.

 

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Gleich vorweg: Der Einsatz von Regisseur Bernd R. Bienert und seinem Team hat sich mehr als gelohnt. In akribischer Kleinarbeit wurde das Original dieser Oper ohne jede Streichung auf die Bühne gebracht, wobei auch Kostüme und Bühnenbild dieser Vorgabe entsprechen mussten. Zusätzlich waren die Schauspieler dazu angehalten - wie damals üblich - Musik und Text durch elegante Gesten zu unterstreichen und damit deutlich zu machen. Dadurch fühlte man sich bei dieser Opera buffa, die Charme und Humor ausstrahlt, tatsächlich aus der Gegenwart in das Barock Josephs II. versetzt.

Apropos Joseph II.: Zum Inhalt der Oper muss kaum etwas gesagt werden, denn bis Figaro, der Kammerdiener des Grafen Almaviva „seine“ Susanna heiraten kann, gibt es vor dem Happy End die für diese Zeit typischen Verwechslungen, Verkleidungen und Missverständnisse, für die vor allem der Page Cherubino sorgt. Und er ist es auch, der die Kritik an der Arroganz des Adels trägt – eine Kritik, die Joseph sogar wohlwollend zur Kenntnis nahm. Die Handlung schließt ja an den „Barbier von Sevilla“ an, in der Beaumarchais beißende Kritik an der Ignoranz des Adels geübt hatte. Es ist aber gar nicht einfach, diese Kritik aus „Figaro“ herauszuarbeiten, denn Mozart und sein Librettist Laurenzo da Ponte mussten es ja bei Andeutungen belassen, um mit der Zensur keine Schwierigkeiten zu bekommen. Und gerade dieser Spagat ist Bienert hervorragend gelungen. Ohne am Text auch nur irgendetwas zu ändern, zeigt er die Unterwürfigkeit der Bauern gegenüber dem sie verachtenden Grafen, der überdies nicht davor zurückscheut, seine Machtposition gegenüber Susanne für unverhohlene sexuelle Attacken zu nützen. Diese Umstände werden durch den romantisch-barocken Hintergrund besonders deutlich. Übrigens hatte die Oper in Wien zu Beginn nur eher mäßigen Erfolg, ganz im Gegensatz zu Prag, wo sie auf Anhieb für einige Wochen ausverkauft war.

Damit zum wirklich wunderbaren Ausführungsort, dem barocken Schlosstheater Laxenburg.Tatsächlich gibt es für diese Oper kaum einen geeigneteren Platz, den Maria Theresia durch den Architekten Nikolaus Pacassi erbauen ließ. Joseph II. genoss dann hier im Juni 1786 kurz nach der Premiere am Wiener Burgtheater die Hochzeit des umtriebigen Figaro.

Das Bühnenhaus des Schlosstheaters Laxenburg ist in Relation zu dem eher intimen Zuschauerraum unverhältnimäßig groß und vor allem hoch. Damit konnten die Kulissen eines großen Theaters wie der Wiener Burg 1:1 übernommen werden. Dazu kam, dass hier 1786 ein Orchester in voller Besetzung musizierte und damit noch deutlich weniger Besucher Platz hatten.

Die musikalische Leitung in Laxenburg hatte der routinierte David Aronson übernommen, der im Gegensatz zu 1786 ein nur 11-köpfiges Orchester dirigierte und „nebenbei“ selbst am Hammerklavier tätig war. Erstaunlicherweise schaffte es dieses kleine Ensemble hervorragend, nahezu die gesamte Bandbreite dieser doch recht komplizierten Partitur sehr gefühlvoll und mit einem beeindruckendem Klangspektrum zu vermitteln. Nicht zuletzt dadurch gelang es dieser Aufführung eine lockere und fröhliche Atmosphäre zu schaffen.

Dazu kam, dass hier ein junges Sängerensemble aus unterschiedlichsten Ländern zusammengestellt wurde, das ambitioniert und mit beachtlichem Können ans Werk geht und vor allem hervorragend harmoniert. Man merkt der gesamten Truppe die Freude an dieser Aufführung deutlich an. Herausragend waren Sarah Marie Kramer als stimmgewaltige Gräfin Almaviva, die charmant-elegante Megan Kaths als Susanna, Anne Wieben als Marcellina, Gebhard Heegmannals Figaro und die quirlig-witzige Barbara Angermaier als Cherubino.

Aufführungen gibt es noch am 25., 27. und 28. Februar. Ob diese gelungene Produktion noch einmal aufgenommen wird, ist leider noch nicht klar.

 

European Cultural News | 21. 02. 2016 | Michaela Preiner

www.european-cultural-news.com

Ein herrschaftliches Vergnügen

Das TEATRO BAROCCO zeigt im Schlosstheater Laxenburg, genau 230 Jahre nach der Uraufführung der „Hochzeit des Figaro“, diese Mozartoper.

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Das Schlosstheater in Laxenburg ist vielen Wienerinnen und Wienern nur von außen bekannt. Gibt es doch eine wunderbare Kulisse bei einem der herrlichen Spaziergänge in seinem Park ab, die in der warmen Jahreszeit dort so beliebt sind.
Jetzt hat man Gelegenheit, den historischen Ort anlässlich einer Opernaufführung auch im Inneren zu besuchen. Das TEATRO BAROCCO zeigt dort genau 230 Jahre nach der Uraufführung der „Hochzeit des Figaro“ diese Mozartoper, und zwar so originalgetreu wie möglich. Im Konzertsaal kann man schon seit einem guten halben Jahrhundert Aufführungen erleben, die der historischen Musikpraxis verpflichtet sind. Im Bereich der Oper jedoch gibt es hier, wohl aufgrund der aufwendigen Recherchen und Vorbereitungen, noch Aufholbedarf. In Österreich stellte sich der Intendant und Regisseur in Personalunion, Bernd R. Bienert, der für die Produktionen seines TEATRO BAROCCO stets auf historische Spurensuche geht, dieser Herausforderung. Als ob dies nicht genug wäre, auch für das Bühnenbild und die Kostüme zeichnet er selbst verantwortlich. Eine übrigens auch historisch gesehen nicht unübliche Praxis, die sich klarerweise nach den finanziellen Gegebenheiten richtete. Bienert recherchierte, dass das Schlosstheater in Laxenburg, nach der Uraufführung im Burgtheater in Wien, das Stück im Sommer 1786 übernahm. Dank einer Anordnung Joseph II., der an diesem Ort der erholungssuchenden, adeligen Gesellschaft diese und andere Produktionen aus Wien als musikalische Kurzweil anbieten wollte.

Die Bühne, ungefähr 10 Meter breit und 10 Meter hoch, für den kleinen Theatersaal eigentlich überdimensioniert, konnte die Bühnenbilder aus dem Burgtheater 1:1 fassen, was eine enorme Kostenreduktion bedeutete. Das Orchester ist nicht, wie erst in späterer Zeit, in einem Bühnengraben verborgen. Vielmehr kann das Publikum, das in der ersten Reihe sitzt, den Musikerinnen und Musikern in die Noten schauen. Die intime Umgebung erzeugt ein ganz besonderes Flair mit dem Gefühl, hautnah am Geschehen teilzunehmen. Die Besetzungsliste des kleinen Orchesters, das auf alten oder historisch nachempfundenen Instrumenten spielt, ist kurz. Einzig die Violine ist zweifach vorhanden, alle anderen Streich- und Blasinstrumente sowie die Pauke – sind nur einmal vertreten. Das Klangresultat ist verblüffend. Mozart light, könnte man dazu sagen, was zugleich aber bedeutet, dass die einzelnen Instrumentalstimmen besonders gut wahrnehmbar werden. Wenn Cherubino in seiner Arie über seine ersten Liebeserfahrungen berichtet, dann empfindet man plötzlich das Pizzicato der Streicher wie den raschen Herzschlag eines jungen Mannes und nicht nur als kompositorisch gelungene Idee. Wenn der musikalische Leiter, David Aronson, die Rezitative am Hammerklavier begleitet, ertönt so manche kleine, musikalische Verzierung schalkhaft witzig. Er ist sichtlich mit großer Freude am Arbeiten und erhebt sich zwischendurch immer wieder kurz von seiner Klavierbank, um sichtbarer Einsätze geben zu können.

Die Kostüme, die Bienert bis auf wenige Ausnahmen aus einem Fundus zusammenstellte, geben in wunderbarer Weise auch das Gefälle zwischen Adeligen und Bediensteten wieder. Federn und viel Stoff, aufwendigst mit Schnürungen, Plissierungen und hohem Schneiderhandwerk auf der einen, grobes Leinen, Schürzen und Strohhüte auf der anderen Seite. Das Bühnenbild besteht aus unterschiedlichen, verschiebbaren Wänden, die sowohl das Innere von Almavivas Schloss als auch den nächtlichen Garten in sichtlich naiv-barockem Malgestus stilisieren. Die Kerzen, die an der Bühnenrampe aufgestellt sind, und deren flackenders Licht zart an den Wänden der Bühnendekoration sichtbar wird, lassen einen kleinen Eindruck zu, wie die Beleuchtung in der Zeit Mozarts gewesen sein könnte. Besonderes Augenmerk aber legt die Regie auf die Mimik und Gestik des Ensembles. Dabei kommt dem ehemaligen Tänzer an der Wiener Staatsoper sicherlich seine eigene Erfahrung auf diesem Gebiet zugute.

So entsteht eine äußerst lebhafte Interpretation, in der die Charaktere und ihre Empfindungen nicht nur durch die Musik hörbar, sondern auch sicht- und dadurch stärker fühlbar werden. Susanna – herausragend mit Megan Kahts besetzt, deren sowohl stimmliche als auch schauspielerische Leistung eine wahre Freude ist – ist oft händeringend zu sehen. Ihre Not, als Objekt der gräflichen Begierde zu gelten, kommt besonders gut auch in jener Szene zum Ausdruck, in der ihr der Graf unmissverständlich Avancen macht. Gezim Berisha führt in dieser Rolle an einer Stelle dabei sogar einmal ihre Hand zwischen seinen Schritt, deutlicher kann sein Verlangen wohl nicht zum Ausdruck gebracht werden. Und angeekelter hat man wohl noch keine Susanna reagieren gesehen. Juan Carlos Petruzziello darf als affektiert-gezierter Musiklehrer aber auch als Richter alle komödiantischen Register ziehen, die diese Rollen hergeben. Wie er fächerwedelnd zwischen der Gesellschaft tanzt und seinem Grafen beständig das Riechfläschchen als kurzen, olfaktorischen Erholungsmoment gegen die offenbar strengen Körperausdünstungen der Bediensteten unter die Nase hält, ist unglaublich amüsant. Sein heller, strahlender Tenor ist eine der größten Überraschungen des Abends, neben der Entdeckung des Talents von Megan Kahts. Als Richter trippelt er in Minischritten über die Bühne und legt eine überraschte Mimik an den Tag, die das Publikum in eine unglaublich heitere Stimmung versetzt. Florian Pejrimovsky, in einer Doppelrolle sowohl als Gärtner als auch Bartolo zu sehen, agiert in den fast schon holzschnittartig angelegten Rollen ganz nah an der Commedia dell`arte.

Sarah Marie Kramer als Gräfin nimmt erst in jener Arie ihre beredte Körpersprache zurück, in der sie sich an die Vergangenheit erinnert, in der sie von ihrem Mann noch geliebt wurde. Innig und ruhig passt sich ihr geschmeidiger und zugleich voluminöser Sopran wunderbar dem introvertierten Geschehen der betrogenen Frau an. Gebhard Heegmann verkörpert einen kräftigen Figaro, stimmlich klar und gut verständlich, der sich gewitzt aus jeder verfahren geglaubten Situation retten kann. Barbara Angermaier (Cherubino), Anne Wieben (Marcellina) und die junge Penelope Makeig (Barbarina) sind wunderbar besetzt und stimmlich jede einzelne bestens ausgestattet.

Die Möglichkeit, diese Oper, die für das adelige Publikum an der Grenze zum Affront operierte, in diesem Ambiente zu sehen, lässt aber auch noch andere Gedankenexperimente zu. Nicht wie in einem großen Theater ist man dazu verführt, das Geschehen auf eine rein künstlerische Ebene zu abstrahieren. Es drängen sich Gefühle auf, die damit zusammenhängen, dass am selben Ort vor vor 230 Jahren Personen saßen, die alleine qua ihrer Geburt maßgeblich das Weltgeschehen beeinflussten und zur selben Zeit außerhalb der Schlossmauern das einfache Volk ein Leben fristete, das wir uns heute nicht mehr vorstellen können. Abhängigkeiten von Feudalherren, wie Susanna sie auf der Bühne erleben muss, gehörten zum Alltag des Volkes, Luxus wie Opernvorführungen konnten sich nur die mächtigen Adelsgeschlechter leisten. Dass man das anlässlich einer Produktion von „Figaros Hochzeit“ auch einmal spüren darf, ist ein weiteres Verdienst des TEATRO BAROCCO.

Wir empfehlen: Wenn möglich, noch rasch für die restlichen Vorführungen Karten besorgen.

Tickets: www.culturall.com

 

KULTUR UND WEIN | Februar 2016

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Mozart ist nach 230 Jahren nach Laxenburg zurückgekehrt

„Le nozze di Figaro“ als musikalische Zeitreise All Inclusive

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Der Ort des ersten Gastspiels von Mozarts Le nozze di Figaro verbindet sich im letzten Bild der Oper auf magische Weise mit dem Park des Laxenburger Schlosses. Genauso könnten sich all die erotischen Verwirrungen zwischen romantischen künstlichen Ruinen in diesem nach englischem Muster bepflanzten Garten abgespielt haben. Während Almaviva heftig mit seiner eigenen Gattin flirtet, Susanna vom kleinen kusssüchtigen Cherubino bedrängt wird und Figaro nach Rache sinnt, darf die Phantasie aus dem kleinen Schlosstheater in das diskrete Dunkel dieser liebesschwangeren Nacht hinausfliegen und am Fest des Grafen teilnehmen.

230 Jahre ist es her, dass Kaiser Josef II. die kurz davor am Burgtheater am Michaelerplatz uraufgeführte Oper von Wolfgang Amadé Mozart nach einem Libretto von Lorenzo Da Ponte zum sommerlichen Pläsier aufs Land mitgenommen hat. Das Theater von Schloss Laxenburg war dafür bestens geeignet.
Mit seiner zehn Meter hohen Bühne und der perfekten Akustik dieses von Hofbaumeister Nicolò Pacassi geschaffenen Raumes erlaubte es die Übersiedlung der gesamten Produktion. So fand am 3. Juni 1786 die erste Aufführung einschließlich originaler Ausstattung und Besetzung im privaten Hofoperntheater in Laxenburg statt.

Dem Einsatz von Bernd Roger Bienert, dem Intendanten des TEATRO BAROCCO, ist es zu verdanken, dass Mozart wieder an diesen Originalschauplatz zurückkehren konnte. Laxenburg ist das einzige noch bestehende Theater in Österreich, in dem Opern von Mozart zu dessen Lebzeiten aufgeführt wurden. Bernd R. Bienert, bekannt für akribische Suche nach historischer Authentizität in seinen Inszenierungen, hatte sich „die möglichst genaue Sichtbarmachung der Regieanweisungen Da Pontes“ als oberstes Ziel gesetzt.
Und es wurde auch ein Opernabend wie zu Mozarts Zeit, von Kostümen und Kulissen angefangen über die barocke Gestik der Darsteller und die an Kerzenlicht ausgerichtete Beleuchtung von Bühne und Zuschauerraum bis zum Klang der Originalinstrumente im Orchester, serviert mit all dem Humor und Witz dieser wohl genialsten Opera buffa, kurz, eine musikalische Zeitreise All Inclusive.

Vom Hammerklavier aus versuchte David Aronson mit betont deutlichen Bewegungen Musiker und Sänger zusammenzuhalten, was nicht zuletzt aufgrund der vielen „historischen“ Umstände alles andere als leicht war. Immerhin mussten die Sänger mit dem ungewohnten Klangbild der begleitenden Musik zurechtkommen. Darmsaiten und originale Blasinstrumente klingen eben anders, viel weniger strahlend als moderne Geigen, Flöten und Fagotte.
Basilio (Juan Carlos Petruzziello) und Bartolo (Florian Pejrimovsky) brauchten sich ob ihrer Stimmgewalt kaum darum zu kümmern, ebenso wenig wie Anne Wieben als alte Marcellina mit der jungen Stimme. Wesentlich mehr Mühe hatte in dieser Beziehung Gezim Berisha, der seinen Almaviva überdies zu wenig gräflich und viel zu schusselig angelegt hat. Seine Gattin, die Gräfin (Sarah Marie Kramer), hat Mut zur Komik und scheint ihre Rolle als vom Gatten vergessene Frau durchaus zu genießen. Aber auch zum schwärmerischen Cherubino (Barbara Angermaier als liebes Mädchen im Knabengewand oder umgekehrt) will der Funke nicht überspringen, die Gräfin lässt es mit mütterlicher Zuneigung bewenden und überlässt den Jüngling gerne der reizenden Barbarina (Penelope Makeig).

Gebhard Heegmann als überzeugend spielender und singender Figaro und Megan Kahts als zierliche, aber um charmant resolute Susanna sind die erfrischend aufmüpfigen Untertanen, die bereits Beaumarchais in seiner Komödie „Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro“ 1778 als Wetterleuchten der Revolution auf die Bühne gestellt hat. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass ein, wenngleich aufgeklärter Monarch wie Kaiser Josef II. diese erstens schlüpfrige und zweitens umstürzlerische Oper nicht nur nicht verboten, sondern als allerhöchst private Unterhaltung zu genießen bereit war.

Weitere Vorstellungstermine: 20., 21. 27. 28. Feb., 16 Uhr, 25. Feb. 2016, 18 Uhr.

 

ATV Highlights | Montag, 15. Februar, 08:20 Uhr

VIDEO ≫

 

Mozart am Originalschauplatz

Im Schlosstheater Laxenburg versucht man, das Publikum mit einer historisierenden Produktion von Figaros Hochzeit ins 18. Jahrhundert zurückzuversetzen. In Mozarts Wohnung in Wien entstand vor mehr als 200 Jahren der Figaro und nach einigen geringfügigen Änderungen gestattete der Kaiser die Aufführung der „Nozze di Figaro“, eine davon im Theater des Schlosses Laxenburg. Jetzt wird es dort in intimer Atmosphäre und mit einzigartiger Akustik wieder gespielt.

O-Ton: Otto Biba (Kurator Mozartausstellung), Bernd R. Bienert (Regisseur)
TEATRO BAROCCO

Redakteur: Zoglauer

Profil | 15. 02. 2016 | Manuel Brug

Zeitsprung

Der Wiener Choreograf und Regisseur Bernd R. Bienert revitalisiert das Laxenburger Schlosstheater mit Mozarts „Le nozze di Figaro“.

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„Es war wohl 1983. Ich kam gerade vom Nederlands Dans Theater zurück und unternahm mit holländischen Freunden einen Ausflug nach Schloss Laxenburg. Dort war vor dem Krieg die berühmte Hellerau-Schule für rhythmische Gymnastik, gegründet von Emile Jaques-Dalcroze, angesiedelt. Wir fanden davon zwar keinerlei Spuren mehr, aber ich trat durch eine zufällig offene Tür in ein mir völlig unbekanntes Schlosstheater. Mir war sofort klar: Da will ich mal was machen.“

So erklärt der Wiener Choreograf, Musiktheaterregisseur, Kurator, Ausstatter, Unternehmer und Organisator Bernd R. Bienert, 54, die Genese seiner jüngsten Theatertat. Ab dem 18. Februar wird Bienert die inzwischen zu einem Tagungszentrum umgebaute Tanzschule an einem der einst wichtigsten Habsburger Sommersitze wiederbeleben – und nicht mit irgendeinem Stück, sondern mit Mozarts „Le nozze di Figaro“. Die revolutionäre Erfolgs-Buffa, am 1. Mai 1786 im damals noch gegenüber der Michaelerkirche gelegenen kaiserlichen Hofburgtheater uraufgeführt, wurde auf Anordnung Josephs II. bereits wenige Wochen später auch auf dem Land gegeben, in einer Art royalem Sommertheaterbetrieb, in dessen Rahmen die Habsburger zeitgenössische – und heute längst vergessene – Erfolgsstücke von Salieri, Cimarosa, Gluck, Soler, Paisiello oder Grètry mit hinein in die Sommerfrische nahmen.

Zum Beispiel den aufmüpfigen „Figaro“. Das 1753 vom Hofarchitekten Nicolö Pacassi erbaute Laxenburger Barocktheater ist neben dem Prager Ständetheater und dem Münchner Cuvillies-Theater der wohl einzige erhalten gebliebene Theaterbau, in dem noch zu Lebzeiten des Komponisten eine Mozart-Oper gegeben wurde. Mit Sicherheit ist der Barockbau aber der einzige authentische Mozart-Spielort in Österreich. Hier soll nun der „Figaro“ Wiedererstehen, in gewohnter Bienert-Manier: mit historischen Kulissen und Kostümen, jungen, begabten Sängern, vor allem aber mit einem akribisch untersuchten Gestenrepertoire der Zeit. „Das war viel größer, komplexer und übertriebener, als wir das heute gewohnt sind. Es war wie eine Sprache, die alle verstanden“, erklärt Bienert. „Es ist erstaunlich, wie normal die Gesten im korrekten Umfeld wirken, vor allem, wenn die Akteure die richtigen Kleider tragen.“

Bienert war als Tänzer an der Staatsoper Wien und am Nederlands Dans Theater engagiert. Am Opernhaus Zürich wirkte er bis 1996 als Ballettchef, wo er durch seine Zusammenarbeit mit Stararchitekten wie Mario Botta, Renzo Piano, Jean Nouvel oder Zaha Hadid für Furore sorgte. Von 1999 bis 2001 schloss sich ein Engagement in Saarbrücken an. Bienert machte sich bereits damals für die Rekonstruktion tanzhistorisch bedeutender Choreografien verdient. Es scheint also nur konsequent zu sein, dass er seit 2011 nach dem Vorbild der Kupferstiche von J. F. Götz die historische Darstellungs- und Inszenierungspraxis im Opernbereich revitalisiert.

Er macht das mit einem theatralischen Sinn für die Magie eines Ortes, etwa mit seiner hochgelobten Truppe TEATRO BAROCCO allsommerlich im Stift Altenburg, hoch über dem Kamptal. Der Blick mag sich hier gar nicht mehr abwenden von den Decken und Wänden, den Kuppeln und Raumschalen, die fantasievoll prunken. Unter dem kunstsinnigen Abt Placidus Much entstand die Barockausstattung des Waldviertier Escorial. Dem Maler Martin Troger gelangen hier farbig-lebenskräftige Bilderwelten. Nur 90 Kilometer von Wien entfernt schaut man in der prachtvollen Bibliothek allerdings auch auf einen blau gemalten Bühnenrahmen, der die Hälfte des lang gestreckten Saales verbirgt.

Bereits vier Mal ließ Bienert in diesem Ambiente frühklassizistische Stücke spielen. Werke, die zu klein oder zu speziell sind, um in konventionellen Theatern ihre Wirkung zu entfalten, die hier aber leben, zu leuchten beginnen, zuletzt die Melodramen von Georg Anton Benda (1722–1795), in denen sich die Musik oft nur auf unterstützende Akkorde zum gesprochenen Wort beschränkt. Bienert ist aber nicht nur den akustischen, sondern auch den visuellen Tangenten der einstigen Aufführungspraxis verpflichtet. Er versucht, in Sachen Gestik, Kostümen und Bühnenbild dem Original mit den Mitteln des Zeitsprungs so nahe wie möglich zu kommen. Mission erfüllt.

ORF Ö1 | Intrada | FR | 12.2.2016 | 10:30 Uhr | Johannes Leopold Mayer

Figaro heiratet in Niederösterreich

TEATRO BAROCCO im Schloss Laxenburg mit Mozart

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morgen 1/2016 | Michaela Schlögl

Ganz nah an Mozart und da Ponte

Zum 260. Geburtstag des Komponisten Wolfgang Amadé Mozart und zum 230. Jahrestag der Uraufführung von dessen Oper „Le nozze di Figaro“ gibt man einen originalgetreuen Figaro in Laxenburg

 

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Zugegeben – die Jubiläen 260 Jahre Mozart und 230 Jahre Figaro sind keine sehr runden, doch ein Umstand macht die Figaro-Aufführung in Laxenburg zu einer besonderen: Man spielt Mozart in demjenigen Theater, das als einziger in Österreich heute noch existierender Original-Aufführungsort des Figaro besteht. Die Oper wurde, quasi druckfrisch, nach ihrer Premiere in Wien „aufs Land“ transferiert und in Laxenburg am 3. Juni 1786 im kaiserlichen Schlosstheater dargeboten.
Mit den Figaro-Aufführungen 2016 wird das kulturgeschichtliche Kleinod des Laxenburger Theaters jetzt in mozärtlicher Manier reanimiert. Neben dem Schönbrunner Schlosstheater ist es übrigens das einzige erhaltene für fürstliche Hoheiten errichtete Theater des Spätbarock in Österreichs. Kaiserin Maria Theresia hatte ihren Hofarchitekten Nicolaus Pacassi, der auch schon das Schönbrunner Schlosstheater geplant hatte, mit Ausbau und systematischer Erweiterung der Laxenburger Anlage betraut.
Aus den Tagebüchern des Fürsten Josef Khevenhüller-Metsch lässt sich entnehmen, dass das dortige Kulissen-Theater vermutlich am 6. Mai 1753 zum allerersten Mal seine Pforten öffnete -für eine französische Komödie mit Ballett. In der Folge entwickelte sich ein regelrechter Stagione-Betrieb, sprich, wenn der Hof in Laxenburg residierte, wurde von Mitgliedern des Wiener Hoftheaters, in deren Verträgen Auftrittsverpflichtungen für Laxenburg vereinbart waren, aber teilweise auch durch Wandertruppen gespielt.
Maria Theresias Sohn, Kaiser Joseph II., verfügte 1784, dass anlässlich von kaiserlichen Aufenthalten „drei bis viermal pro Woche eine Aufführung stattfinden müsse“, die „entweder in einem Intermezzo von einigen Stimmen der Opera buffa oder in einer deutschen Piece von 2 Acten oder zwey dergleichen, jede von 1 Act zu bestehen hätte“ (Brief an „General-Spektakel-Direktor“ Franz Xaver Graf Orsini-Rosenberg vom 13.5.1784). Die erhaltenen Spielpläne aus den Monaten Mai und Juni der Jahre 1784 und 1786 zeigen, wie hochkarätig der damalige zeitgenössische Spielplan programmiert war. Man bot Werke der führenden Meister der Zeit, Paisiello (etwa den „Barbiere di Siviglia“), Cimarosa, Vicente Martin y Soler, Gluck oder Grétry.
Dass Mozarts Figaro, der am 3.6.1786 in Laxenburg gegeben wurde, etwa einen Monat nach der Uraufführung am 1. Mai desselben Jahres im Wiener Hofburgtheater, anfangs nur mäßig erfolgreich war, ist heute kaum nachvollziehbar. Die Uraufführungsbesetzung, in Laxenburg dieselbe wie in Wien, bot jedenfalls alle Stars der damaligen Truppe auf.
Der Figaro unternahm dann einen beispiellosen Triumphzug durch die Jahrhunderte. In dem kleinen Schlosstheater vor den Toren Wiens blieb der Vorhang für lange Perioden geschlossen, die Singspiel- und Opernaktivitäten versanken in einen Dornröschenschlaf. Die Napoleonischen Kriege, revolutionäre Ereignisse und die kulturelle Gesinnung des Biedermeierzeitalters, die auch am Hof einen Rückzug ins Private erkennen ließen, standen glanzvollen Theaterereignissen diametral entgegen. In Laxenburg durfte nur noch sehr selten Oper erklingen. Jetzt darf sie wieder!

HAUS FÜR MOZART. Dass hier ein kultur-geschichtlicher Schatz zu heben, eine quasi musikhistorisch-archäologische Grabung möglich sei, das hat den Jagdinstinkt des Intendanten des TEATRO BAROCCO, Bernd Roger Bienert, geweckt. Er ist von der Lokalität begeistert: „So wie die Fledermaus ins Theater an der Wien gehört, ist das Laxenburger Schlosstheater von der Größe her der ideale und der authentische Aufführungsort für Werke der Mozartzeit. Im Speziellen seines Figaro! Es ist meiner Meinung nach das einzige wirkliche Haus für Mozart in Österreich“, schwärmt Bienert vom Laxenburger Ambiente.
Bienert ist, das weiß man aus seinen Ballett-Projekten, auch ein großer Ästhet: „Eine Rekonstruktion des Inszenierungsstils jener Zeit bedarf auch einer den damaligen Verhältnissen adäquaten Beleuchtung, die das Kerzenlicht und dessen genauen Einfallswinkel von unten und von der Seite her rekonstruiert, sowie der von Hand gemalten Dekorationen in Form eines Gassen-Bühnenbilds mit Zentralperspektive, das durch das Hintereinanderstellen gemalter Einzelteile räumliche Perspektiven vortäuscht.“ Als Regisseur durchdringt Bienert die Materialen zu einem Stück geradezu leidenschaftlich. „Mozart selbst beschreibt in seinen Briefen die besondere Technik des ‚A-parte-Redens‘, wie er es nennt. Auch klagt er über die manchmal bescheidenen Möglichkeiten des schau-spielerischen Ausdrucks mancher seiner Hauptdarsteller. Daraus geht klar hervor, dass eine Inszenierung, die allen Darstellern einen nach historischen Lehrbüchern nachgestellten, gleichgeschalteten gestischen Stil abfordert, nicht der damaligen Aufführungspraxis entsprechen kann. Die Hauptdarsteller der ersten Figaro-Besetzung können ja schon aufgrund der verschiedenen Nationalitäten und unterschiedlicher Erziehung weder einer einheitlichen Gestik-Schule noch einem einheitlichen Gesangsstil zugeordnet werden. Sie müssen sich demnach wohl sehr individuell, jedoch im Sinne des damals tradierten, üblichen Gestik-Kanons zur Verdeutlichung des auszudrückenden Inhalts bewegt haben.“
Bienert sieht sich als Regisseur im Sinne der Mozartzeit: „Die Regie muss durch die Optik in jeder Sekunde deutlich machen, worauf die Situation abzielt. Der Zuschauer darf nicht durch Regieeinfälle abgelenkt werden! Eine Inszenierung im Stil der Mozartzeit muss die Regieanweisungen so ernst wie das Libretto nehmen.“ Weiters verweist Bienert darauf, dass der Begriff des Regisseurs der neueren Theatergeschichte entstammt. Der Spielleiter des 18. Jahrhunderts übernahm eher die Rolle eines Verkehrspolizisten, der den Ablauf der Aufführung organisierte. „Das muss auch der heutige Regisseur einer Aufführung tun, die den Stil der Mozartzeit nachzustellen sucht“, sieht Bienert einen klaren Auftrag für die Laxenburger Figaro-Inszenierung. Es geht daher um die Wiederbelebung des Gestikrepertoires der Sänger und eine Inszenierung, die die Logik des Librettos in aller Deutlichkeit, aber unprätentiös vermittelt.
In sechs Aufführungen nimmt sich das TEATRO BAROCCO zwischen 18. und 28. Februar einen Figaro vor, der extrem nah an Mozart herankommen möchte. Bienert ist ein genauer Rechercheur. So hat er in Rezensionen aus der Mozartzeit entdeckt, dass damals auch Gehörlosen oder Personen, die des Italienischen nicht mächtig waren, der Zugang zur Oper erleichtert wurde. Es war ja auch Kaiserin Maria Theresia, die die Errichtung des ersten Institutes für Gebärdensprache in der Taubstummengasse anordnete.
Selbstverständlich soll nicht nur das Ambiente stimmen, auch Mozarts Musik soll möglichst authentisch erklingen. Sie wird, unter der Leitung des Dirigenten und Pianisten David Aronson, auf Originalinstrumenten intoniert.
Bienert hat auch eine klare Vorstellung vom Zusammenwirken von optischen und akustischen Elementen: „Wir wollen mit Hilfe der Bühnenoptik auf die Finessen des Librettos und der Musik hinlenken. Nur so kann das Gesamtkunstwerk Oper entstehen.“ Gerade beim Figaro gäbe es eine Fülle von versteckten Hinweisen, die von da Ponte und Mozart eingearbeitet wurden, berichtet Bienert. Das Stück beginnt nicht mit einem Dialogtext, sondern mit einer absichtlich zunächst absurd erscheinenden Zahlenreihe, die im Libretto als Szene „Figaro misst mit einem Zollstock“ bezeichnet wird. Darüber könnte man heute in vielerlei Hinsicht spekulieren! Eine bewusste Abänderung des Beaumarchais-Originals, in dem ganz klar die Maße und die Maßeinheit beschrieben steht, fehlt im da-Ponte-Libretto!
Die wirklich wichtigen Zahlen dieser Figaro-Aufführung verstecken sich also im Stück selbst - weniger in den eingangs erwähnten Jubiläen. Bienert: „Die anfangs gesungenen Zahlen 5, 10, 20, 30, 36, 43 ergeben 144, die Zahl der Apokalypse 12 mal 12, die Abmessungen des himmlischen Jerusalem, die 12 Tore, die 12 Apostel … da ergeben sich Bezüge zu kabbalistischem Gedankengut und zum Alten Testament!“ Es gilt also nicht mehr und nicht weniger, als den authentischen Geheimnissen von Textdichter und Komponist nachzuspüren …

 

KRONENZEITUNG | 11 Februar 2016

Barocke Opernklänge erleben

 

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Figaro feiert auf Schloss Laxenburg Hochzeit:

Originalgetreu wird die Oper zum Jubiläum in Schloss Laxenburg inszeniert. Wer sich das nicht entgehen lassen möchte, muss schnell sein: Das Ensemble ist bis 28. Februar nur sechsmal auf der Bühne zu sehen.

Ein Klassiker kehrt an seinen Ursprung zurück und macht die Geschichte greifbar: Zum ersten Mal seit 1786 kommt „Le nozze di Figaro“ an einem der Original-Aufführungsorte, dem ehemals kaiserlichen Hoftheater Schloss Laxenburg, auf die Bühne. Die Premiere wird kommende Woche am Donnerstag, 18. Februar, gefeiert – und damit auch gleichzeitig das 230-Jahr-Jubiläum der Uraufführung sowie der 260. Geburtstag des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Karten und Infos gibt es unter 01/712 5400 340 sowie im Internet: www.culturall.com

 

Die Presse - Schaufenster | 05 Februar 2016 | Wilhelm Sinkovicz

Wie Mozarts Musiktheater wirklich war

Zu Mozarts Zeit interessierte sich das Publikum vor allem für die ganz neue Musik.

 

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Eine Aufführung von Mozarts „Figaro“. Das ist in Wien und Umgebung nichts Besonderes. Das Werk gehört zu den Musiktheaterstandards. Dass das so ist, ist ein kleines musikhistorisches Wunder, denn bis zum Zeitpunkt der Uraufführung von „Le nozze di Figaro“ war das Publikum gewohnt, in den Opernhäusern immer neue Stücke vorgesetzt zu bekommen. Man ging, um Novitäten der gerade meistgeschätzten Komponisten zu hören. Die Libretti kannte man oft, denn sie wurden in der Regel mehrmals von verschiedenen Meistern vertont. Es ging also immer darum, neue Musik zu hören. Mit dem „Figaro“ wurde alles anders. Textdichter Lorenzo da Ponte bekam die allerhöchste Erlaubnis, das als Schauspiel verbotene, weil gesellschaftspolitisch aufrüherische Theaterstück „La folle journee“ von Beaumarchais zu einer Opera buffa umzuarbeiten. Die deutlichsten Attacken auf das herrschende feudale System musste er dabei entfernen. Die burlesken Komödienelemente blieben freilich ebenso erhalten wie die menschlich anrührenden, tiefschürfenden Seelenbespiegelungen der einzelnen Personen, die ihre Rollen in den komplizierten erotischen Verstrickungen zu spielen haben.

Einzige Mozart-Bühne. Die kongeniale Umsetzung dieser vielschichtigen Dramaturgie in Mozarts Musik hob die Oper als Gattung auf ein neues, zuvor unbekanntes Niveau. Womit das Interesse an dem Stück bald sehr groß wurde. In gewisser Weise markiert der „Figaro“ im Verein mit dem Jahr darauf komponierten „Don Giovanni“ und der „Zauberflöte“ von 1791 den Beginn dessen, was wir heute Opernrepertoire nennen. Die Werke sind in mehr als 200 Jahren nie wieder von den Spielplänen verschwunden. Schon Kaiser Joseph II. ordnete an, dass die erfolgreichsten Stücke aus dem jeweils aktuellen Spielplan seines Hofburgtheaters (damals noch vis-à-vis der Michaelerkirche) während des Aufenthalts des Hofes in der Sommerresidenz Laxenburg im dortigen Schlosstheater gezeigt werden sollten. So übersiedelte auch der „Figaro“ wenige Wochen nach seiner Uraufführung ins intime Schlosstheater, das es – anders als das alte Burgtheater – heute noch gibt. Bernd Roger Bienert ist aufgefallen, dass dieses Haus die einzige noch bespielbare originale Mozart-Bühne im Lande darstellt. Der Komponist selbst hat ja die Übersiedlung seines „Figaro“ einst beaufsichtigt. Und er hat sogar Sorge getragen, dass die kaiserliche Buchhaltung durch sein Stück nicht allzu sehr belastet wurde. In Laxenburg wollte der Kaiser, der in Sachen Theater stets selbst das letzte Wort behielt, keine Zusatzkosten für Tänzer akzeptieren. Also musste das dritte Finale des Vierakters ein wenig umgeschrieben werden. Mozart schürzt ja den dramatischen Knoten just während einer Balletteinlage, deren Musik er Glucks „Don Juan“ entlehnt hat: Zu den Klängen des Fandango öffnet der Graf das Billet doux, das ihm schließlich zum Verhängnis wird, sticht sich mit der Nadel, mit der Susanna das Schreiben versiegelt hat, was wiederum zu den Verwicklungen am Beginn des folgenden Aktes führt… Durch die Absenz der Tänzer sah sich Mozart vor das Problem gestellt, den Fandango entfernen zu müssen. Die Handlung muss also während der Chöre der Bediensteten ablaufen, die diese Szene umrahmen. In diesem Sinn wird Bienert den „Figaro“ uminszenieren müssen, um eine möglichst getreue Rekonstruktion der einstigen Laxenburger Aufführung zu erreichen. Schon seit Jahren hat er sich in das Studium der Theaterquellen jener Ära vertieft und herausgefunden, dass nicht nur der viel zitierte Originalklang um den sich diesmal ein Spezialensemble unter der Leitung von David Aronson kümmern wird –, sondern auch originale szenische Praktiken wiederherstellbar sind. Es gibt genügend akribische Darstellungen spätbarocker und klassischer Theateraufführungen, um erkennen zu können, welches gestische und pantomimische Repertoire den damaligen Darstellern zu Gebote stand.

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Lichtmagie. In diesem Sinn dürfen Musikfreunde also gespannt sein: Mit dem „Figaro“ in Laxenburg können sie, notabene an einem Originalschauplatz, eintauchen in die alte Welt des Mozartschen Musiktheaters. Selbst die Illusion, dass nur Kerzen zum Beleuchten zur Verfügung standen, wird bewahrt. Mit theatralischer Lichtmagie hat Bienerts Karriere begonnen. Kaum ein Regisseur hat es wie er verstanden, die Bühne atmosphärisch auszuleuchten. Schon seine ersten Choreografien, „Alpenglühen“ und „Rads Datz“ an der Staatsoper, zeichneten sich durch eminente Bildwirkungen aus. Insofern knüpft der Produzent und Regisseur an seine Ballettvergangenheit an. Die Beschäftigung mit originalen Aufführungspraktiken hat in ihm die Idee reifen lassen, mit seinem TEATRO BAROCCO der musikalischen Pionierbewegung eine theatralische an die Seite zu gesellen. Im Laxenburger Schloss erreicht diese Bestrebung nun einen Höhepunkt. Was die ursprüngliche Optik des „Figaro“ betrifft, wurde Bienert in der Sammlung der Salzburger Stiftung Mozarteum wie auch in einem Antiquariat fündig: Der verbotene Text von Beaumarchais inspirierte ja Mozarts Zeitgenossen dazu, das inkriminierte Theaterstück zumindest in Privataufführungen, also sozusagen insgeheim, zu produzieren und zur Diskussion zu stellen. An der Pariser Comédie Française gab man die „Folie journee“ sogar eine Zeit lang offiziell. Sowohl von Privatvorstellungen als auch von den Pariser Aufführungen haben sich Zeichnungen erhalten, denen ziemlich deutlich die Bewegungsmuster der damaligen Darsteller zu entnehmen ist. Ideale Inspirationsquellen für einen Rekonstruktionsversuch anno 2016 – wir feiern ja immerhin den 230. Geburtstag der Oper „Figaros Hochzeit“!

 

Tipp. TEATRO BAROCCO „Le Nozze di Figaro“. Premiere in Laxenburg: 18.2.: Vorstellungen bis 25.2. Ab 25. Juni zeigt das TEATRO BAROCCO in Stift Altenburg „Piramo e Tisbe“ von J. A. Hasse.

Text: Wilhelm Sinkovicz | Porträt: Christine Pichler

 

VOR Magazin | Februar 2016

KULTURLEBEN  Le nozze di Figaro am Ursprung

 

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SCHLOSSTHEATER LAXENBURG.

Bernd R. Bienert präsentiert in sechs Aufführungen von 18. bis 28. Februar Mozarts Meisterwerk erstmals seit 1786 am originalen Aufführungsort in Originalinszenierung.

INFO: Premiere am 18. Februar, Schlossplatz 1, 2361 Laxenburg, teatrobarocco.at

Tickets: www.culturall.com

 

 

KRONENZEITUNG | 04 Februar 2016 | KHR

„Figaro“ im Original

 

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Die Proben laufen im ehemaligen kaiserlichen Hoftheater Laxenburg auf Hochtouren:

Bernd Roger Bienert führt mit seinem TEATRO BAROCCO „Nozze di Figaro“ in der Originalfassung auf, wie das Werk 1786 hier vor Joseph II. gespielt wurde.
Cherubino: B. Angermeier; Susanna: M. Kahts; Leitung: David Aronson; Regie: Bernd R. Bienert (18. bis 28.2.).

Tickets: www.culturall.com

 

 

DIE BÜHNE | Februar 2016 | Robert Quitta

Lustvolle Rekonstruktion

BERND R. BIENERT bringt den „Figaro“ an Österreichs einzigen authentisch erhaltenen Aufführungsort der Uraufführungsbesetzung nach Laxenburg zurück.

 

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Bernd Roger Bienert hat die Weihnachtsfeiertage am Computer verbracht. Und er trägt jetzt auch Bart. „Ich habe keine Zeit mehr, mich zu rasieren.“ Beides ist nicht weiter verwunderlich, denn am 18. Februar hat seine neueste Mammutunternehmung Premiere. Bienert bringt Mozarts Le nozze di Figaro nach 230 Jahren an ihren Uraufführungsort zurück: in das Schlosstheater Laxenburg. Uraufführungsort? „Nun ja, die Premiere fand natürlich im alten Burgtheater am Michaelerplatz statt. Aber schon wenige Wochen später wurde Nozze in der Uraufführungsbesetzung in Laxenburg gespielt. Denn Kaiser Joseph II. hatte allen Mitwirkenden die Klausel in den Vertrag hineinschreiben lassen, dass sie ihm auch dort zur Verfügung stehen mussten.“

Der Choreograf, Regisseur und Impresario ist total euphorisch über sein jüngstes Projekt. „Ich wollte das schon seit 1983 machen, denn da habe ich mich beim ersten Anblick sofort in das Schlosstheater verliebt. Das Sensationelle daran ist, dass wir mit ihm das einzige erhaltene Theater aus der Mozart-Zeit besitzen, in dem eine Da-Ponte-Oper in der von Mozart selbst autorisierten Uraufführungsfassung in der musikalischen Originalbesetzung aufgeführt wurde. Das Burgtheater ist abgerissen, das Prager Ständetheater wurde seither verändert. Unverständlicherweise liegt dieses Juwel seit Jahrzehnten, abgesehen von seiner Benutzung für einige Konzerte (bei denen das Publikum auf der ehemaligen Bühne statt im historischen Theatersaal sitzt), noch immer im Dornröschenschlaf. Dabei hat es eine unendlich reiche Geschichte. Erbaut wurde es von Hofbaumeister Pacassi, der auch das alte Burgtheater errichtet hat. Seine Bühne ist für damalige Verhältnisse eines Privattheaters riesengroß und hatte wahrscheinlich annähernd genau dieselben Maße wie das Burgtheater. Aufgrund der schon vorher erwähnten Vertragsklausel wurde hier, vor allem während der Aufenthalte des Kaiserhauses im Frühjahr, ziemlich viel und viel Bedeutendes gespielt: zuerst Schauspiel, dann italienische und französische Opern, Paisiello, Grétry, Hasse, Gluck. Leider Gottes ist das alles viel zu wenig dokumentiert und erforscht. Es gibt keine vollständigen Repertoire- oder Besetzungslisten. Daher wissen wir auch nicht, ob Mozart die Aufführung am 3. Juni 1786 selbst dirigiert hat, aber es ist stark anzunehmen.“

Trotz des historischen Rahmens wird man in Laxenburg natürlich nicht eine x-beliebige Figaro-Produktion zu Gesicht bekommen, sondern eine ganz besondere. Denn Bernd R. Bienert, der im zarten Alter von sieben als Eleve an die Staatsoper kam und nach einer Karriere als Tänzer dann lange als Ballettdirektor im Ausland wirkte, hat sich seit fünf Jahren gänzlich der Rekonstruktion der historischer Aufführungspraxis verschrieben - und zwar in szenischer Hinsicht, was ja unbegreiflicherweise, trotz der großen Erfolge der Originalklangbewegung, bisher immer noch zu kurz gekommen ist.

Als Intendant des Festivals TEATRO BAROCCO in Stift Altenburg bei Horn hat er diese Sorgfalt noch nicht Mozart selbst, sondern vorerst „nur“ dessen Lehrern und Zeitgenossen zukommen lassen. Zu seinen Entdeckungen zählen vor allem die Melodramen Georg Anton Bendas: Medea, Ariadne auf Naxos sowie Pygmalion, aber auch Johann Michael Haydns Der Baßgeiger zu Wörgl und Die Hochzeit auf der Alm sowie Peter von Winters Lenardo und Blandine.

Sein Credo ist es, nicht ein Stück ins Heute zu versetzen, sondern das Publikum ins Gestern. „Das fängt schon mit der Beleuchtung an, die wird wie damals nur von der Seite und von vorne kommen. Und mit nicht mehr als einem Lux. Und wir nehmen alle im Libretto vorhandenen Regieanweisungen ernst und setzen sie um. Allzu häufig werden diese heutzutage nämlich ignoriert. Was zum Beispiel beim Weglassen des ‚a-parte-Sprechens‘ dazu führen kann, dass ganze Handlungsteile plötzlich unverständlich werden.“ Es ist mittlerweile ja bekannt, dass es in der damaligen Zeit nicht um die Ausformung individueller, unverwechselbarer, für jedes Stück aufgrund von persönlicher Erfahrung neu zu erfindende Ausdrucksformen ging, sondern vielmehr um die getreue Wiedergabe eines tradierten und kodifizierten Gesten- und Bewegungsrepertoires. So wie das heute noch in vielen asiatischen Theatergenres wie dem Nō oder dem Kathakali üblich ist. Und wie das selbst in unseren Breiten noch bis zum Stummfilm üblich war. Irgendwann kam das dann, vor allem im deutschsprachigen Raum, aus der Mode, so dass es verlernt wurde. Und woher bezieht Bienert sein Wissen um die einstmalige Praxis? „Es gibt natürlich Gestikbücher, und sogar einige Regiebücher mit zahlreichen Abbildungen, auch Stiche. Allerdings darf man wiederum nicht in den Fehler verfallen zu glauben, dass damals alle Sänger identisch agiert haben, das geht aus der genauen Lektüre von Mozarts Briefen hervor, dass es bessere und schlechtere Schauspieler gab. Es gab zwar tradierte Regeln, aber viele Dokumente widersprechen einander sogar, was nur beweist, dass es damals, auch wenn der subjektive Ausdruck nicht im Vordergrund stand, immer noch genügend Spielraum für persönliche Interpretationen gegeben hat. Wie zum Beispiel bei den Kadenzen. Man verwendet ja mittlerweile, was die Musik betrifft, den Begriff der historisch informierten Aufführung. Ein vergleichbares Vorgehen würde ich auch für mich in Anspruch nehmen. Es geht um eine Rekonstruktion, aber es muss eine lustvolle, von Natürlichkeit erfüllte sein.“

Und musikalisch: was darf man da in Laxenburg erwarten? „Wir machen alle Striche wieder auf, lassen aber den Fandango weg, weil dieser nachweislich ab der 4. Aufführung in Wien nicht mehr gespielt wurde, wir haben ein Originalklangensemble, aber ein verkleinertes, statt einem Cembalo benützen wir ein Hammerklavier aus der Zeit, weil es interessanter klingt, und die Aufführung wird, genau wie bei Mozart, von diesem Dirigenten, der zugleich der Pianist der Rezitative ist, auch vom Hammerklavier aus geleitet. Dafür konnte ich David Aronson gewinnen, der die Rezitative schon bei Riccardo Muti an der Wiener Staatsoper spielte. Er ist für uns ein irrsinniger Ruhepol.“ Und die Sänger? „Junge, unglaublich begabte, in Wien noch wenig bekannte, wie Sarah Marie Kramer als Gräfin, Megan Kahts als Susanna, Barbara Angermaier als Cherubino, Gebhard Heegmann als Figaro und Gezim Berisha als Graf Almaviva.“ Bühnenbild und Kostüme besorgt Bernd Bienert selbst, nach Vorbildern aus der Entstehungszeit werden die Dekorationen, ganz wie im 18. Jahrhundert, noch von Hand gemalt. Wer also ab 18. Februar nach Laxenburg fährt, muss darauf gefasst sein, sich wie bei einer Zeitreise plötzlich im 18. Jahrhundert wiederzufinden. Und danach möglicherweise keine große Lust mehr zu haben, ins 21. zurückzukehren …

Mozart: Le nozze di Figaro; Schloss Laxenburg, Do., 18., Do., 25. Februar, 18.00; Sa., 20., So., 21., Sa., 27., So., 28. Februar, 16.00 Uhr

lifestyleundreisen · Kunst und Kultur | 25 Jänner 2016 | Silvia Hofer

TEATRO BAROCCO – LE NOZZE DI FIGARO

Bernd R. Bienert präsentiert mit dem TEATRO BAROCCO Mozarts Meisterwerk erstmals am originalen Aufführungsort.

 

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Mit der seit 1786 ersten Originalinszenierung am einzigen in Österreich noch heute existierenden originalen Aufführungsort – dem ehemaligen kaiserlichen Hoftheater von Schloss Laxenburg – feiert TEATRO BAROCCO in  6 Aufführungen von 18. bis 28. Februar 2016 sowohl den 260. Geburtstag von Wolfgang Amadé Mozart, als auch die Wiederkehr des 230. Uraufführungsjubiläums seines Meisterwerks „Le nozze di Figaro“.

Das Laxenburger Schlosstheater, kaum bekanntes Kleinod europäischer Theater- und Operngeschichte am Stadtrand Wiens, wird damit erstmals seit 230 Jahren wieder im Sinne seiner Erbauung durch Kaiserin Maria Theresia, als Opernhaus des 18. Jahrhunderts, erlebbar. Mozarts Figaro wurde gleich nach der Wiener Premiere am 3. 6. 1786 in Laxenburg in der Uraufführungsbesetzung gegeben.

Im authentischen Ambiente des ehemaligen kaiserlichen Privattheaters entwirft nun Intendant Bernd R. Bienert eine Inszenierung in der Gestik sowie in den Bühnenbildern und Kostümen im Stil der Zeit Mozarts. Unter der musikalischen Leitung von David Aronson (Wiener Staatsoper) wird auf historischen Instrumenten musiziert. Es spielt und singt ein handverlesenes, stimmlich herausragendes und charismatisches junges Ensemble. Allen voran die junge Sopranistin Sarah Marie Kramer in der Rolle der Gräfin, die bereits in der letzten Produktion von TEATRO BAROCCO (Lo speziale) für großes Aufsehen sorgte, Publikumsliebling Barbara Angermaier als Cherubino und Megan Kahts in der wohl längsten Sopran-Partie der Operngeschichte, als Susanna.

Das Laxenburger Schlosstheater ist Österreichs einziges heute noch erhaltenes authentisches „Mozart – Da Ponte – Opernhaus“. Mozarts „Figaro“ in Laxenburg ist die weltweit einmalige Gelegenheit, eines der meistgespielten und bedeutendsten Werke der Opernliteratur erstmals an Österreichs einzigem originalen Aufführungsort zu erleben, die sich Liebhaber dieses Meisterwerks nicht entgehen lassen sollten!

TEATRO BAROCCO

Das 2012 von Bernd R. Bienert gegründete Festival setzt sich explizit mit dem Musiktheaterschaffen von W. A. Mozart, dessen künstlerischem Umfeld und mit der heute weitgehend unbekannten Vielfalt an verschiedenen Formen (Melodram, Singspiel, Intermezzo, Opera buffa, Opera seria, usw.) auseinander. Bernd R. Bienert entdeckt und bespielt historisch bedeutende Theaterräume, wie das ehemalige kaiserliche private Opernhaus der Habsburger in Schloss Laxenburg bei Wien. Schon 2012 hat er in Stift Altenburg bei Horn das Saaltheater der Benediktiner – nach dem Vorbild des Salzburger Benediktiner-Universitätstheaters der Mozartzeit – speziell zu diesem Zweck rekonstruiert.

 

TEATRO BAROCCO „Le nozze di Figaro“
Opera buffa in vier Akten von  Wolfgang Amadé Mozart, Libretto von Lorenzo da Ponte

Schlosstheater Laxenburg
Premiere: Do., 18. 2. 2016 (18.00 Uhr)
Weitere Vorstellungen: 20., 21., 27. & 28. 2. 2016 (16.00 Uhr), 25. 2. 2016 (18.00 Uhr)

Regie & Inszenierung, Bühne & Kostüme: Bernd R. Bienert
Musikalische Leitung & Hammerklavier: David Aronson
Ensemble TEATRO BAROCCO auf historischen Instrumenten
Zu hören u.a.: Sarah Marie Kramer, Barbara Angermaier, Megan Kahts, Christina Maria Fercher, Gebhard Heegmann, Gezim Berisha

 

http://lifestyleundreisen.at/theatro-barocco-le-nozze-di-figaro/

KRONENZEITUNG | 11 Jänner 2016 | Karlheinz Roschitz

Hoftheater Schloss Laxenburg: Bernd Bienerts TEATRO BAROCCO mit „Figaro“ (18.2.)

„Zum ersten Mal ganz original“

Er hat mit seinem TEATRO BAROCCO im Barocktheater in Stift Altenburg Publikum und Kritik begeistert und Schlagzeilen gemacht: Bernd Roger Bienert arbeitet seit mehr als einem Jahr an einem neuen Großprojekt: Mozarts „Nozze di Figaro“ im ehemaligen Hoftheater von Laxenburg.

 

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Bienert, 1978 bis 1985 Tänzer und dann auch Choreograf der Wiener Staatsoper („Alpenglühn“ u. a.), ab 1991 Ballettchef der Zürcher Oper, dann in Saarbrücken, war seit seinen Anfängen an der Rekonstruktion tanzhistorisch bedeutender Choreografien - etwa von Vaclav Nijinski, Michel Fokine und Arthur Saint-Leon - interessiert.

Ein entscheidender Schritt waren seine Zuwendung zur Oper des 18. Jahrhunderts und Mozart und seine Forschungen über Aufführungspraxis im Barocktheater: seine Inszenierungen von Georg Anton Bendas „Medea“, „Leonard und Blandine“ Peter von Winters, der eine Fortsetzung von Mozarts „Zauberflöte“ schrieb, von Bendas „Medea“, den Michael-Haydn-Aufführungen des „Bassgeigers zu Wörgl“ und der „Hochzeit auf der Alm“ oder Joseph Haydns „La Canterina“ und „Lo Speziale“. Dafür baute Bienert 2012 eines der schönsten barocken Saaltheater in die Stiftsbibliothek von Altenburg. Heuer wird er mit seinem TEATRO BAROCCO hier Johann Adolph Hasses „Piramo e Tisbe“ aufführen. Ein Großprojekt präsentiert Bienert aber bereits im Februar. Im ehemaligen Hoftheater von Schloss Laxenburg (NÖ) inszeniert er Mozarts und Lorenzo da Pontes „Le nozze di Figaro“.

„Seit 1786 ist das die erste Originalinszenierung am originalen Aufführungsort. Das Theater ist ein viel zu wenig bekanntes Kleinod, das wie das Schlosstheater von Schönbrunn von Nicolo Pacassi im Auftrag Kaiserin Maria Theresias neu gestaltet wurde. Wir feiern damit den 260. Geburtstag Mozarts wie das 230. Jubiläumsjahr der Uraufführung des ‚Figaro‘, der gleich nach der Wiener Uraufführung am 3. Juni 1786 in der Uraufführungsbesetzung gespielt wurde. Im Auftrag Kaiser Josephs II. mit den später gestrichenen Arien Marzellines und Basilios, der ‚Eselsarie‘, aber ohne den für diese Aufführung in Laxenburg vom Kaiser gestrichenen Fandango.“

Bienert selbst entwirft für „Figaro“ Regie & Inszenierung, Bühne und Kostüme im Stil der Zeit Mozarts. „Ich hoffe, dass da alles in Gestik, stilistischen Merkmalen, Ausstattung, also in der alten Aufführungspraxis stimmt.“ David Aronson leitet vom Hammerklavier aus das Orchester. Im Sängerensemble hat er Sarah Marie Kramer, Barbara Angermaier, Megan Kahts, Gezim Berisha. Den Figaro singt Gebhard Heegmann.

Premiere in Laxenburg: 18. Februar 2016

DIE BÜHNE | Jänner 2016

TEATRO BAROCCO IM SCHLOSSTHEATER LAXENBURG

BERND R. BIENERT ENTDECKT ÖSTERREICHS MOZART - DA PONTE - OPERNHAUS

TEATRO BAROCCO zeigt von 18. bis 28. Februar 2016 - erstmals seit 230 Jahren - Mozarts Meisteroper „LE NOZZE DI FIGARO“ am einstigen Originalschauplatz

 

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Zum 260. Geburtstag Mozarts entwirft Bernd R. Bienert eine auf die historischen Grundlagen des Librettos zurückgreifende Inszenierung, die in Gestik, Bühnenbildern und Kostümen dem Stil der Mozartzeit entspricht.
Es singt ein handverlesenes, charismatisches und stimmlich herausragendes junges SängerInnen - Ensemble, unter der musikalischen Leitung von David Aronson (Wiener Staatsoper). In den Rollendebuts zu hören sind die Damen: Megan Kahts als Susanna, Sarah Marie Kramer als Gräfin, Barbara Angermaier als Cherubino, Anne Wieben als Marcellina, sowie die Herren: Gebhard Heegmann als Figaro und Gezim Berisha als Graf Almaviva, Florian Pejrimovsky als Bartolo und Carlos Pedruzzi als Basilio.

Ab Februar 2016 besteht mit „TEATRO BAROCCO - FIGARO IN LAXENBURG“ die einmalige Gelegenheit, das wohl bedeutendste und meist gespielte Werk der Opernliteratur, erstmals seit 230 Jahren, im authentischen Ambiente des ehemals privaten habsburgisch-kaiserlichen Opernhauses von Schloss Laxenburg, einem wahren Kleinod europäischer Theater- und Operngeschichte, im Sinne seiner Erbauung durch Kaiserin Maria Theresia, als Opernhaus des 18. Jahrhunderts zu erleben.

Eine Chance, die sich OpernliebhaberInnen nicht entgehen lassen sollten!

18., 20., 21. und 25., 27., 28. Februar 2016
„Le nozze di Figaro“ im Schlosstheater Laxenburg bei Wien

Inszenierung und Ausstattung: Bernd R. Bienert
Musikalische Leitung: David Aronson

10% RABATT mit Codewort „Bühne“
INFOS UND TlCKES: Tel.: 0699/183 969 69
www.teatrobarocco.at, www.culturall.com

KRONENZEITUNG | 30 Dezember 2015

Bienerts TEATRO BAROCCO

Oper in Laxenburg

 

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Die Vorbereitungen für die Produktionen von Bernd Roger Bienerts TEATRO BAROCCO laufen auf Hochtouren: Am 18. Februar bringt Bienert im Schlosstheater Laxenburg Mozarts "Figaro" heraus.

Bienert, der sich immer wieder um Aufführungen an historischen Plätzen bemüht, hat sich für Februar Mozarts "Le nozze di Figaro" vorgenommen.
„Mich fasziniert es, das Werk im Original - in der Fassung ohne Fandango - an einer Spielstätte aufzuführen, wo es historisch hingehört. ‚Figaro‘ wurde im kaiserlichen, von Pacassi gestalteten Hoftheater der Habsburger nach der Uraufführung von 1786 in Laxenburg aufgeführt. Das ist neben Prag der einzige originale Uraufführungsort für Mozart.“  (Premiere: 18. 2.)

Im Sommer zeigt Bienert auf seiner Barockbühne im Stift Altenburg Johann Adolph Hasses „Piramo e Tisbe“ (ab 25. Juni).
KHR

 

DIE PRESSE - Kulturmagazin | 16. 10. 2015 | Wilhelm Sinkovicz

Nimmermüder Forscher

Bernd Bienert setzt mit seinem Teatro Barocco auf historische Wahrheit – mit Mozart in Laxenburg.

 

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Wenn es darum geht, originelle Perspektiven für unseren Blick auf das kulturelle Erbe zu werfen, dann ist der Wiener Choreograph, Regisseur und Impresario Bernd Roger Bienert immer der ideale Ansprechpartner. Seine Spürnase ist legendär. Als Erster hat er beispielsweise die Frage gestellt, ob man in Zeiten, in denen man sich historischer Aufführungspraktiken in der Musik besinnt, nicht auch hinterfragen müsste, wie Opern in der Ära Mozarts oder Beethovens tatsächlich auf der Bühne realisiert wurden. Die Antwort darauf gibt Bienert mit seinem TEATRO BAROCCO seit einiger Zeit anlässlich eines eigenen Festivals in Stift Altenburg, das auch für Kenner verblüffende Einsichten beschert hat. Zuletzt war da etwa die Wiederbelebung eines der für Mozart so wichtigen Melodramen von Georg Anton Benda, „Medea“, zu sehen, bei denen sich Sprache und Musik auf eine damals revolutionäre Weise verbinden.

Fandango! Doch entdeckt Bienert als unermüdlicher Forscher auch historische Orte der großen europäischen Vergangenheit und kann für diesmal der Behauptung entgegentreten, es hätte sich hierzulande kein Theaterraum erhalten, in dem sich etwa die bedeutende Zusammenarbeit zwischen Mozart und seinem kongenialen Textdichter Lorenzo da Ponte manifestiert hat. „In Laxenburg“, erzählt der Impresario, „hat man unmittelbar nach der Uraufführung auf Anordnung Kaiser Josephs II. den ,Figaro‘ gespielt. Und zwar mit dem Ensemble der Premiere, aber in einer etwas veränderten dramaturgischen Form.“ Tatsächlich sei, so Bienert, im Finale des dritten Akts der Oper das Ballett gestrichen worden. „Man hat den Fandango nur dreimal am Uraufführungsort, dem alten Burgtheater am Michaelerplatz, getanzt. Dann wurde die Einbindung des Balletts offenbar zu teuer. Mozart hat eine neue Version der Szene erstellt und die wichtigen Textworte“ (der Graf öffnet ja in diesem Moment den Brief, der ihn zu einem Stelldichein in den Garten bittet) „an anderer Stelle in die Musik eingearbeitet. Erst in Prag hat man die ursprüngliche, längere Version des Finales wieder gespielt.“
Bienert wird diese authentische Wiener „Figaro“-Variante nun anlässlich der Neubespielung des Theaters von Schloss Laxenburg aus den Archiven heben. „Im übrigen möchte ich das Stück ohne Kürzungen bieten, auch die im Theatergebrauch immer gestrichenen Arien von Marzelline und Don Basilio im vierten Akt möchten wir aufführen. Das Schöne daran: Wir spielen ,Figaro‘ in einem Haus, in dem Mozart sein Stück selbst wenige Wochen nach der Uraufführung geleitet hat!“ Das ist eine Sensation, denn bis dato ist man davon ausgegangen, dass sich in Österreich keine der großen Mozart-Spielstätten erhalten hat. Bienert: „Die Bühne im Laxenburger Haus ist sogar größer als jene des Schlosstheaters von Schönbrunn, sie hat vermutlich ähnliche Dimensionen wie das Alte Burgtheater.“ Womit dem notorischen Original-Klang auch ein Original-Theatergefühl von anno 1786 entgegengesetzt werden kann und Bernd Bienert wieder einmal ein Coup gelingen dürfte.
Auch in Altenburg wird das TEATRO BAROCCO im Sommer 2016 wieder zu erleben sein: Fix ist schon der Premierentermin: 26. Juni. Wahrscheinlich wird „Piramo e Tisbe“ von Johann Adolph Hasse (1699–1783), wichtiger Komponist des Spätbarock, gespielt.

 

 

Presseberichte zum Festival TEATRO BAROCCO 2015

 

Salzburger Nachrichten | 26.06.2015

TEATRO BAROCCO in Altenburg kombiniert Benda und Haydn

Auch in seiner vierten Saison kombiniert das Festival „TEATRO BAROCCO“ in der barocken Stiftsbibliothek von Altenburg im Waldviertel Werke der Klassik: Georg Anton Bendas „Medea“-Melodram und Joseph Haydns „Lo Speziale“ sind in Inszenierungen des Intendanten Bernd Bienert am Donnerstagabend zur Premiere gelangt.

Es ist schon eine kuriose Schauergeschichte, durch die hübsche Musik umso paradoxer: Medea (Kira von Zierotin) ermordet aus Rache über die Untreue ihres Gatten Jason die gemeinsamen Kinder, Jason bringt sich daraufhin um. Angesichts diverser Amokläufe in unterschiedlichen Kontexten ist die Thematik leider gar nicht so unaktuell. Dass Mozart das Melodram sogar geschätzt haben soll, ist schon vorstellbar, hat dieses Muttermonster doch durchaus auch etwas von einer Königin der Nacht an sich.

Nach der Pause folgt das Kontrastprogramm: Haydns 1768 in Esterhaza (Ungarn) uraufgeführtes Dramma giocoso nach Goldonis heiterem Verwirrspiel ist unter dem Titel „Der Apotheker“ bekannt, wird in Altenburg aber in der italienischen Originalfassung gezeigt. Unter den Stimmen ragen vor allem Sarah Marie Kramer als Grilletta und Barbara Angermaier als Volpino hervor. Die musikalische Qualität ist überhaupt sehr erfreulich, das Instrumentalensemble unter der Leitung von Robert Lillinger spielt frisch und beherzt vor stimmungsvollem Kerzenlicht.

Für Februar 2016 kündigt Bienert, der vor allem um visuelle Rekonstruktion ursprünglicher Aufführungspraxis bemüht ist, eine Teatro-Barocco-Produktion im ehemaligen Hoftheater von Schloss Laxenburg an: Mozarts „Le nozze di Figaro“. Das wird (nicht nur) die Wiener freuen.

(S E R V I C E - Stift Altenburg, „TEATRO BAROCCO“: Georg Anton Benda, „Medea“, und Joseph Haydn, „Lo Speziale“. Inszenierung und Ausstattung: Bernd Bienert. Musikalische Leitung: Robert Lillinger.
Mit Kira von Zierotin, Peter Widholz, Sarah Marie Kramer, Barbara Angermaier u.a., weitere Aufführungen bis 26. Juli.
Ticket-Hotline: Tel. 0699/1839 6969, Information: www.teatrobarocco.at)

KRONEN ZEITUNG | 14.07.2015 | Karlheinz Roschitz

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Stift Altenburg: Bienerts TEATRO BAROCCO

Die Tragödie Medeas

Er hat seit Jahren mit seinem TEATRO BAROCCO, dem wiederbelebten Barocktheater, Riesenerfolg: Bernd Roger Bienert, Tänzer der Wiener Staatsoper und Ex-Ballettchef der Zürcher Oper, zeigt auch heuer in seinem TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg ein Melodram: „Medea“.

Bei der Premiere im Juni wurden „Medea“, ein Lieblingswerk Mozarts, die hervorragende Kira von Zierotin und das Ensemble des TEATRO BAROCCO auf historischen Instrumenten bejubelt.
Die Produktion wird bis 26. Juli im Theater der prachtvollen Barockbibliothek von Altenburg gezeigt.
Der österreichisch-malaysische Maler Thean Chie Chan zeigt Zeichnungen zu „Medea“.

DIE PRESSE | 09.07.2015 | Helmar Dumbs

Im Stift Altenburg werden ein selten gespieltes Melodram des Mozart-Zeitgenossen Benda
und Haydns „Apotheker“ kombiniert.

TEATRO BAROCCO: Medea und der Horror des leeren Kissens

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Plötzlich ist da nur mehr dieses weiße Kissen. Das Kissen, auf dem gerade noch Jasons und Medeas jüngerer Sohn gelegen ist. Jetzt ist es leer. Und damit gelingt Bernd R. Bienert das stärkste Bild in seiner in jeder Hinsicht originalgetreuen Aufführung von Georg Anton Bendas Melodram „Medea“ beim Festival TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg. Was ist schon ein blutiger blanker Dolch gegen den blanken Horror dieses leeren Kissens?

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Benda? Der Name des böhmischen Kapellmeisters (1722–1795) ist heute wenig bekannt. Zu Mozarts Zeiten war das anders, und Mozart selbst hat die Melodramen Bendas, diese eigenwillige Gattung, bei der gesprochener Text eng mit der ihn ausdeutenden, ergänzenden, kommentierenden Musik verzahnt wird, geschätzt. Hört man Bendas „Medea“, ist dies nachvollziehbar. Die Musik, in ihrer schlichten Direktheit an Gluck erinnernd, spricht den Hörer direkt an. Ein spannender Kontrast zum doch recht artifiziellen Text Friedrich Wilhelm Gotters und dessen gestischer Umsetzung. Genau dies hebt TEATRO BAROCCO von vielen anderen Festivals ab: Hier ist nicht nur die akustische, sondern auch die optische Komponente der Aufführungspraxis der Entstehungszeit verpflichtet. Versucht wird, ihr durch akribische Recherche bei Gestik, Kostümen und Bühnenbild so nah wie möglich zu kommen. Im ersten Moment wirken die Bewegungen – seien es die trippelnden Schritte oder die ungewohnten Handbewegungen – Kira von Zierotins, die als Medea das Monodrama quasi im Alleingang bestreitet, merkwürdig gekünstelt. Doch lässt man sich darauf ein, kippt man nach wenigen Minuten hinein und kann sich der Wirkung dann nicht mehr entziehen. Dies liegt auch an der unglaublichen Deutlichkeit, mit der Kira von Zierotin den Text gestaltet. Und es liegt an der sich nahtlos einfügenden Umspielung dieser Texthappen durch das Ensemble des TEATRO BAROCCO unter der Federführung des hochsensibel agierenden Cembalisten Robert Lillinger und der wunderbar phrasierenden Primgeigerin Agnes Stradner, deren Ton sich in der Akustik der Stiftsbibliothek aufs Schönste entfalten kann. Auch die Streicher sind bei dieser Aufführung solistisch besetzt, was die Sache umso heikler macht, vom Ensemble aber mit Bravour gemeistert wird.

Da hilft nur Blödelei der Marke Haydn

Was kann nach der Monstrosität einer Tat wie dem Kindermord Medeas, die man allenfalls erklären, nie aber wirklich verstehen kann (und das ist auch gut so), noch kommen? Eigentlich nur hemmungslose Blödelei. Genau das passiert in Altenburg auch, mit Joseph Haydns leider nicht ganz erhaltenem „Apotheker“ („Lo Speziale“). Haydn musste in Esterházys Diensten Feuer machen mit dem Holz, das er hatte: Zwei Tenöre und zwei Soprane, was bei einem Stück, in dem drei Männer eine Frau umgarnen, notwendigerweise zu einer Hosenrolle führt, was wiederum der Komik ganz und gar nicht abträglich ist.

Gesungen wird durchwegs erfreulich. Der durchsetzungsstarke Tenor von Peter Widholz (keinesfalls seinen Einführungsvortrag versäumen!), meistert die anspruchsvolle Partie des Apothekers Sempronio problemlos, nur in seiner ersten Arie sprengt er fast die akustischen Gegebenheiten. Julian Henao Gonzalez, der über eine angenehme, lyrische Tenorstimme verfügt, und Barbara Angermaier mit ihrem hellen Sopran als Volpino bieten ihm gekonnt und nach Kräften Paroli, doch die Fäden zieht sowieso Sarah Marie Kramer als umworbene Grilletta mit ihrem so bestimmt geführten wie warmen Sopran. Großer Jubel für alle Beteiligten.

http://diepresse.com/

 

ORF Niederösterreich - noe.ORF.at | 28.06.2015

Barocke Opernpracht im Stift Altenburg

„Nicht das Stück wird in unsere Zeit übertragen, sondern unser Publikum wird in die Zeit des 18. Jahrhunderts hineinversetzt“, sagt Intendant Bernd R. Bienert. Im Stift Altenburg werden zwei Opern gezeigt: Bendas „Medea“ und Haydns „Der Apotheker“.

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Das Anliegen von TEATRO BAROCCO ist es, vergessene und seit ihrer Uraufführung nicht mehr gespielte, jedoch bedeutende Werke der von Mozart hoch geschätzten Zeitgenossen wieder auf der Bühne erlebbar werden zu lassen“, erklärt Intendant Bernd Roger Bienert.

2015 werden im Stift Altenburg (Bezirk Horn) Joseph Haydns 1768 uraufgeführte Opera buffa „Lo Speziale“ („Der Apotheker“) und Georg Anton Bendas Melodram „Medea“ (Uraufführung 1775) auf der Bühne des eigens dafür nach einem italienischen Originalentwurf rekonstruierten barocken Saaltheaters präsentiert. Die beiden von Bienert wiederentdeckten und „äußerst sehens- und hörenswerten Werke von Mozarts hoch geschätzten Zeitgenossen verbinden sich im Sinne ihrer Entstehungszeit mit der originalgetreuen Optik in der barocken Körpersprache und Gestik, von Beleuchtung, Kostümen und Bühnenbild, zu einem spektakulären Gesamtkunstwerk“ (Bienert).

Bei TEATRO BAROCCO trifft heuer eine der größten antiken Tragödien auf den größten Komödiendichter des 18. Jahrhunderts, Carlo Goldoni. Die berührenden Schicksale zweier Frauen stehen im Mittelpunkt: Während in der von Mozart geliebten Vertonung des klassischen Tragödienstoffs die verstoßene Medea aus Rache zur Mörderin wird, ist es in Joseph Haydns Opera buffa die junge begehrenswert hübsche Grilletta, die sich für einen von gleich drei Liebhabern entscheiden soll.

Intendant Bienert: „Ein weltweit solitäres Festival“

Die Tageszeitung „Die Presse“ bezeichnete TEATRO BAROCCO als „das authentische Musiktheater im Stil der Mozartzeit“ und erklärte es zu „einem der drei wichtigsten Opernereignisse der vergangenen Saison“, sagt Bienert.

noe.ORF.at: Warum haben Sie sich für dieses Stück entschieden?

Intendant Bernd R. Bienert: Wir spielen „Medea“ von Mozarts böhmischem Komponistenkollegen Georg Anton Benda, weil Mozart gerade die Melodramen von Benda ganz besonders liebte, und selber den Versuch unternahm, zwei Melodramen zu komponieren, die leider nur Fragmente geblieben sind. Er schätzte Bendas Melodramen so sehr, dass er deren Noten immer bei sich trug und sie in einem Brief an den Vater voller Begeisterung erwähnte. Wir wollen zeigen, wie sehr viele der großen Komponistenkollegen, die bis heute im Schatten Mozarts stehen, auf dessen Arbeit erstaunlich intensiv eingewirkt haben. TEATRO BAROCCO bringt dieses vergessene Wissen in seinen Originalinszenierungen und auf unterhaltsame, spielerische Weise wieder zurück in unser Bewusstsein.”

noe.ORF.at: Warum soll man gerade heuer zu Ihnen nach Altenburg fahren?

Bienert: Die „Medea“ von Benda wird bei TEATRO BAROCCO zum ersten Mal seit ihrer Uraufführung vor 240 Jahren wieder szenisch und im Stil der Mozartzeit zu sehen und zu hören sein. Mit der Vertonung von Carlo Goldonis Komödie “Der Apotheker” ist Joseph Haydn eine heute viel zu selten gespielte, ganz besonders hervorragende Komposition gelungen, die bei TEATRO BAROCCO erstmals bereinigt von später hinzugefügten Ergänzungsversuchen, und inszeniert im Stil der Uraufführungszeit, zu erleben sein wird.

noe.ORF.at: Wie sehen Sie Ihren Spielort in drei Jahren? Wie wollen Sie ihn entwickeln?

Bienert: TEATRO BAROCCO ist ein weltweit solitäres Festival, mit einem nur hier zu erlebenden, fantastischen Spielort: Die monumentale Bibliothek, gebaut im Barock und ausgestattet mit den großartigen Fresken Paul Trogers. Der Ort verschmilzt mit unserer eigens dafür entworfenen Barockbühne zum schönsten barocken Saaltheater Österreichs! Vergleichbar ist TEATRO BAROCCO auf seine Art nur noch mit ebenso einmaligen Festivals wie dem englischen Glyndebourne oder Drottningholm in Schweden.

noe.ORF.at: Worin sehen Sie die gesellschaftliche Aufgabe des Theaters, im speziellen die Aufgabe des Sommertheaters?

Bienert: Die herrliche Landschaft, hochkarätiges Theater, erstklassige Musik und die prächtigen, denkmalgeschützten Architekturen unter dem niederösterreichischen Sternenhimmel zu einem Sommertraum zu vereinen. Die gesellschaftliche Aufgabe unseres Festivals könnte z.B. sein, aus unserem Bemühen, die große musikalische Vergangenheit Österreichs wieder aufleben zu lassen, um daraus Erkenntnisse für unsere musikalische Zukunft zu gewinnen und die Notwendigkeiten der Entwicklung der europäischen Kultur daraus insgesamt abzuleiten.

noe.ORF.at: Was ist die Botschaft des Stücks?

Bienert: Medea ist die zu allen Zeiten aktuelle Frage nach dem Sinn oder Unsinn von Rache und Vergeltung. Goldoni ist der barocke, frech-witzige Vorläufer der späteren Wiener Psychoanalyse.

noe.ORF.at: Welche Inszenierungsmöglichkeiten bietet der Spielort und wie nützen Sie diese?

Bienert: Nur in Stift Altenburg kann es so hervorragend gelingen, die vorhandene Barockarchitektur, so wie es im 18. Jahrhundert üblich war, mit angewandter Kunst, Theater und Musik, zu beleben. TEATRO BAROCCO führt die historischen Prunkräume wieder der ihnen ursprünglich zugedachten Bestimmung zu, sie mit Musik und Theater zum Schwingen zu bringen.

Mit TEATRO BAROCCO entsteht im Stift Altenburg bei Horn, für jeden Sommer neu, eine betörend schöne Einheit aller bildenden und angewandten Kunstgattungen: Malerei, Bildhauerei, Gesang, Literatur, Musik, Architektur, Gestik, Schauspiel. Und das alles im Stil der Zeit Maria Theresias! Nirgendwo anders könnte dieses Lebensgefühl so unmittelbar, eindringlich und ungekünstelt vermittelt werden wie hier im Stift Altenburg und der monumentalen 50 Meter langen Bibliothek. Dimensionen, vergleichbar mit denen der Wiener Staatsoper, treffen hier auf die Einsamkeit barocken Landlebens und auf die Stille der Natur.

Zehn Aufführungen bis Ende Juli

Das Melodram „Medea“ von Georg Anton Banda und die Opera buffa „Lo Speziale“ wird nach der Premiere am 25. Juni noch am 3., 4., 11., 12., 17., 18., 24., 25. und 26. Juli im Stift Altenburg gezeigt.

Mitwirkende in „Medea“: Kira von Zierotin und Samuel Machto
Regie, Recherche und Ausstattung: Bernd R. Bienert

Mitwirkende in „Lo Speziale“: Sarah Marie Kramer, Barbara Angermaier, Julian Henao Gonzalez und Peter Widholz
Regie, Recherche und Ausstattung: Bernd R. Bienert

http://noe.orf.at/news/stories/2714188

ONLINE MERKER - Der Neue Merker | 03.07.2015 | Udo Pacolt

TEATRO BAROCCO IM STIFT ALTENBURG:

MEDEA von Georg Anton Benda  und LO SPEZIALE von Joseph Haydn

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Auch in diesem Jahr findet das Festival „TEATRO BAROCCO“ im Stift Altenburg in Niederösterreich mit der Aufführung von zwei Opernraritäten statt: „Medea“ von Georg Anton Benda und „Lo speziale“ von Joseph Haydn. Beide Werke wurden im 18. Jahrhundert uraufgeführt – „Medea“ im Jahr 1775 in Leipzig, „Lo Speziale“ 1768 im Schloss Eszterháza.

Während „Medea“ mit dem Text von Friedrich Wilhelm Gotter (nach dem Drama von Euripides) ein Melodram, ein mit Musik vermischtes Drama ist, gilt die Haydn-Oper, deren Libretto von Karl Frieberth nach Carlo Goldoni stammt, als Dramma giocoso und ist eigentlich eine reine Opera buffa.

Bernd R. Bienert, der Intendant des TEATRO BAROCCO und Festivalgründer, inszenierte die beiden Opern in der barock gestalteten Bibliothek des Stifts nach historischen Überlieferungen und bot damit dem Publikum einen Rückblick in die Theaterwelt der Barockzeit. Dazu ein Zitat des Intendanten: „Nicht das Stück wird in unsere Zeit übertragen, sondern unser Publikum wird in die Zeit des 18. Jahrhunderts hineinversetzt.“ Man muss gratulieren, dass dieses Vorhaben auch in diesem Jahr exzellent gelungen ist.  

Den Bühnenprospekt, der sich im prachtvollen Raum der Bibliothek des Stifts mit den herrlichen Fresken von Paul Troger und der Architektur Joseph Munggenasts ästhetisch verbindet, gestaltete der Nürnberger Peter Dubina.

Das Melodram von Georg Anton Benda (1722 – 1795) handelt von der Rache der Zauberin Medea an ihren untreuen Geliebten Jason. In einem Wutanfall ermordet sie seine Kinder und treibt ihn schließlich zum Selbstmord. Kira von Zierotin bot mit ihrer pathetischen Sprechweise und gestikreichen Darstellung der Medea eine das Publikum fesselnde Leistung, die aufgrund der umfangreichen Textmenge zu bewundern ist. In kleineren Rollen waren noch Samuel Machto als Jason, David Tomić als Medeas Sohn und Barbara Angermaier als Hofmeisterin im Einsatz.

Nach der Pause, in der das Publikum im Galerieraum die Ausstellung „Medeas Morde“ des malaysischen Künstlers Thean Chie Chan, eines Schülers von Christian Ludwig Attersee,  sehen konnte, wurde in italienischer Sprache die Opera buffa „Lo speziale“ von Joseph Haydn (1732 – 1809) aufgeführt.  In dieser Komödie will der alte und reiche Apotheker Sempronio sein Mündel Grilletta heiraten, die aber auch von seinem Gehilfen Mengone und vom jungen Geck Volpino umworben wird. Nach einigen Eifersuchts- und Verkleidungsszenen, die vom Ensemble mit großer Laune gespielt wurden, willigt Sempronio in die Heirat Grillettas mit Megone ein.

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Aus dem Sängerensemble ragte der Wiener Tenor Peter Widholz durch seine kräftige Stimme und seine humorvolle Darstellung des Apothekers heraus. Sein Mündel Grilletta wurde von der kanadischen Sopranistin Sarah Marie Kramer stimmlich wie schauspielerisch eindrucksvoll gegeben. Mit viel Komik gestalteten der kolumbianische Tenor Julian Henao Gonzalez die Rolle des verliebten Mengone und die Wiener Sopranistin Barbara Angermaier die Hosenrolle des Volpino aus.

Das kleine Orchester „Ensemble TEATRO BAROCCO“ – von Robert Lillinger am Cembalo temperamentvoll geleitet – brachte die Partituren von Benda und Haydn prächtig zur Geltung.

Das Publikum, das auch mit Szenenbeifall nicht gegeizt hatte, belohnte am Schluss alle Mitwirkenden mit lang anhaltendem Applaus.

PS: Die weiteren Aufführungen des TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg bei Horn finden am 11., 12., 17., 18., 19. sowie am 24., 25. und 26. Juli jeweils um 19,30 Uhr statt (Shuttle-Bus ab Wiener Staatsoper um jeweils 14 Uhr). 

http://www.der-neue-merker.eu/

KLEINE ZEITUNG | 26.06.2015

TEATRO BAROCCO in Altenburg kombiniert Benda und Haydn

Auch in seiner vierten Saison kombiniert das Festival „TEATRO BAROCCO“ in der barocken Stiftsbibliothek von Altenburg im Waldviertel Werke der Klassik: Georg Anton Bendas „Medea“-Melodram und Joseph Haydns „Lo Speziale“ sind in Inszenierungen des Intendanten Bernd Bienert am Donnerstagabend zur Premiere gelangt.

Es ist schon eine kuriose Schauergeschichte, durch die hübsche Musik umso paradoxer: Medea (Kira von Zierotin) ermordet aus Rache über die Untreue ihres Gatten Jason die gemeinsamen Kinder, Jason bringt sich daraufhin um. Angesichts diverser Amokläufe in unterschiedlichen Kontexten ist die Thematik leider gar nicht so unaktuell. Dass Mozart das Melodram sogar geschätzt haben soll, ist schon vorstellbar, hat dieses Muttermonster doch durchaus auch etwas von einer Königin der Nacht an sich.

Nach der Pause folgt das Kontrastprogramm: Haydns 1768 in Esterháza (Ungarn) uraufgeführtes Dramma giocoso nach Goldonis heiterem Verwirrspiel ist unter dem Titel "Der Apotheker" bekannt, wird in Altenburg aber in der italienischen Originalfassung gezeigt. Unter den Stimmen ragen vor allem Sarah Marie Kramer als Grilletta und Barbara Angermaier als Volpino hervor. Die musikalische Qualität ist überhaupt sehr erfreulich, das Instrumentalensemble unter der Leitung von Robert Lillinger spielt frisch und beherzt vor stimmungsvollem Kerzenlicht.

Für Februar 2016 kündigt Bienert, der vor allem um visuelle Rekonstruktion ursprünglicher Aufführungspraxis bemüht ist, eine Teatro-Barocco-Produktion im ehemaligen Hoftheater von Schloss Laxenburg an: Mozarts „Le nozze di Figaro“. Das wird (nicht nur) die Wiener freuen.

http://www.kleinezeitung.at/

 

KURIER | 26.06.2015 | Barbara Pálffy

Kritik: Das TEATRO BAROCCO zeigt Bendas „Medea“ in Kombination mit Haydns „Apotheker“.

Zwischen Hochspannung und Humor

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Hier ist ein akribischer Tüftler am Werk: Bernd R. Bienert, Intendant des TEATRO BAROCCO in Stift Altenburg, baut seine Produktionen auf exakter historischer Recherche auf. Das beginnt beim Notenmaterial und geht über Szenographie, Bewegungsrepertoire bis hin zur Farbtemperatur des Lichts. Das Resultat ist paradox: museal und doch durchpulst von Leben, das aus einer anderen Epoche ins Heute geholt wird.

Der erste Teil des Abends ist einem Melodram gewidmet, jener verschwundenen Gattung, die gesprochenen Text mit Orchestermusik synchronisiert. Ihre Revitalisierung ist Bienerts Verdienst.

Kira von Zierotin als Medea im von Mozart hoch geschätzten einstigen Erfolgswerk von Georg Anton Benda lässt dem Text sein volles Pathos und agiert in Feinabstimmung mit der Musik. Expressive Gestik steigert sie bis zum exaltierten Irrsinn der Kindsmörderin – elektrisierende Hochspannung!

Den amüsanten Kontrapunkt dazu bildet Joseph Haydns spritzige Buffo-Oper „Lo speziale“ („Der Apotheker“) mit ihren typischen Ingredienzien: Der reiche alte Sempronio – köstlich Peter Widholz – will sein Mündel Grilletta – Sarah Marie Kramer mit robuster Präsenz und präzisen Koloraturen – heiraten. Die wird umworben vom schüchternen Mengone – Julian Henao Gonzalez mit hellem, höhensicherem Tenor – und vom blasierten Volpino – apart in der Hosenrolle Barbara Angermaier mit klarem Sopran.

Die Verkleidungsszenen der Liebhaber (zuerst als Notare, dann als Türken) sind lustvoll ausgespielt. Das kleine Ensemble unter der Leitung von Robert Lillinger am Cembalo vereint Instrumentalisten von Soloqualität.Ein ästhetisches Zeitreise-Vergnügen!

KURIER-Wertung: vier-halb Sterne

 

KRONEN ZEITUNG | 27.6.2015 | Karlheinz Roschitz

Teatro Barocco, Stift Altenburg: Bernd R. Bienert inszenierte Benda und Haydn

Eine Nacht im Barockmuseum

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Eine Reise in die Theater-Zauberwelt der im 17. und 18. Jahrhundert berühmten Familie Galli-Bibiena:
Bernd Roger Bienert präsentiert zum vierten Mal in der Bibliothek des Stiftes Altenburg Opern und Melodramen des Barocks und der Frühklassik. Diesmal Georg Anton Bendas Melodram, „Medea“ und Haydns Dramma giocoso „Lo speziale“.

Galli-Bibienas barockes Bühnenportal mit Göttinnen, die das „Firmenschild“ TEATRO BAROCCO tragen, die Bretter der antiken Heidenwelt bestückt mit stimmigen Wolken-Prospekten, ist mit feinem Geschmack in die üppige Pracht des Saals eingefügt. Bienert lässt’s aber nicht beim Dekorativen bewenden: Mit Unterstützung von Kira von Zierotin beschwört er möglichst originales Theater, wie es um etwa 1770 am k.k. Hofburgtheater oder am Esterházyschen Fürstenhof den Theatergeschmack bildete. Bienert ist ein Perfektionist. Und versucht, in Kostümen, Auftritten, Gesten, Sprache den Stil der Zeit zu rekonstruieren. Gerade im Fall von Georg Anton Bendas Melodram „Medea“ (1775: Text: Friedrich Wilhelm Götter) ist diese Rekonstruktion besonders spannend: So könnten eine Johanna Sacco, Sophie Schröder, Friedrike Sophie Seyler, die legendären „Medeen“ des Burgtheaters, die Rolle angelegt haben. Nach fulminanten Aufführungen im vergangenen Jahre etwa von Peter von Winters Melodram „Lenardo und Blandine“ – ist Bienert heuer mit „Medea“ wieder ein Wurf gelungen: Medeas Rache an ihrem untreuen Geliebten Jason, dessen Kinder sie mordet und den sie selbst in den Selbstmord treibt. Am Ende fährt sie auf einem Wolkenwagen zu den Göttern …

Kira von Zierotin spielt und spricht diese Medea feinfühlig, mit genau kalkulierten Gesten und intensiv im Ausdruck. Und sie holt die Figur überzeugend ins Heute. Die Aufführung beschert in keinem Moment eine Nacht im Museum.In den kleinen Rollen assistieren Samuel Machto, Barbara Angermaier und David Tomic. Bendas feingliedrige Musik – Mozart war von den Melodramen begeistert – wird von dem jungen Robert Lillinger und dem TEATRO BAROCCO Ieicht, farbenreich und voll Dynamik aufgeführt.
Amüsant geriet – auch dank Robert Lillingers energischer Ensembleführung – Haydns „Lo Speziale“ (Der Apotheker), eine Buffa mit Türkenverkleidungsspäßen: Ausgezeichnet die Sopranistin Sarah Marie Kramer (Griletta), Barbara Angermaier (Volpino) und Julian H. Gonzalez (Mengone). Schrullig Peter Widholz als Apotheker Sempronio, ein alter Schwerenöter.
In der Pause sollte man übrigens „Medeas Morde“ im Ausstellungsraum besuchen: Thean Chie Chan, der malayisch-österreichische Maler und Schüler Attersees, zeichnete analytisch und surreal inspirierte Phantasien über Medea und ihren Kindermord. Blätter, die in den Abgrund dieser verstörten Seele der Zauberin Medea blicken.
Das Publikum war von dieser „Nacht im Museum“ begeistert (bis 26. Juli).

KULTUR UND WEIN | Juli 2014

„Medea“, ein Melodram von G. A. Benda und „Lo Speziale“ von Joseph Haydn

Barockmusik im Originalklang, Kerzenschein und Stiftsbibliothek,
oder kurz: perfektes TEATRO BAROCCO

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Medea schwebt mit einem Wolkenwagen auf die kleine Bühne in der Stiftsbibliothek von Altenburg. Die Szene scheint einem Deckengemälde des 18. Jahrhunderts entsprungen zu sein. Jedes Detail, jede Geste ist mit Bedacht gewählt und den Vorbildern seiner Entstehungszeit bis ins kleinste Detail angepasst. Bernd R. Bienert ist die Seele von TEATRO BAROCCO und Regisseur der beiden Stücke „Medea“ von Jiří Antonín Benda (1722-1795) und „Lo Speziale“ von Joseph Haydn (1732-1809). Bienerts Inszenierungen in der barocken Stiftsbibliothek von Altenburg sind bekannt dafür, originalgetreu wie nur möglich angelegt zu sein, was in diesem Jahr noch durch ein wesentliches Element ergänzt wird. Das Ensemble TEATRO BAROCCO unter der Leitung des jungen Dirigenten Robert Lillinger spielt Benda und Haydn auf Originalinstrumenten und schafft damit den faszinierend weichen Klang, wie er seinerzeit die Uraufführungen dieser Stücke ausgezeichnet hat.

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Ein Melodram mag überraschen. Auf der Bühne, die übrigens so geschickt beleuchtet wird, dass man tatsächlich den Eindruck von Kerzenschein hat, wird ausschließlich gesprochen. Untermalt und in ihrer Bedeutung gesteigert werden die einzelnen Sätze durch exakt nachempfundene Gestik und Musik. Was uns heute fremd erscheinen mag, bietet uns der Film, ohne uns wissen zu lassen, dass wir auch im Kino gewissermaßen einem Melodram beiwohnen. Wolfgang Amadeus Mozart, so berichtet das Programmheft, war begeistert von Bendas Melodramen und nannte sie in einem Brief an seinen Vater „beide wahrhaft fürtrefflich“.

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Eines davon ist eben „Medea“, nach einem Text von Friedrich Wilhelm Gotter. Kira von Zierotin ist die von Skrupeln zerrissene Frau, die nach dem Leben ihrer eigenen Kinder (ihr Sohn ist David Tomić, die Hofmeisterin mit einem Baby am Arm ist Barbara Angermaier) trachtet, um sich an Jason zu rächen, der sie verstoßen hat. Als die von einem dramatischen musikalischen Sturm begleitete Tat vollbracht ist, ersticht sich Jason (Samuel Machto) in seiner Verzweiflung mit dem Schwert, um seinen Kindern in den Tod zu folgen.

Wesentlich heiterer zu geht´s nach der Pause, die man auf der Altane des Stiftes mit traumhaftem Blick auf das ins Abendlich getauchte Waldviertel genossen hat. „Lo Speziale“, ein Dramma giocoso, eine verspielte Opera buffa, erzählt von einem alten Apotheker und dessen mit gutem Erbe ausgestatten Mündel. Was daraus werden kann, wenn sich der Vormund, dessen Gehilfe und ein Edelmann um diese junge Dame streiten, hat Karl Friedrich nach Carlo Goldoni in ein launiges Libretto gefasst. Josef Haydn hat dieses Stück für seinen Dienstgeber, den Fürsten Esterházy, komponiert. An dessen Hof bevorzugte man offenbar die Opera buffa, die sich mit entsprechender Qualität ebenso für prunkvolle Repräsentation eignete wie die an großen Höfen beliebte Opera seria, aber um einiges billiger umzusetzen war.

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Es genügen ein kleines Orchester und vier Sänger. Im Fall von Altenburg sind es der gleichermaßen mit Stimme wie Komik begeisternde Peter Widholz als Sempronio, speziale. Ihm zur Seite steht Mengone, uomo di spezeria Julian Henao Gonzalez mit einem lyrischen Tenor, der das Herz von Grilletta, pupilla sotto la tutela di Sempronio, gewinnen muss. Sarah Marie Kramer lässt in einer Arie, in der sie ihre Liebe erklärt, das Publikum den Atem anhalten. Bei so viel Wärme und Gefühl in der Stimme wird sogar ihr grantiger und an der Nase geführter Vormund versöhnt. Keine Chancen bei Grilletta hat Volpino, den Barbara Angermeier mit klarer Stimme und elegantem Spiel die Gestalt eines jungen, angeberischen Edelmannes verleiht, der nolens volens Mädchen und Apotheke seinem Rivalen überlassen muss.

http://www.kulturundwein.com/

 

DIE PRESSE, Kultur Magazin | 17.04.2015 | Text: Wilhelm Sinkovicz, Porträt: Christine Ebenthal

Bernd R. Bienert zeigt in Altenburg originalgetreu, wie historisches Theater etwa im Barock funktioniert hat.

Feenhafte Beleuchtung

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„Wir haben das ausprobiert“, sagt Bernd Bienert und sprüht, wie das so seine Art ist, sofort vor Enthusiasmus: Ausprobiert hat er mit seinen Mitstreitern die Beleuchtung eines Theaterraums mit Kerzenlicht. Historische Aufführungspraxis ist seit der Gründung von Bienerts TEATRO BAROCCO nicht mehr nur eine Sache der musikalischen Rückbesinnung auf Spieltraditionen und Original-Instrumentarium. Aufführungspraxis im Musiktheater muss ja notwendigerweise auch etwas mit dem szenischen Element zu tun haben. Es ist oft bemerkt worden, dass ein erstaunlicher Zwiespalt klafft zwischen den möglichst akribischen Rekonstruktionsbemünugen der Originalklang-Generation und den Inszenierungen, die in unseren Opern- und Festspielhäusern zu dieser historisch getreulichen Musizierpraxis gezeigt werden. Hierzu ist wiederum bemerkt worden, dass eine Wiederherstellung szenischer Originalzustände nicht realisierbar sei; und zwar mangels Quellen. Da hat man aber wiederum nicht mit der Beharrlichkeit und der Wissbegier des Wiener Choreographen und Regisseurs gerechnet. Bienert, zu Zeiten selbst Schöpfer atemberaubender neuer Theaterproduktionen, ein Bühnenvisionär, wie er „fortschrittlicher“ nicht denkbar ist, zeichnet sich auch durch eminentes historisches Bewusstsein aus und studiert die Werke, die er auf die Bühne bringt, stets minutiös.

Originalbilder der Zeit studieren. Dabei ist ihm der genannte Graben zwischen den musikalisch-retrospektiven Versuchen und den szenischen Möchtegern-Modernisierungen, die heutzutage üblich sind, übel aufgestoßen. Da konnte doch etwas nicht stimmen; wenn schon Rückschau, dann ganzheitlich. Also hat er TEATRO BAROCCO ins Leben gerufen. „Weil mir das aus heutiger Sicht notwendige, tiefere innere Verständnis historischer Werke nur dann vollends ermöglicht scheint, wenn die große Bedeutung aller Aspekte einer optischen Annäherung an die inszenatorischen Möglichkeiten der Uraufführungszeit berücksichtig wird.“ Die Beschäftigung mit Mozart zog die Beschäftigung mit Mozarts Zeit und Zeitgenossen nach sich. Und so entstanden die ersten Produktionen des TEATRO BAROCCO, um „dem interessierten Publikum über den Weg der historischen Genauigkeit in der optischen Umsetzung ein intuitives Verstehen“ der Stücke möglich zu machen. Womit „ein wesentlich größeres Einfühlungsvermögen in diese Zeit und damit wiederum ein besseres Verständnis dieser Werke, sozusagen von innen heraus“ garantiert sei. Der Versuch, auch in der Szene eine „historische Aufführungspraxis“ zu realisieren, ermögliche den Zugang zu den Stücken, wie Bienert sagt, „ungezwungen und selbstverständlich“. Bienert hat die theaterpraktischen Quellen so genau studiert, wie die Vorkämpfer des Originalklangs die Partituren und vor allem die Spielanweisungen in Lehrbüchern von der Renaissance bis zu Leopold Mozarts Violinschule. Dergleichen ist lehrreich: „Es wird ja gern behauptet“, erklärt Bienert, „dass man von den Inszenierungen der Mozart-Zeit nichts weiß, oder dass die Sänger einfach bequem auf der Bühne gestanden seien, um ihre Arien ungestört möglichst virtuos singen zu können. Das hat es zwar sicher auch gegeben; denken wir nur, wie Mozart sich über den ersten Idomeneo, Anton Raaff, beschwert in den Briefen an seinen Vater. Andererseits lernen wir daraus, dass er sich agierende Sänger gewünscht hat. “Alles andere wäre ja auch angesichts der psychologischen Feinfühligkeit, die Mozarts Musik ins Opernleben eingeführt hat, unsinnig. Bienert hat nun ganze Bilderserien entdeckt, die beweisen, wie lebendig es auf den Bühnen des Spätbarock und der Klassik zugegangen ist. Er fand in den malerischen Beweisstücken eine faszinierende Übereinstimmung zwischen der „Gestik der Lehrbücher dieser Epoche“ mit Bildern einer „zeichnerisch festgehaltenen Bühnenaufführung“. Versucht man diese Gebärdensprache zu rekonstruieren, dann würde diese „auch heute noch sehr gut verstanden“. Man könne auch einem Publikum, das des Italienischen nicht mächtig sei, auf diese Weise die Handlung eines Stücks nahebringen – „und zwar ohne dass alle unausgesetzt auf die Übertitel schauen und damit von der Bühne abgelenkt sind“.

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Ohne Trenchcoat und Aktenkoffer. Freilich: Wenn sämtliche Personen der Handlung im Trenchcoat und mit Aktenkoffer unterwegs sind, ist im zweiten „Figaro“-Finale nicht wirklich auszumachen, wer der Graf und wer der Gärtner ist. Dergleichen Verwirrspiel wird man bei einer Aufführung des TEATRO BAROCCO nicht erleben – und das, wie die Reaktionen auf die ersten Spieljahre beweisen, zur Freude gerade des jüngeren Publikums. Im Dialog mit der jüngsten Generation von Theaterbesuchern ortet Bienert bei jenen Interessenten, die sich Klassiker erst neu erarbeiten müssen, eine große Offenheit gegenüber seinen Versuchen: „Die Jungen fanden das immer besonders spannend.“ Vielleicht auch, weil sie sich lieber mit den Intentionen der Komponisten und Autoren auseinandersetzen als mit denen von Regisseuren, die nicht immer kongruent zur Handlung des gezeigten Stücks verlaufen. Für die Entschlüsselung eines Kunstwerks können historisch „richtige“ Inszenierungen jedenfalls nur hilfreich sein: „Musiktheater“, weiß Bienert, „besteht, anders als das Konzert, nur zur Hälfte aus Signalen, die unser Ohr und unser Körper empfangen, aus den Schwingungen im Raum. Die andere, ebenso wichtige Hälfte der Wirkung sind die Reize für das Auge, Lichtschwingungen, die das Gesehene dadurch reflektieren.“ Womit wir wieder bei den Kerzen sind: „Bedenkt man die sehr geringe Helligkeit des damaligen Beleuchtungsmittels Kerzenlicht, dann wird einem rasch klar, warum deutliche und große Gesten nötig waren, um den Sinn der Handlung auch in Mimik und Bewegung zu vermitteln.“ Dass ein Theatersaal, der nur mit Kerzen erhellt ist, weit weniger stark ausgeleuchtete Bühnenhandlungen ermöglicht hat, habe, so Bienert, in jener Ära fast zwangsläufig die Bedeutung der Musik erhöht. „Die optische Komponente ist ja wegen der Schwäche der Beleuchtungsmittel stark in den Hintergrund getreten. Damit waren der Fantasie des Publikums viel mehr Möglichkeiten eingeräumt, sich mit der Musik zu einem eigenen Eindruck der Geschehnisse zu verdichten.“

Paul Hindemith und der Originalklang. Bienert rührt da an einen Gedanken, der in der Musiktheater-Literatur bis dato kaum berührt wurde. Es wäre faszinierend, die„Gleichzeitigkeit von Hören und Sehen einmal analytisch“ zu betrachten. „Für mich, vom Tanz kommend, ist korrekte Bewegung und genaues Licht für meine persönliche Rezeption aber enorm wichtig, und ich spüre, dass auch die Musik von Richard Wagner oder Richard Strauss in einem unsensibel gewählten, für mich falschen Bühnenlicht überhaupt nicht funktioniert“, erläutert Bienert, der in seinen Produktionen versucht, die Lichtverhältnisse – auch wenn er Kerzen naturgemäß nicht verwenden darf – möglichst getreulich widerzuspiegeln. Inspiriert haben ihn die akustischen Bemühungen der Originalklangpraktiker.
Übrigens ist er auch ihnen penibel auf den Grund gegangen: Am Anfang stand ein Komponist der Moderne, Paul Hindemith: „Er hat“, so Bienert, „im Juni 1954 eine Monteverdi-Aufführung im Wiener Konzerthaus quasi rekonstruiert. Von dieser Pioniertat ist heute erstaunlich wenig die Rede, obwohl manche bedeutende Musiker,die seit dem auf diesem Sektor reüssieren, an dieser Aufführung als Musiker beteiligt waren!“ Die Überlegungen zum sogenannten Originalklang entsprangen also „dem Kopf eines Kreativen“, betont Bienert und räumt damit gleich die Vorwürfe aus, er beschäftige sich da mit einer musealen Angelegenheit: „Auch die optische Seite kann natürlich nur durch Kreativität aus der Historie ins Heute übersetzt werden.“ Insofern habe aber die „Originaloptik“ (inklusive liebevoll handgemalter Dekors) einen ähnlich hohen Stellenwert wie die Erkenntnisse bezüglich eines „Originalklangs“. Realisiert werden Musik und Theater ja für ein heutiges Publikum, und zwar von heutigen Darstellern und Musikern.

„Neues“ Theater Esterhaza 1768. „Erst die Beachtung aller Ingredienzien und Regeln – musikalisch wie szenisch – kann zu einem überzeugenden, ausgewogenen Gesamtbild führen.“ Der bildnerische Zyklus, den Joseph Franz Götz 1783 von einer Aufführung von „Lenardo und Blandine“ gezeichnet hat, stellt für Bienert eine wichtige Grundlage dar: 160 Einzelbilder („leidenschaftliche Entwürfe für empfindsame Kunst- und Schauspielfreunde“ nennt sie Götz) dokumentieren die Aufführung dieses Stücks: „Das sind etwa drei Bilder pro Minute, wir wissen also relativ gut Bescheid“ über die Bewegungsabfolgen. Von „Stehtheater“ kann da jedenfalls nicht die Rede sein. Demonstriert wird die Kunst, historische Erkenntnisse für die Gegenwart nutzbar zu machen, anhand von Werken Georg Anton Bendas und Joseph Haydns. Im Zuge seiner Aktivitäten hat Bienert bereits zwei der Melodramen Bendas, die Mozart so geschätzt hat, herausgebracht. Heuer folgt „Medea“, gekoppelt mit Haydns „Apotheker“, dem übrigens die allererste Opernpremiere im neu errichteten Theater von Esterhaza, 1768, gegolten haben könnte: „Jedenfalls“, sagt Spurensucher Bienert“, war das Stück gerade fertig, als das Schlosstheater eröffnet wurde“, das ja zu Haydns wichtigster Arbeitsstätte werden sollte.
Gespielt wird der „Apotheker“ übrigens nicht in der vielen älteren Musikfreunden noch vertrauten deutschen Sängerknabenfassung, sondern im originalen Italienisch, „Lo speziale“: Dank der klaren Gebärdensprache des TEATRO BAROCCO braucht man ja keine Übertitel, um alle Pointen zu verstehen …

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Presseberichte zum Festival TEATRO BAROCCO 2014

 

ORF Ö1 | Morgenjournal | FR | 11.7.2014 | 7:00 Uhr | Gernot Zimmermann

Stift Altenburg: TEATRO BAROCCO

Der Niederösterreichische Theatersommer ist seit einigen Jahren um eine Facette reicher. Im Stift Altenburg, hoch über dem Kamptal, ist das TEATRO BAROCCO eingezogen und gräbt unbekannte Musiktheaterwerke der Mozart-Zeit aus.

„Prächtiger Marmor … eine Bühne wie aus der Mozartzeit …“
„Ein Spiel, wie man es von alten Theaterstichen zu kennen glaubt …“
„Schön wie Bienert jede Geste, jeden einzelnen Schritt nach alten Bildern nachzustellen sucht …“
„Dem Publikum gefielen die beiden Werke gestern Abend, die Bienert dieses Jahr serviert …“
„… erheitert auch das Publikum von heute“
„wenn man dann … nach Hause geht, vorbei an den Skulpturen und Brunnen und das Mondlicht die barocke Pracht in Szene setzt, dann geht das TEATRO BAROCCO gleichsam weiter, und verfolgt einen noch bis in den Schlaf.“

Den vollständigen Beitrag anhören

KRONEN ZEITUNG | 12.7.2014 | Karlheinz Roschitz

Teatro Barocco, Stift Altenburg: Winters „Lenardo“, Haydns „Canterina“, Bienert

Die Magie historischen Theaters

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Das TEATRO BAROCCO, Bernd Bienerts hinreißendes Operntheaterprojekt, das im Vorjahr vielfach ausgezeichnet wurde, hat wieder seine Pforten in der barocken Prunkbibliothek des Stiftes Altenburg geöffnet: Bienert inszenierte diesmal Peter von Winters Melodram „Lenardo und Blandine“ und Haydns Buffa „La Canterina“.

Nach Bendas „Ariadne“ ist Bienert eine ungewöhnliche Rekonstruktion gelungen: Er inszenierte Winters „Lenardo“ nach dem originalen Regiebuch Joseph Franz von Goez’ (1783), das in 160 Kupferstichen Gesten, Mimik und Körpersprache der Figuren der schaurig-wilden, romantischen Tragödie um rasende Liebe, Eifersucht, Morde, Wahnsinn festhält. Ein Erlebnis, das man sich auch im Schönbrunner Schlosstheater wünschte!
Unter Paul Trogers Kuppel errichtete Bienert einen barocken Theaterprospekt mit Kerzenbeleuchtung, in der die Bilder des burgundischen Hofes magisches Leuchten und irrlichternde Atmosphäre entfalten. Für die musikalische Basis - oft sehr nahe Mozart! - sorgt Aries Caces (am Cembalo) mit sieben Musikern. Leicht, luftig, mit Eleganz gestaltet er die diffizilen „Dialoge“ zwischen Schauspielern und Musikern. Die Figuren sind mit Kennern dieses Stils wie Bienert als König oder Kira von Zierotin als Blandine, Günther Strahlegger als Lenardo und Peter Wildholz als Prinz perfekt besetzt.
Das Publikum war von diesem stimmungsdichten, bravourösen „Lenardo“ ebenso begeistert wie von Haydns „Canterina“ danach, einer Buffa voll skurril frecher Späße. Günther Strahlegger als feiste, geldgierige Mutter der Sängerin Gasparina (Jasmina Reda) steht im Mittelpunkt des Spaßes. Ausgezeichnet Peter Wildholz als Hausherr Don Pelaggio und Barbara Angermaier als Liebhaber Ettore.

DIE PRESSE | 12.7.2014 | Walter Weidringer

Mozarts zu Unrecht vergessene Zeitgenossen

Das TEATRO BAROCCO will die Bedingungen der Bühne des 18. Jahrhunderts historisch akkurat nachstellen – und wirft mit „Lenardo und Blandine“, einem Melodram von Peter von Winter, und einer Haydn-Buffa spannende Fragen auf.

„Da rannte der Alte mit blinkendem Dolch/ Ihm nach kroch der verrätrische Molch.“ Eine Fürstentochter verliebt sich in einen Diener; die beiden verbringen im Geheimen eine Nacht miteinander. Das bemerkt ein von ihr abgewiesener Prinz, der sie sofort bei ihrem zürnenden Vater verpetzt. Dieser gibt sich nun nicht damit zufrieden, den Diener beim Verlassen des Liebesnests eigenhändig zu erstechen, sondern sendet auch noch dessen herausgeschnittenes Herz an seine Tochter. Die tut daraufhin das Vernünftigste, was in einer solchen Situation denkbar ist: Sie wird wahnsinnig und stirbt. Das reut den Herrn Papa – und er meuchelt auch noch den eifersüchtigen Prinzen.

Nach dem Vorbild einer Geschichte aus Boccaccios „Decamerone“ formte mehr als 400 Jahre später Gottfried August Bürger die seinerzeit enorm populäre Ballade „Lenardo und Blandine“. Noch 1843, ein halbes Jahrhundert nach Bürgers Tod, wurde sie im Brockhaus als „sein viel bewundertes, ja in gewissem Sinn als großartig zu bezeichnendes Meisterwerk“ bezeichnet, wobei der Dichter übrigens die „Volkstümlichkeit“ der Kunst als „Siegel ihrer Vollkommenheit“ postulierte. Von Schillers harscher Kritik an Bürgers Sturm-und-Drang-Lyrik, die sich erst allmählich als herrschende Meinung durchsetzte, war 1779 noch keine Rede: Da arbeitete nämlich der viel begabte, aus Siebenbürgen stammende Advokat und Porträtmaler Joseph Franz von Goez Bürgers Ballade in München zu einem Libretto um. Komponiert hat dieses Peter von Winter, allenfalls noch bekannt durch „Das Labyrinth“, eine zusammen mit Schikaneder geschaffene Fortsetzung der „Zauberflöte“ – und zwar, das ist das Besondere, in der heute ungewöhnlichen, damals aber groß in Mode gekommenen Gattung eines Melodrams, also eines Sprechstücks mit Musikbegleitung.

Skandalträchtige Affäre
Schon zum dritten Mal lädt das TEATRO BAROCCO derzeit in den prächtigen Bibliothekssaal des Stiftes Altenburg (NÖ) zu einer Zeitreise: Das vom Choreografen und Regisseur Bernd R. Bienert geleitete Festival hat sich zur Aufgabe gemacht, vergessene, aber bedeutsame Werke von Mozarts Zeitgenossen neu zur Diskussion zu stellen – und zwar szenisch betrachtet in weitgehend „historischer Aufführungspraxis“, also mit dem Wissen um die Mittel, Möglichkeiten und auch Grenzen des Theaters im 18. Jahrhundert. Winters illustratives Melodram steht musikalisch auf der Höhe der Zeit, war aber skandalträchtig: Als unmoralisch galt, eine merkwürdige Parallele zu unserer heutigen Nipplegate-Welt, nicht etwa der blutrünstige Anteil der Story, sondern die nicht standesgemäße Affäre. Es bot sich jedoch vor allem deshalb für eine getreuliche Rekonstruktion an, weil Goez die Handlung in „160 leidenschaftlichen Entwürfen auf Kupfer gezeichnet“ hat, die Rückschlüsse auf die Uraufführung erlauben, die Bienert auch weidlich gezogen hat.
Also regiert auf der hübsch nachgebauten Bühne der Historismus: mit prächtigen Kostümen und Perücken, gemalten Kulissen und vor allem mit einem Bewegungsvokabular und einer Gestik, die im expressionistischen Stummfilm ihre letzten glaubwürdigen Ausläufer erlebt haben. Das wirft ebenso viele spannende Fragen zu den meist nur musikalisch angestellten Authentizitätsbemühungen unserer Zeit auf wie es darstellerische Fallstricke auslegt: Die Grenze zur unfreiwilligen Komik ist bei so viel exaltiertem Weh! und Ach! gefährlich nah, wurde aber von Kira von Zierotin in der zentralen, fordernden Rolle der Blandine ganz gut gemieden.

Leuchtkräftige „La canterina“
Einfacher und näher an heutigen Erwartungen und Gepflogenheiten zu realisieren war dann freilich Joseph Haydns frühe Buffa „La canterina“ mit ihren dennoch stilecht wirkenden, nicht übertriebenen Travestiespäßen (Tenor Günther Strahlegger als gewitzte Matrone Apollonia) und lebendiger Musik rund um eine kleine Sängerin (zart, aber leuchtkräftig: Jasmin Reda) die sich schließlich alle beide rivalisierenden Gönner (Peter Widholz, Barbara Angermaier) sichern kann.
Aries Caces dirigierte vom Cembalo aus seine eigenen Reduktionen der Partituren für (modernes) Streichquintett und zwei Flöten, die sowohl bei Winters wilden Gewitterklängen als auch bei Haydns Heiterkeit ihren Effekt nicht verfehlten: viel „Beyfall“.

TEATRO BAROCCO
Weitere Termine: 12., 13., 18., 19., 20., 25., 26. und 27. Juli, 19 Uhr; Shuttlebus ab Operngasse/Staatsoper (14 Uhr) inkl. Stiftsführung und Einführungsvortrag; www.teatrobarocco.com
Tipp: Die begleitende Ausstellung „Liebestode“ zeigt, wie sich der zeitgenössische Künstler Thean Chie Chan (Wien) mit Goez' Kupferstichen auseinandergesetzt hat.

 

KURIER | 12.07.2014 | Barbara Pálffy

Schaurig-schön: Barockes in Stift Altenburg

Raritäten von Haydn und von Winter.

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Die Dame bekommt das Herz ihres Geliebten in einer Urne überbracht, verfällt dem Wahnsinn und stirbt: Wahrhaft eine „black story“, die Peter von Winter 1779 zum Melodram „Lenardo und Blandine“ verarbeitet hat.
Die blutrünstige Rarität hat Bernd R. Bienert als ersten Teil seines Teatro-Barocco-Festes in Stift Altenburg bei Horn/NÖ minutiös rekonstruiert und entlang der 160 Kupferstiche des Librettisten J.F. von Goez detailgetreu inszeniert.

Das Stück gehört Kira von Zierotin, deren Blandine von der graziösen Geliebten zur furiengejagten Halluzinierenden wird, die das Herz des getöteten Lenardo für ihren Brautschmuck hält. Ihre Deklamation stellt bewusst das Pathos des Textes zur Schau und steigert sich effektvoll zu Exzessen. Sie gibt der Antiquität Leben und bewahrt sie vor Blutleere.

Bienerts Konzept setzt auf die totale Zeitreise: vom herrlichen Ambiente des Stifts bis zur Farbtemperatur des Lichts ist alles auf Authentizität abgestellt. Mitzubringen ist die Bereitschaft, in die Illusion zu kippen.

Ménage à trois.

Das zweite Stück des Abends, Haydns komisches Intermezzo „La Canterina“ (1766) ist eine Farce um die Sängerin Gasparina, die es zuwege bringt, die Spendierfreudigkeit zweier Verehrer zugleich anzuzapfen und die beiden auf eine ménage à trois zu programmieren.

Als zartes, puppengesichtiges Luder entzückt Jasmin Reda, apart als Don Ettore Barbara Angermaier mit Allonge-Perücke und Bärtchen, als leicht zu manipulierender Musiklehrer Don Pellagio Peter Widholz mit kräftigem Tenor. Drahtzieherin ist Gasparinas Ziehmutter Appolonia, die das Mädel effizient coacht. Günther Strahlegger gibt ihr Wuchtigkeit in Gestalt und Stimme. Die musikalische Seite betreut Aries Caces umsichtig.

Ja, es gibt sie, die Small-is-beautiful-Nischen neben den Mega-Events!

KURIER-Wertung: 4 Sterne

KRONEN ZEITUNG | 10.07.2014

Bienerts TEATRO BAROCCO

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Mit Spannung erwartet wird die heutige Premiere des im Vorjahr vielfach ausgezeichneten TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg bei Horn. Bernd Roger Bienert (kl. Foto) inszeniert Haydns „La Canterina“ und Peter von Winters Melodram „Lenardo und Blandine“ (1783; Foto), ein schaurig-tragisches Melodram nach Gottfried August Bürger. Eröffnet wird auch eine Ausstellung von Thean Chie Chans Gouachen nach Winters Melodram.

 

 

 

KRONEN ZEITUNG | 08.07.2014 | Karlheinz Roschitz

Stift Altenburg, TEATRO BAROCCO: Bernd Bienert inszeniert „Lenardo und Blandine“

Operncartoon der Mozart-Zeit

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Kritiker feiern Bernd R. Bienerts TEATRO BAROCCO, das er im Rahmen eines spektakulären Festivals in der Prunkbibliothek des Barockstiftes Altenburg seit 2012 jedes Jahr veranstaltet. 2013 wurde seine Opernproduktion sogar zu einer der wichtigsten des Jahres gewählt und mit vielen Preisen ausgezeichnet.

Für die diesjährige Produktion grub Intendant, Regisseur und Choreograf Bienert – er war u.a. Ballettchef der Zürcher Oper – Peter von Winters „Lenardo und Blandine“ von 1779 aus und stellt das schaurig-mörderische – hier rekonstruierte – Melodram der skurrilen Opera buffa „La Canterina“ von Joseph Haydn gegenüber. Beide Werke werden in Bienerts Inszenierung und barockem Bühnenbild in der B1bliothek des Stiftes Altenburg aufgeführt. „Vielleicht das schönste Barocktheater Europas“, findet Bienert, der auch das üppige Bühnenportal entwarf. Mit seinem jungen Teatro-Barocco-Ensemble unter Leitung von Aries Caces. Premiere: Donnerstag, 10. Juli (Aufführungen: jeweils Freitag, Samstag, Sonntag, 12. bis 27. Juli).

Mit „Lenardo und Blandine“ hat Bienert eine Opernattraktion der besonderen Art wiederbelebt. Ist das Werk Peter von Winters (1779) nach der Ballade Gottfried August Bürgers und dem Libretto des Regisseurs, Autors und Illustrators Joseph Pranz von Goez, das nach der Uraufführung nie wieder gespielt worden war.
Bienert fand bei den Vorarbeiten 160 Illustrationen, mit denen Goez ein genaues Regiebuch hinterließ, das Gesten und Adrucksmomente bis ins Detail wiedergibt. Daran orientiert sich Bienert auch in seiner Regie, in der er – wie in einem Operncartoon – die Bildabfolgen gestaltet.
„Wir wollen vergessene, seit ihrer Uraufführung nicht mehr gespielte bedeutende Werke der von Mozart geschätzten Zeitgenossen – Peter von Winter schrieb die Fortsetzung der ,Zauberflöte‘ – auf die Bühne bringen“, erklärt Bienert. "Warum sollen wir Moden mitmachen und historische Stücke gegen den Strich bürsten?"
Dennoch verzichtet Bienert nicht auf den Aspekt der Gegenwart: So beauftragte er den Maler Thean Chie Chan, nach den kostbaren Darstellungen des Regiebuches von Goez 25 Blätter für eine Ausstellung mit dem Thema „Liebestode“ zu gestalten („Liebestode“, weil „Lenardo und Blandine“ große Nähe zu „Tristan und Isolde“ aufweist). Die Ausstellung ist vor jeder Opernaufführung im Stift Altenburg zu besichtigen.

tanz.at | 11. Juli 2014 | Ditta Rudle

TEATRO BAROCCO 2014 – authentisch gestikuliert

Zum dritten Mal hat der Choreograf und Intendant des barocken Festivals in Stift Altenburg, Bernd Roger Bienert, nach eingehender Recherche zwei Stücke des 18. Jahrhunderts authentisch für die eigens gebaute barocke Bühne in der Bibliothek des Stiftes inszeniert. Das Melodram „Lenardo und Blandine“ von Peter de Winter und zum Ausgleich die köstliche Komödie „La Canterina“ von Joseph Haydn.

Wolfgang Amadé Mozart an seinen Vater: „Diese Art Drama habe ich mir immer gewunschen …, sie wissen wohl, dass da nicht gesungen, sondern Declamirt wird – und die Musique wie ein obligirtes Recitativ ist – bisweilen wird auch unter der Musique gesprochen, welches alsdann die herrlichste Wirkung thut …“ (Zitiert aus dem Programmheft). Vielleicht hat ja Mozart auch das Schauerdrama „Lenardo und Blandine“ gesehen, dessen Libretto der Jurist und Zeichner Franz Joseph Goez verfasst hat. Die Zeichnungen jeder einzelnen Geste lieferte als „Leidenschaftliche Entwürfe zu Lenardo und Blandine. (1784)“ gleich dazu und schuf so einen frühen Comicstrip. Auch daran konnte sich Bienert und sein Team orientieren.
Die Geschichte ist so kurz wie gruselig: Die Königstochter Blandine liebt den Gärtner Lenardo. Das passt weder dem Vater noch dem von ihm ausgesuchten Bräutigam. Lenardo muss sterben. Im obligaten Gewittersturm der Streicherinnen wird Blandine um Mitternacht das blutige Herz Lenardos überbracht. Spitzer Schrei, Ohnmacht, Wahnsinn! Der königliche Vater ist erschüttert, ersticht zuerst den gemeinen Prinzen und dann sich selbst. Blandine „liegt hingestreckt da, und stirbt“. Wir sind erschüttert, spenden aber den Protagonisten, vor allem der in der Kunst der barocken Gebärdensprache unnachahmlichen Tänzerin Kira von Zierotin ausgiebigen Applaus.

Die Musik de Winters lässt Mozart ahnen, die expressiven Gesten des barocken Melodrams nehmen den Stummfilm vorweg und die Textmenge, die von Zierotin zu sprechen hat, ringt uns Bewunderung ab. got-feuer-am-himel
Genug geschaudert und geweint, nach der Pause geht es überaus lustig zu im Tohuwabohu beim Kapellmeister Don Pelaggio (Peter Widolz), der die süße Sängerin Gasparina (Jasmin Reda) samt ihrer (falschen) Mutter (Günther Strahlegger) bei sich aufgenommen hat. Leider ist er nicht der Einzige, der Gasparina näher kommen will, der wesentlich appetitlichere Don Ettore (Barbara Angermaier) ist sein Konkurrent. Haydn hat dieses fröhliche Intermezzo vermutlich in den ersten Dienstjahren in Eisenstadt der Fürstinwitwe Maria Anna Esterházy zum Namenstag gewidmet. Ob die Fürstin mit dem Schwindel der beiden Frauen, die schließlich beide Männer austricksen und mit Schmuck und Geld als Letzte lachen, einverstanden war, ist nicht überliefert. Das komödiantische Talent der „Madame Dichtlerinn“ (Leopold Dichtler als „finta madre“ ), ist jedoch verbürgt. Der Bariton Strahlegger kann mit mitreißender Spielfreude in allen Tönen durchaus mithalten und wird als Star der rekonstruierten Aufführung bejubelt. Der Spaß der kleinen Opera buffa liegt nicht nur an den beiden Hosen-/Rockrollen sondern auch in den köstlichen (italienisch gesungenen) Dialogen und dem Wirbel mit Degenkampf (auch wenn der düpierte Pelaggio nur einen Besenstiel zur Hand hat) und vorgetäuschter Ohnmacht, der auf der kleinen Bühne entsteht.
Als Maestro di Capella ist Aries Caces bereits seit 2013 beim TEATRO BAROCCO bewährt. Mit sicherer Hand und einfühlsamen Kontakt mit den Darstellern leitet er vom Cembalo das Kammerorchester des erfolgreichen TEATRO BAROCCO-Festivals.

Teatro Barocco 2014: Peter von Winter „Lenardo und Blandine“ ein Melodram; Joseph Haydn: „La Canterina“, eine Opera buffa.
Premiere am 10. Juli 2014 in der Bibliothek des Stiftes Altenburg, NÖ.
Weitere Vorstellungen: 12., 13., 18., 19., 20., 25., 26. und 27. Juli, jeweils 19 Uhr

DIE PRESSE | Juli 2014

Highlight

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Alles barock. Mittendrin Tänzerin Kira von Zirotin als Prinzessin Blandine, die sich in den Gärtner verliebt. Es folgen Mord, Totschlag, Wahnsinn. Mit der schauerlichen Geschichte von „Lenardo und Blandine“ lässt Choreograf Bernd Roger Bienert Musik, Text, Gebärdensprache des barocken Melodrams wiederaufleben und führt das Gesamtkunstwerk auf der eigens dafür gebauten Bühne mit Haydns Opera buffa „La Canterina“ der Stiftsbibliothek von Altenburg auf. TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg bei Horn, ab 12. Juli. an den Wochenenden im Juli. Siehe auch www.teatrobarocco.com (dr).  Foto: Nadja Meister für morgen

 

morgen 3/14

„Als wäre alles unmittelbar aus dem Moment entstanden“

Bernd Roger Bienert über das aktuelle Programm seines Festivals TEATRO BAROCCO, das Ringen um Authentizität und Herren, die schon vor 250 Jahren als Damen auf der Bühne standen.

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INTERVIEW: WILHELM SINKOVICZ, FOTOS: NADJA MEISTER

Bernd Roger Bienert ist für Kenner der Szene unstrittig der fantasievollste Theaterzauberer Österreichs. Es ist 30 Jahre her, dass er, damals Ensemblemitglied des Wiener Staatsopern-Balletts, mit eigenen Choreographien erstmals auf sich aufmerksam machte. Seither sorgte er immer wieder auch an ungewöhnlichen Aufführungsorten für Aufsehen. Ob Kirchenräume oder aufgelassene Fabrikshallen, Bienert verwandelt als sein eigener Ausstatter und Beleuchter mit seinem Bewegungstheater jeden Ort in eine magische Fantasiewelt Vor einigen Jahren lancierte er, fasziniert von der Möglichkeit, die akustische wie die optische Realität der Bühnenkunst des 18. Jahrhunderts wiederzubeleben, das Konzept seines TEATRO BAROCCO. Mit diesem hat er in Stift Altenburg eine Heimstätte gefunden. Das Festival wurde unter anderem mit dem Appassionato-Kulturförderpreis ausgezeichnet.

morgen: In einem Gespräch mit der Zeitschrift „Parnass“ schwärmten Sie unlängst von der „schönsten barocken Saalbühne Österreichs“, die Ihnen in der Bibliothek von Altenburg zur Verfügung steht. Was macht diesen Rahmen denn so einzigartig?

Bernd Roger Bienert: Die Geschlossenheit von Aufführungsort, Atmosphäre und Aufführungspraxis ermöglicht hier ein wahrhaft außergewöhnliches Musiktheater-Erlebnis. Wir wollen ja im Stift Altenburg nicht nur Oper machen, sondern unser Publikum mit in jeder Hinsicht möglichst authentischen Inszenierungen ins 18. Jahrhundert zurückversetzen. Unser Anliegen beim Festival ist es, vergessene und seit ihrer Uraufführung nicht mehr gespielte, jedoch bedeutende Werke der von Mozart hoch geschätzten Zeitgenossen wieder auf der Bühne erlebbar werden zu lassen. Damit wollen wir auch einen Beitrag dazu leisten, Mozarts Zeit, sein künstlerisches Umfeld und seine Leistungen für die Musikgeschichte besser zu verstehen.

Bevor man solche Stücke in dieses Ambiente verpflanzen kann, muss man sie zuvor natürlich erst entdecken. Wie findet man Unerhörtes aus der Feder von Meistern wie Joseph Haydn? Und vor allem: Wie erfährt man, wie diese Werke zu ihrer Zeit tatsächlich aufgeführt wurden?

Die Recherchen beginnen in Bibliotheken und Archiven. So versuchen wir die jeweilige Urtextausgabe herauszuarbeiten und alles verfügbare Material zu den Stücken aufzuspüren. Neben den Originalpartituren also auch möglicherweise erhaltene Bilddokumente, Kostüm- und Bühnenbildentwürfe, Regieanweisungen und Aufzeichnungen zur Gestik. Ebenso wie die Akustik soll auf diese Weise nach Möglichkeit etwa auch die Atmosphäre der originalen Kerzenbeleuchtung gewahrt werden.

Ergibt sich nicht ein Widerspruch zwischen dem, was in jener Zeit als theoretische Grundlage der Theaterkunst aufgeschrieben wurde, und dem, was dann vermutlich in der Realität auf den Bühnen zu sehen war?

Wir wissen zum Beispiel aus Mozarts Briefwechsel mit seinem Vater einiges über die tatsächliche Theaterpraxis. Aus solchen Quellen lassen sich wertvolle Erkenntnisse gewinnen, manches bleibt aber notwendigerweise unsicher. Fest steht aber, dass theoretische Ansprüche und Bühnenpraxis nicht immer deckungsgleich waren. Von zeitgenössischen Beobachtern wissen wir etwa, dass der große Sänger Anton Raaff, für den Mozart die Titelpartie des „Idomeneo“ geschrieben hat, als Schauspieler mit eher bescheidenem Talent gesegnet war. Da stellt sich – Stichwort Authentizität – natürlich die Frage: Was wäre in so einem Fall zu rekonstruieren? Ein tatsächliches Bild der Zeit oder ein erdachtes Idealbild?

Wie steht es mit der Individualität des Interpreten? Waren die Darsteller zu Zeiten Mozarts und Haydns gefesselt von Bewegungskonventionen oder konnte sich das Individuum im Rahmen des Kunstwerks entfalten? War man gegenüber dem Konzept des Regisseurs freier als beispielsweise innerhalb einer heutigen, sogenannten Regietheater-Produktion? Oder waren die Regeln starr?

Regisseure im heutigen Sinn gab es damals ja noch nicht. Der Spielleiter übernahm die Rolle eines „Verkehrspolizisten“, der die Auftritte regelt. Jeder Darsteller konnte auf seine ihm eigene Art überzeugen und den Gestus des historischen Bewegungsmaterials individuell interpretieren. Genau das möchte ich erreichen, dass wir uns innerhalb dieses damals möglichen Idioms bewegen, sprechen, singen – und zugleich eine organisch sich entwickelnde Selbstverständlichkeit bewahren, als wäre alles soeben unmittelbar aus dem Moment entstanden. Auch die Ausstattung wird bei TEATRO BAROCCO wie damals üblich handgemalt und besteht zur Gänze aus hintereinander gesetzten Leinwänden. Das Licht entspricht der Intensität und dem Einfallswinkel der Kerzenbeleuchtung historischen Theaters, also vornehmlich von unten und von der Seite, was einen sehr eigenartigen, der Welt enthobenen Effekt erzeugt. Was die musikalischen Grundlagen betrifft, so müssen wir das Notenmaterial erforschen und die einzelnen Stimmen der Instrumente neu schreiben. Auch bei der Einstudierung der Gesangslinien legen wir großen Wert auf die historisch richtige Ausführung und auf Einhaltung der nötigen musikalischen Verzierungen, Abbellimenti und Appoggiaturen.

Beim TEATRO BAROCCO konnten Opernfreunde zuletzt interessante Entdeckungen machen, nicht nur, was Musiktheaterformen wie das Melodram betrifft, sondern auch in Sachen Opernrepertoire. Auch heuer scheint es, sind Sie in den Archiven fündig geworden und fördern ein unbekanntes Stück aus der Feder eines viel gespielten Meisters ans Licht, um es mit einer weiteren Rarität zu konfrontieren.

Zwischen Melodram und Komödie gestalten wir den Spielplan auch im Sommer 2014. Joseph Haydns 1766 uraufgeführte Opera buffa „La Canterina“ steht im Kontrast zur blutrünstigen Schauergeschichte „Lenardo und Blandine“ von Peter von Winter. Die nicht standesgemäße Liebe zwischen einer Prinzessin und einem Gärtner mündet hier in Mord und Wahnsinn. In Haydns Komödie hingegen geht es auf humorvolle Art um Liebe, Eifersucht und Täuschung, und wir spielen diese gemäß der Originalversion in recht ungewöhnlicher Besetzung: Don Ettore, der reiche, jugendliche Liebhaber der kleinen Sängerin Gasparina, wird, wie in Mozarts „Figaro“, von einer Sopranistin verkörpert. Die Rolle der schlauen Theatermutter Appolonia steht ganz in der Tradition der aus der neapolitanischen Commedia dell'Arte überlieferten alten Mätresse Ruffiana. Sie wird wie bei der Uraufführung von einem Mann gesungen. Ein eher ungewöhnlicher Rollentausch, der schon vor vielen hundert Jahren das Publikum belustigt hat und heute wieder ganz aktuell geworden ist …

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Peter von Winter kennt man dem Namen nach vielleicht als Komponist der Fortsetzung der „Zauberflöte“, die Emanuel Schikaneder nach Mozarts Tod gedichtet hat. Was erwartet uns bei dem von Ihnen gefundenen Werk?

In Peter von Winters „Lenardo und Blandine“ aus dem Jahre 1779 sind Anklänge an andere Werke dieser Zeit herauszuhören. Besonders überraschend ist es jedoch, dass wir die Melodie der berühmten Höllenfahrts-Szene aus Mozarts „Don Giovanni“ darin wiedererkennen, obwohl „Don Giovanni“ doch erst 1787, also acht Jahre nach Winters Melodram, komponiert wurde!

http://www.morgen.at/

KRONEN ZEITUNG | 25.07.2014 | Karlheinz Roschitz

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Zum letzten Mal wird dieses Wochenende (von heute, 25.juli, bis 27.) im TEATRO BAROCCO der Bibliothek von Stift Altenburg Peter von Winters „Lenardo und Blandine“ gezeigt. Bernd Roger Bienert inszenierte das Melodram von 1783 (Foto: „Biandine“ Kira von Zierotin, Ii.) und Haydns „La Canterina“. Parallel dazu zeigt Thean Chie Chan seinen Zeichnungenzyklus „Liebestode“ (re.) nach Joseph Franz Goez' berühmtem Regiebuch von 1783.KHR

KRONEN ZEITUNG | Juli 2014

Stift Altenburg, „TEATRO BAROCCO“-Festival: Chans Ausstellung „Liebestode“

Verstrickt in Liebeswahn

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Bernd Bienert, Leiter des Festivals „TEATRO BAROCCO“ im Stift Altenburg, wollte dem Publikum heuer neben seiner Produktion von Winters „Lenardo“ einen Bezug zum Heute präsentieren. Er beauftragte den malayisch-österreichischen Maler Thean Chie Chan, das berühmte Regiebuch zu „Lenardo“ zu bearbeiten.

Was Chan faszinierte, war die Darstellung aller Schlüsselsituationen zu Winters „Lenardo und Blandine“ vom einst prominenten Wiener Regisseur, Autor und Zeichner Joseph Franz von Goez, der 1783 160 Kupferstiche schuf: Die Figuren des schaurig-wildromatischen Melodrams mit Musik – dargestellt in Gestik, Mimik, Körpersprache. Mit behutsam delikater Pinselzeichnung und Gouachetechnik umhüllt Chan die Figuren der im Wahn und Liebestod endenden Prinzessin, ihres Geliebten, des eifersüchtigen Prinzen von Hispanien oder des Königs von Burgund mit Gesichtern, die die Figuren bald effektvoll hervorheben, bald als wesenlose Masken auf sie einstürmen. Und die Situationen immer ins Allgemeine, Heutige rücken. Ein Psychotheater in der Tradition der physiognomischen Blätter des Manierismus …

Chan trifft damit aber auch Sprache und Atmosphäre der literarischen Vorlage, der einst berühmten Ballade Gottfried August Bürgers, und damit den Geist der Schule der Schule der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts, der Mozart und Goethe interessierte. Und von dem selbst Richard Wagner sich im „Tristan“ Anregungen holte. Eine sehenswerte, zu Analyse anregende Ausstellung, zu sehen im Stift Altenburg vor dem Opernabend (bis 27. 7.).
OL

KURIER | Juni 2014

Theaterfest NÖ. Das Sommertheater feiert Spielbeginn

Über Krankheit, Liebe und Träume

„Die über die Barbarei des Holofernes triumphierende Judith“

An 23 Spielorten bietet das Theaterfest Niederösterreich heuer hochkarätiges Sprech- und Musiktheater.
Don Ettore umwirbt Sängerin Gasparina. Doch er ist nicht der einzige: Auch der Kapellmeister hat ein Auge auf die junge Dame geworfen. Mit viel Geschick gelingt es Gasparina schlussendlich, beide Männer auf ihre Seite zu ziehen. „La Canterina“, eine Opera buffa von Joseph Haydn, wird heuer von TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg aufgeführt. Info: 10. bis 27.Juli. www.teatrobarocco.com
Der Theatersommer Haag entführt seine Zuseher heuer nach Venedig. In „Zerbinettas Befreiung“, einer venezianischen Maskenkömödie, werden Intrigen geführt, Mordkomplotte geschmiedet und Duelle geführt. Zum Schluss endet aber doch alles glücklich für Zerbinetta. lnfo: 2.Juli bis 9.August. www.theatersommer.at
In „Juditha triumphans“ erzählt Antonio Vivaldi die Geschichte der, über die Barbarei des Holofernes triumphierenden Judith als Spiel von Verlockung und Täuschung, das ein tragisches Ende findet.
Das Festival Retz feiert sein 10-Jahr-Jubiläum heuer mit diesem Meisterwerk der Barockmusik. Ein Sängerensemble wird gemeinsam mit dem Originalklang-Instrumenten-Orchester diese Partitur zur Aufführung bringen. Info: 3. bis 13. Juli. www.festivalretz.at
Shakespeare hat an seinen Theatern nicht nur Shakespeare gespielt. Daran halten sich auch die Verantwortlichen der Shakespeare-Festspiele auf der Rosenburg. Dort wird heuer „Der eingebildete Kranke“ von Moliere gezeigt.
Lachen ist nämlich noch immer die beste Medizin. lnfo: 4. Juli bis 10. August. www.shakespeare-festspiele.at
Um Träume, Rätsel und Liebe geht es in Heinrich von Kleists Märchen „Das Käthchen von Heilbronn“, das bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf gezeigt wird. Info: 4. Juli bis 2. August. www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at
Mit einem Klassiker trumpft heuer die operklosterneuburg auf. Zum 900 Jahr-Jubliäum des Chorherrenstiftes Klostemeuburg wird den Operngästen Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ präsentiert. Info: 6. Juli bis 1. August. www.operklosterneuburg.at

 

PARNASS | Mai 2014 | Maria Rennhofer

Spätbarockes Gesamtkunstwerk – Festival TEATRO BAROCCO

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„Nicht das Stück wird in unsere Zeit übertragen, sondern unser Publikum wird in die Zeit des 18. Jahrhunderts hineinversetzt“, erklärt Bernd Roger Bienert, Gründer, Intendant, Regisseur, Choreograf und Seele des Festivals TEATRO BAROCCO im niederösterreichischen Stift Altenburg bei Horn. Ein wahrhaft revolutionärer Ansatz in Zeiten ungebremster Aktualisierungen auf der Theaterbühne und total konträr zur modischen Tendenz, historische Stoffe gegen den Strich zu bürsten und bisweilen mit Gewalt ins 21. Jahrhundert zu transponieren.

„Das Anliegen von TEATRO BAROCCO ist es, vergessene und seit ihrer Uraufführung nicht mehr gespielte, jedoch bedeutende Werke der von Mozart hoch geschätzten Zeitgenossen wieder auf der Bühne erlebbar werden zu lassen“, definiert Bienert das Konzept. Und dieses Konzept hat sich nach bisher zwei Spielzeiten als äußerst beliebt und erfolgreich erwiesen: TEATRO BAROCCO wurde von der Tageszeitung „Die Presse“ unter die drei wichtigsten Opernereignisse der vergangenen Saison erkoren, 2012 mit dem Apassionato-Kulturförderpreis ausgezeichnet, für den Bank-Austria-Kunstpreis 2012 nominiert und von einem an Raritäten interessierten Publikum ins Herz geschlossen.

Tatsächlich bietet die Geschlossenheit von Aufführungsort, Atmosphäre, Aufführungspraxis und wenig bekannten Werken der Mozart-Zeit ein außergewöhnliches Musiktheatererlebnis, das den Besucher von dem Moment an, da er das barocke Stiftsareal mit seinen Höfen und Gärten, der modernen Terrasse und schließlich der prunkvollen Bibliothek betritt, in eine andere Welt versetzt.

Was dann auf der Bühne so locker, leicht und selbstverständlich daher kommt, erfordert allerdings gründliche Vorarbeit. Die Recherche, die den Aufführungen voraus geht, beginnt in Bibliotheken und Archiven. „Wir versuchen die jeweilige ‚Urtextausgabe‘ herauszuarbeiten und den Anliegen der Komponisten und Librettisten gerecht zu werden“, so Bienert. Dazu gehört zunächst, alles verfügbare Material zu den Stücken aufzuspüren: neben den Originalpartituren also auch möglicherweise erhaltene Bilddokumente, Kostüm- und Bühnenbildentwürfe, Regieanweisungen und Aufzeichnungen zur Gestik. Um das alles in eine in sich stimmige, organisch-logische und homogen-plausible Aufführung umsetzen zu können, bedarf es aber auch eines detaillierten Wissens um die Epoche und eines großen künstlerischen Einfühlungsvermögens.

Was die musikalischen Grundlagen betrifft, so müssen auch das Notenmaterial erst erforscht und die einzelnen Stimmen der Instrumente neu geschrieben werden. „Auch bei der Einstudierung der Gesangslinien legen wir großen Wert auf die historisch richtige Ausführung und auf Einhaltung der nötigen ‚Abellamenti‘ und ‚Appoggiaturen‘, also der musikalischen Verzierungen“, unterstreicht Bernd Roger Bienert. Die Zusammensetzung des Instrumentalensembles entspricht dem damals bei Privataufführungen üblichen kleineren Orchester. Und die Akustik dieser Zeit wird ebenso gewahrt wie die Atmosphäre der originalen Kerzenbeleuchtung.

Faszinierend auch das architektonische Ambiente des Festivals: In der 50 Meter langen Bibliothek von Stift Altenburg, die für die Fresken Paul Trogers berühmt ist, entsteht allsommerlich ein authentisches Barocktheater. „Die schönste barocke Saalbühne Österreichs wurde nach einem Originalentwurf des Theaterarchitekten Ferdinando Galli-Bibiena rekonstruiert, der seit 1712 in Wien arbeitete“, beschreibt Bernd Roger Bienert den Aufführungsort.

Das kleine, feine Festival im Waldviertel hat sich in bisher zwei Spielzeiten bereits ein begeistertes Stammpublikum erobert: Musiktheatergourmets, die die besondere Mischung und Authentizität des barocken Gesamtkunstwerks zu schätzen wissen. Nach Werken von u.a. von Georg Anton Benda oder Johann Michael Haydn hat Bernd Roger Bienert für die dritte Ausgabe von TEATRO BAROCCO heuer wieder zwei Leckerbissen ausgegraben, die im Kontrast zwischen Melodram und Komödie einen unterhaltsamen Abend versprechen. Da ist zunächst Joseph Haydns 1766 uraufgeführte Opera buffa „La Canterina“. Das heitere Verwechslungs-, Verwirr- und Verführungsstück um junge Liebe, Eifersucht und Täuschung wird gemäß der Originalversion mit zum Teil ungewöhnlicher Besetzung gespielt: Don Ettore, der reiche, schöne, junge Liebhaber der schönen, jungen Sängerin Gasparina, wird von einer Sopranistin verkörpert. Die schlaue „Theatermutter“ Appolonia steht in der Tradition der aus der neapolitanischen Commedia dell’arte überlieferten alten Mätresse Ruffiana und wird von einem Mann dargestellt.

Konterkariert wird das komödiantische Intrigenspiel durch eine blutrünstige Schauergeschichte, „Lenardo und Blandine“ von Peter von Winter (Musik) und Franz Josef Goez (Text und Uraufführungsregie). Die nicht standesgemäße Liebe zwischen Prinzessin und Gärtnerburschen endet mit Mord und Totschlag, Rache und Wahnsinn. Musikalisch hat dieses kuriose Stück durchaus Unerwartetes zu bieten: „Viele Anklänge an andere Werke dieser Zeit sind heraus zu hören“, stellt Bienert fest. „Um so überraschender ist, dass wir auch die Melodie der berühmten Höllenfahrts-Szene aus Mozarts ‚Don Giovanni’ bereits in Peter von Winters ‚Lenardo und Blandine‘ aus dem Jahre 1779 wieder erkennen, obwohl ‚Don Giovanni‘ doch erst 1787, also acht Jahre nach Winters Melodram, komponiert wurde!“

Der Librettist und Regisseur Franz Josef Goez hinterließ aber einen besonderen Schatz: Der zunächst als Advokat in Wien Tätige profilierte sich vor allem als Portraitmaler und schuf "160 leidenschaftliche Entwürfe" zu diesem Drama. „Ein zusätzliches Werk, das für seine Nachwelt noch viel bedeutender und wesentlicher ist“, schwärmt Bienert. „Ein ‚Storyboard‘ der gesamten Aufführung und damit der wahrscheinlich erste Bilderroman der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte.“ Eine sensationelle Entdeckung, denn die aus 160 Kupferstichen mit Texten zu den einzelnen Szenen bestehende Sammlung erlaubt es, alle Kostüme, Bühnenbilder, die Gestik der Darsteller und den dazugehörenden Text in Zusammenhang mit Winters Partitur lückenlos zu rekonstruieren. Bernd Roger Bienert: „All das direkt aus der Feder des Regisseurs der Uraufführung! Diese minutiösen Aufzeichnungen zur Regie seines Bühnenwerks dürften wohl die einzigen des 18. Jahrhunderts sein, die so konkret nachvollziehbar sind.“ Das schaurige Melodram kann dank dieser Aufzeichnungen genau im Stil der Uraufführung auf die Bühne gebracht werden. Premiere ist am 10. Juli 2014.

http://www.parnass.at/

 

KULTUR UND WEIN | 11.07.2014

Zwei reizende Fundstücke des TEATRO BAROCCO in Stift Altenburg

Genau so muss (Kammer-) Oper zu Mozarts Zeit gewesen sein

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Allein die nächtliche Bibliothek des Benediktinerstiftes Altenburg muss man einmal gespürt haben; die Bücherwände im üppigen barocken Dekor, den dunklen Nachthimmel der Fresken an der Decke und vor den hohen Fenstern nichts als die von keinem Licht gestörte Waldviertler Nacht. Das ist auch heuer wieder das Ambiente für TEATRO BAROCCO, das in wenigen Jahren zum Begriff für geglückte Entdeckungsreisen in musikalische Archive geworden ist.

Entdeckt wurden für dieses Mal das Melodram „Lenardo und Blandine“, eine blutige Geschichte von Joseph Franz von Goez (Libretto) mit Musik von Peter von Winter, und „La Canterina“, eine Opera buffa von Joseph Haydn.

Bernd R. Bienert ist Intendant des TEATRO BAROCCO. Der international renommierte Theatermann hat dafür ein Team aus Spitzeninterpreten um sich versammelt. Nur so sind die Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, zu meistern. Die Stücke sind unbekannt und sie entsprechen nicht den gängigen gegenwärtigen Vorstellungen von Musiktheater. Sie sind es trotzdem wert, ausgegraben, vor allem aber genossen zu werden.

Es braucht dazu tiefschürfende musikwissenschaftliche Vorarbeit, intensive Auseinandersetzung mit Text und Musik und nicht zuletzt den geeigneten Aufführungsort. Dieser ist mit der Stiftsbibliothek von Altenburg absolut gegeben. Ein Theaterportal wird zwischen den Bücherregalen aufgebaut, künstliche Beleuchtung gibt es nur in den Pultlampen der Musiker, der Rest sind Kerzen, mit denen die Szene beleuchtet wird. Zu Mozarts Zeit, aus der beide Stücke stammen, kann es in einem fürstlichen Palais nicht anders zugegangen sein.

Aries Caces dirigiert vom Cembalo aus ein kleines Orchester, das in „Lenardo und Blandine“ lediglich den gesprochenen Text umrahmt. Kira von Zierotin ist die unglückliche Prinzessin, die sich in den Gärtner Lenardo (Günther Strahlegger) verliebt. Da ihr Vater (Bienert) im Zorn den Geliebten ersticht, verfällt sie sehenswert in den Wahnsinn und stirbt. Das eigentliche Erlebnis daran ist weniger der schwülstige Monolog, denn ihr an historischen Vorbildern ausgerichtetes Bewegungsrepertoire.

Haydns „La Canterina“, die kleine Sängerin, die weniger von ihrer Sangeskunst als auf Kosten ihrer Liebhaber recht gut lebt, verschafft vor allem Günther Strahlegger eine herrliche Möglichkeit, nicht nur seine Stimme, sondern auch sein komisches Talent zur Geltung zu bringen. Er ist Appolonia, eine abgetakelte Sängerin, die der jungen Gasparina (Jasmin Reda) mit Rat und Tat zur Seite steht, um deren Gesangslehrer Don Pelaggio (Peter Widholz) und den reichen Händlersohn Don Ettore (Barbara Angermaier) nach Strich und Faden auszunehmen. Joseph Haydn beweist mit dem Vertauschen der Geschlechter in dieser Opera buffa erstaunlichen Humor. Schön, dass sie wieder lebt, genauso wie Lenardo und Blandine.
Aber Noten- und Textblätter haben es offenbar an sich, über Jahrhunderte unbeschadet in einer Mappe hinzudämmern. Wenn diese Mappe einmal geöffnet wird und die Stücke im entsprechenden Rahmen wie in Stift Altenburg wieder gespielt werden, begeistern sie ihr Publikum gerade so gut wie in längst vergangener Zeit.

http://www.kulturundwein.com/teatro-barocco.htm

 

 

Presseberichte zum Festival TEATRO BAROCCO 2013

 

TEATRO BAROCCO wurde bereits zum 3. Mal ausgezeichnet:

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Die österreichischen Tageszeitung Die Presse führt TEATRO BAROCCO in ihrer aktuellen Listung der bedeutendsten kulturellen Ereignisse des Jahres 2013 an dritter Stelle. Unter der Rubrik Oper wird TEATRO BAROCCO von der Presse mit Bronze ausgezeichnet. Den ersten und zweiten Rang belegen Anna Netrebko und die Wiener Staatsoper. Als „Oper pur“ beschreibt Die Presse die Essenz der Produktionen von TEATRO BAROCCO. In ursprünglichen und authentischen Inszenierungen, die an die historischen Originale erinnern, zeigt TEATRO BAROCCO die Wurzeln und Ursprünge des Melodrams und der Oper im 18. Jahrhundert. Dem ungewöhnlichsten Opernhaus Österreichs wurde damit erneut eine große Auszeichnung zuteil. 

2014 feiert TEATRO BAROCCO ein Jubiläum, 3 Jahre gibt es dieses solitäre Festival bereits in der wundervollen Bibliothek von Stift Altenburg bei Horn. Barocke „Oper pur“ unter den großartigen Fresken des Paul Troger, im schönsten barocken Saaltheater Österreichs!

 

DIE BÜHNE | Dezember 2012

TEATRO BAROCCO 2013: Oper im Kerzenschein – Stift Altenburg bei Horn

Pygmalion – G. Anton Benda und Die Hochgzeit auf der Alm – J. Michael Haydn

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BERND R. BIENERT, Gründungsintendant von TEATRO BAROCCO, verwandelt ab 12. Juli 2013 die mit grandiosen Fresken ausgestattete, rund 50 Meter lange, wunderbare Bibliothek von Stift Altenburg bei Horn für einige Wochen wieder in das schönste barocke Saaltheater Österreichs. Erleben Sie an diesem einzigartigen Ort der inneren Ruhe eine einmalige Synthese aus Kunst, sinnlichem Theater und authentischem Musikerlebnis

Nach dem Riesenerfolg von TEATRO BAROCCO 2012 bei Publikum und Presse hat Intendant und Regisseur Bernd Roger Bienert für seine zweite Saison theatralisch und musikhistorisch heraus- ragende Werke von zwei der bedeutendsten österreichischen Komponisten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, den von Mozart hoch geschätzten Zeitgenossen Johann Michael Haydn und Georg Anton Benda, für TEATRO BAROCCO 2013 neu entdeckt. Beide Musiktheaterwerke, in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu Mozarts und Haydns berühmten Opern entstanden, sind zauberhafte Beispiele einer spätbarocken Musiktheater-Epoche, die wohl der „Wiener Klassik“ zugerechnet werden könnten.

Das Besondere an Bienerts TEATRO BAROCCO - Inszenierungen für Stift Altenburg ist, dass zum „Originalklang“ sowohl in der Gestik als auch in der Ausstattung an die Zeit der Entstehung der Werke erinnert wird. Seit der Uraufführung 1768 werden bei TEATRO BAROCCO 2013 die Singstimmen wohl zum ersten Mal wieder ganz genau so authentisch erklingen wie sie vom Komponisten gedacht waren. Eine Zusammenarbeit mit den Altenburger Sängerknaben wird dies ermöglichen.

Johann Michael Haydn, der Salzburger Bruder des weltberühmten niederösterreichischen Komponisten, ist 2013 mit seinem Singspiel „Die Hochzeit auf der Alm“ vertreten, einer „Klosteroperette“, die er für die jugendlichen Studenten der Salzburger Benediktiner-Universität komponiert hat, und die bei TEATRO BAROCCO 2013 nun authentisch von den Altenburger Sängerknaben interpretiert werden wird. Diese frühe Singspiel-Oper wurde zu ihrer Entstehungszeit der heiteren Handlung wegen auch als „Operet(t)l“ bezeichnet.

Das zweite Werk des Abends stammt, wie bereits bei TEATRO BAROCCO 2012, vom genialen Komponisten Georg Anton Benda. Es ist das 1779 entstandene Melodram „Pygmalion“, ein trotz seiner großen Bedeutung für die europäische Musikgeschichte bis heute nur selten aufgeführtes Werk. Zur Musik wird hier nicht gesungen, sondern gesprochen.

Pygmalion, Rousseaus großartiger Text zu grundlegenden Gedanken über das Wesen der Kunst, hat seine historisch begründete Gültigkeit bis in unsere heutige Zeit bewahrt. Die assoziative Musik von G. A. Benda begleitet Rousseaus Gedankengänge kompositorisch mit bildgewaltiger Musik. Bendas innovative Erfindung des Melodrams, einer Verbindung von Musik und Sprache zu einem Theater mit Musik, war unter anderem das Vorbild für Mozarts unvollendete Oper „Zaide“. Melodramen feierten bis ins 19. Jahrhundert riesige Erfolge und selbst bedeutende Komponisten wie Richard Strauss griffen über hundert Jahre nach deren Erfindung auf die Kompositionsform des Melodrams zurück.

Intendanz, Konzept und Regie: Bernd R. Bienert
Gesang: Altenburger Sängerknaben

Vorstellungen: 12., 13., 14. und 19., 20., 21. Juli 2013 | Beginn: jeweils 19 Uhr

Infos und Tickets:
20% Frühbucherrabatt bis 31.12. 2012
Stift Altenburg/Klosterladen: klosterladen@stift-altenburg.at
Tel.: +43 (0)2982 3451 21
www.oeticket.com
Tel.: +43 (0)1 96 0 96
www.teatrobarocco.at

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Presseberichte zum Festival TEATRO BAROCCO 2012

 

NÖN Niederösterreichische Nachrichten | 18.07.2012 | Gudrun Kalchhauser

Mit Mut auf Zeitreise

KRITIK / In Österreich einzigartig: Barockwerke werden in ihrer Ursprünglichkeit präsentiert.

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ALTENBURG / Wer sich von TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg ein Orchesterkonzert barocker Werke erwartete, wird enttäuscht gewesen sein. Wer ein barockes Theaterstück sehen wollte, kam auf seine Rechnung. Teatro Ba rocco sprengte herkömmliche Erwartungen und bestach durch Andersartigkeit und den Mut, vom Weg des Sommerlustspiels abzuweichen. Die beiden Stücke wurden mit viel Bedacht gewählt und sollten wohl den Einstieg in diese für viele von uns „unbekannte Welt“ erleichtern.

Tänzerische Dramatik und  stimmgewaltiger Humor

Das selten gespielte (Spätbarock-)Werk Georg Anton Bendas „Ariadne auf Naxos“ gewinnt durch die Ausstattung und Optik des barocken Bühnenbildes ebenso wie durch die dezente Beleuchtung (Kerzen), im Besonderen aber durch die tänzerische Gestik Bernd Roger Bienerts. Überzeugend dramatisch war auch die Darstellung Ariadnes durch Kira von Zierotin.
Humorvoll und stimmgewaltig geht es in der Oper „Der Bassgeiger zu Wörgl“ zu. Sie erzählt die Geschichte eines betrunkenen Mannes, der von seiner Frau nicht ins Haus gelassen wird. Beide Sänger, Simone Vierlinger (Sopran) und Rafael Fingerlos (Bariton), waren stimmlich großartig. Dass die Bassgeige nicht zu Ton kam, macht aus dem Titel ein ungelüftetes Geheimnis. Johann Michael Haydns Werk zeichnet sich auch durch die Wahl des Tiroler Dialekts aus.

Ein Sonderapplaus für das  barocke Musik-Ensemble

Die bildgewaltige Musik zu diesen Stücken ist der eigentliche Erzähler. Die Einheit zwischen Darstellern und durchwegs exzellenten Musikern verdient sich Extra-Applaus. Vielleicht lernt der in beiden Stücken im Einsatz stehende Sprecher noch, seinen Sprachtrichter so einzusetzen, dass er als Verstärker wirkt. Die Gäste in den hinteren Reihen würden es ihm danken…
Bernd R. Bienert und seinem Team darf gratuliert werden. Es verlangt Courage, vor allem aber gute Kenntnis des Barock, um diesen Weg zu gehen. Am Können mangelt es jedenfalls nicht. Jetzt fehlt nur noch ein barockfreudiges Publikum, das sich auf diese literarische Zeitreise einlässt und sich Werken in ihrer Ursprünglichkeit stellt. Dafür bietet Altenburg eine in Österreich einzigartige Chance.

http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/horn/kultur/Mit-Mut-auf-Zeitreise;art2431,402649

 

NÖN Niederösterreichische Nachrichten | 04.07.2012 | Dieter Schewig

Stift idealer Rahmen für barockes Theater

ERSTVERSUCH / Duo-Drama und Duett-Oper werden in Bibliothek aufgeführt.

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ALTENBURG / Zwei Stücke im Stil der spätbarocken Zeit kommen im Rahmen von „TEATRO BAROCCO“ ab dem 14. Juli im Stift Altenburg – originalgetreu mit Kerzenbeleuchtung, Originalkostümen und -ausstattung sowie der damaligen Gestik und Bewegungssprache – zur Aufführung.

Intendant Bernd R. Bienert, der Regie führt und auch selbst spielt, hat das Konzept des authentischen Barocktheaters seit Jahren erforscht und weiterentwickelt. Beim Erstversuch bringt er das Duo-Drama „Ariadne auf Naxos“ (Georg Anton Benda, 1775) und die Duett-Oper „Der Bassgeiger zu Wörgl“ (Johann M. Haydn) auf die Bühne.

„In Bendas Stück wird zur Musik nicht gesungen, sondern gesprochen“, erläutert Bienert. „Es handelt sich um einen psychologisch fortschrittlichen Text, der auf seine historisch begründete Art das Denken unserer Zeit theatralisch beinahe vorwegnimmt.“ Im Sinne der Barocktradition wird mit Windmaschine, Blitzen und Donner der Sturz Ariadnes vom Felsen, der dramatische Höhepunkt des Abends, spannend gestaltet. Beim exotischen Bassgeiger wird die Musik nicht wie damals üblich mit italienischen Texten, sondern im ländlichen Tiroler Dialekt vertont. Bienert: „Die witzig-freche Duett-Oper wurde zu ihrer Entstehungszeit entsprechend als ,Operetl‘ bezeichnet.“

Intendant und Regisseur Bernd R. Bienert ist im Rahmen von TEATRO BAROCCO im Melodram „Ariadne auf Naxos“ von Georg Anton Benda (1775) auch selbst in der Rolle des Theseus auf der Bühne in der Bibliothek des Stiftes Altenburg zu sehen.

http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/horn/kultur/Stift-idealer-Rahmen-fuer-barockes-Theater;art2431,399324

 

tanz.at | 15. 07. 2012 | Ditta Rudle

TEATRO BAROCCO mit Blitz und Donner

Das Musiktheaterfestival „TEATRO BAROCCO“ setzt neue Schwerpunkte. Nicht nur die Musik, sondern auch Gestik, Licht und Ausstattung sollen "original" sein. Stift Altenburg bietet mit der Bibliothek auch einen originalen Raum.

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Optisch und musikalisch effektvoll. Bernd R. Bienert, Choreograf, Musiktheaterregisseur und nun auch Intendant, will mit seinem „TEATRO BAROCCO“ zeigen, wie man im Spätbarock (gegen Ende des 18. Jahrhunderts) (Musik-)Theater gespielt hat. Erstmals wird neben dem Originalklang auch auf die anderen Elemente einer theatralen Aufführung Wert gelegt. Zum Originalklang im originalen Raum rekonstruierte Bienert auch die damals zelebrierte Bewegungssprache. Aus Raum, Klang, Ausstattung, Text und Tanz ist ein Gesamtkunstwerk entstanden, das auch das Originale (Kerzen-)Licht entzückt.

Bienert, der sich seit geraumer Zeit mit Verbindung und auch Wechselwirkung von Text und Bewegung beschäftigt, hat für sein Konzept den idealen Raum (und in Kultur- und Gast-Pater Michael den idealen Unterstützer) gefunden. Das Stift Altenburg ist vom Baumeister Joseph Mungenast, einem Neffen Jakob Prandtauers, um 1730 barockisiert worden; der Maler Paul Troger, bekannt als Freskant nahezu aller niederösterreichischen Benediktinerstifte, hat die Deckenfresken in der Kirche und der Bibliothek gestaltet. In dieses prächtige Ambiente hat Bienert nach intensiven Studien eine kleine Barockbühne mit gemalten Kulissen hineingestellt, auf der heuer Georg Anton Bendas Duodrama „ auf Naxos“ so wie Michael Haydns Lustspiel „Der Bassgeiger zu Wörgl“ gezeigt wird.

Das Melodram, fast eine Oper. Zu Beginn also die tragische Geschichte der „Ariadne auf Naxos“, uraufgeführt 1775 im Schloss Friedenstein, Gotha. Benda hat selbst die Fassung für ein kleines Privattheater eingerichtet, Martin Fuchsberger, Leiter des mitwirkenden Ensembles TEATRO BAROCCO, hat das „Melodram“ bearbeitet. Der Begriff „Melodram“ bezeichnet im Musiktheater ein Werk, in dem Instrumentalmusik, gesprochener Text und Gestik gleichberechtigt nebeneinander stehen, einander überlagern und quasi in einen Dialog treten. Mozart soll von der Intensität des reichen Bewegungsvokabulars fasziniert gewesen sein. Auch die Tänzerin Kira von Zierotin hätte ihn sicher bezaubert. Sie mimt (und spricht) die von ihrem Geliebten Theseus verlassene Ariadne mit ausdrucksstarken, eleganten Bewegungen, die ergänzt durch die Wind und Wetter, Landschaft und Emotionen malenden Musik, die Klage einer Verlassenen zu Herzen gehen lassen. Fehlen dürfen auch nicht die beliebten Effekten des barocken Maschinentheaters. Unter Blitz und Donner, stürzt die Unglückliche ins aufbrausende Meer.

Theseus wird im damals üblichen Griechen-Kostüm von Spiritus rector Bienert selbst, der einst seine Karriere als Tänzer an der Wiener Staatsoper begonnen hat, gemimt, während ein Sprecher (Ernst Christian Mathon) versucht den Text zu lesen. Ein Glück, dass auch der Zuschauerraum „original“, also beleuchtet, belassen worden ist und Theseus’ Abschiedsrede im Programmheft zu sehen ist.

Für den zweiten Teil des Abends hat Intendant Bienert eine Komödie Michael Haydns gewählt. „Der Bassgeiger zu Wörgl“ – in der Bearbeitung von Bienert (Text) und Fuchsberger (Musik) – ist ein köstliches Lustspiel um eine Ehekrise. Simone Vierlinger (Sopran) und Rafael Fingerlos (Bariton) singen, spielen und mimen allerliebst das am Ende wieder in Liebe vereinte Ehepaar. Ein kurzweiliges Stück Musiktheater, so spritzig und belebend, wie der Frizzante „Libellenteich“, der im Weingut Stift Altenburg gekeltert wird. Die Geburt eines unvergleichlichen Festivals ist gelungen.

http://www.tanz.at/

 

DER NEUE MERKER - Oper und Ballett in Wien und aller Welt | 15.07.2012 | Peter Dusek

STIFT ALTENBURG bei Horn: TEATRO BAROCCO in der Stiftsbibliothek

Stift Altenburg bei Horn: PRACHTVOLLES „TEATRO BAROCCO“ IN DER STIFTSBIBLIOTHEK.

Im prächtigen Bibliotheks-Saal von Stift Altenburg war hochkarätiges barockes Theater angesagt – mit originalem „Rampenlicht“ aus Kerzen, mit alten Wind- und Donnermaschinen und zwei musikalischen Einaktern von Georg Anton Benda bzw. Johann Michael Haydn. Der böhmische Komponist Benda (Jahrgang 1722) schrieb im Jahr 1775 ein Melodram zum Thema „Ariadne auf Naxos“ und der jüngere Bruder von „Papa“ Haydn publizierte ungefähr zur gleichen Zeit einen Buffo-Einakter mit dem Titel „Der Bassgeiger von Wörgl“. Verantwortlich für die Wiederentdeckung der beiden Stücke ist der einstige Tänzer der Wiener Staatsoper Bernd Roger Bienert, der es in den 90er Jahren bis zum Ballett-Direktor von Zürich und später von Saarbrücken geschafft hat. Nun will Bernd Roger Bienert mit seinem „TEATRO BAROCCO“ den in Stift Altenburg eingeschlagenen Weg fortsetzen. Jedenfalls ist der Auftakt in jeder Weise gelungen. Im ersten Stück wird zwar nur gesprochen( u.a. von der Titelheldin Kira von Zierotin) bzw. würdevoll „geschritten“(Bienert als Theseus)– aber diese Mischung aus würdevoller Pose und pathetischem „Vortrag“ muss man einmal erlebt haben, um zu wissen, woher das europäische Musiktheater stammt. Als „Antipode“ zur Melodramatik der „Ariadne“ sorgt dann das zweite Stück von Johann Michael Haydn, das in Salzburg entstand. Diesmal sind neben dem musikalischen Streicher-Ensemble unter der Leitung vom Cembalo durch Martin Fuchsberger auch noch zwei vielversprechende österreichische Nachwuchs-Sänger aufgeboten: der zunächst betrunkene Titelheld, der vom blutjungen Bariton Rafael Fingerlos wahrhaft exzellent gesungen wurde und von der zunächst erbosten Ehefrau, die von Simone Vierlinger geradezu mit Sopran-Qualitäten ausgestattet wurde, die auch schon die Konstanze in Mozarts Entführung nahe legen würden. Jedenfalls gehören die beiden Sänger des Buffo-Einakters (der mit Happy End und Liebesnacht endet) zu jenen Hochbegabungen, die zweifellos rasch Karriere machen werden. Das Publikum war ehrlich begeistert, der Ausflug in die Operngeschichte machte wohl alle Anwesenden neugierig. Und Bernd Roger Bienert sollte nicht nur in Stift Altenburg in Österreich aktiv werden. Interessenten müssten sich in jedem Fall beeilen – die aktuelle Serie mit den Stücken von Benda und Haydn läuft nur mehr bis zum 5.August 2012.

http://www.der-neue-merker.eu/stift-altenburg-bei-horn-teatro-barocco-in-der-stiftsbibliothek

 

noobie.at - Niederoesterreich | 15.07.2012 | 15:05

Gelungene „TEATRO BAROCCO“ – Premiere in Altenburg

Ein kräftiges Lebenszeichen hat das vom Choreographen und Regisseur Bernd Roger Bienert gegründete und geleitete neue Musiktheaterfestival „TEATRO BAROCCO“ im Waldviertler Stift Altenburg von sich gegeben: In der barocken Bibliothek gelangten am Samstag Georg Anton Bendas „Ariadne auf Naxos“ und Michael Haydns musikalisches Lustspiel „Der Bassgeiger zu Wörgl“ zur umjubelten Aufführung.

„Historische Werke einem heutigen Publikum näher zu bringen, ohne deren Authentizität zu kompromittieren“ – darin besteht laut Bienert die Intention des „TEATRO BAROCCO“. Inszenierung, Bühne und Kostüme sind nach historischen Vorbildern gestaltet. Beide Werke stammen aus dem Jahr 1775 und sind doch sehr verschieden in Inhalt und Präsentation.

Während sich in Bendas Duodrama, in dem zur Musik gesprochen wird, noch einmal die Welt der Antike beschworen findet, wobei Bienert im Sinne der barocken Theatertradition auch Windmaschine, Blitz und Donner zum Einsatz kommen lässt, führt Haydns kuriose Dialektoper auf witzige Weise ins ländliche Milieu. Fungiert im ersten Fall der Freskenschmuck des Altenburger Meisters Paul Troger als Verbindungspate, ist es beim zweiten Stück die Figur des Tiroler Hiasl aus dem Stiftsgarten.

Ein wenig gewöhnungsbedürftig scheint das tragische Melodram zunächst. Doch Kira von Zierotin, Ernst Christian Mathon und Bienert selbst tragen die für heutige Ohren schwülstigen Texte mit großer Selbstverständlichkeit und eingebunden in ein stringentes optisches Konzept aus Musik, Sprache und Bewegung über die Distanz. Nach der Pause lassen Simone Vierlinger (Sopran) und Rafael Fingerlos (Bariton) als einander aussperrendes, doch sich schließlich wieder versöhnendes Paar aufhorchen.

Sehr überzeugend musiziert das Ensemble TEATRO BAROCCO unter der Leitung von Martin Fuchsberger. Die mit Kerzen garnierte Guckkastenbühne ist ganz dem Ambiente nachempfunden und stilistisch adäquat nachgestaltet, verstellt aber dennoch die originale Perspektive in den barocken Aufführungsraum. Insgesamt ein überzeugender Abend – man scheint in Altenburg eine seriöse Nische im sommerlichen Veranstaltungsreigen gefunden zu haben.

 

DIE PRESSE | 11.07.2012 | Wilhelm Sinkovicz

Oper: Originalklang und Originaloptik

Bernd Bienert realisiert erstmals sein „TEATRO BAROCCO“-Konzept und zeigt, wie man zu Mozarts Zeit Theater spielte. Die Antwort auf die „Originalinstrumente“.

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Am Samstag feiert ein besonderes Projekt Premiere: Bernd R. Bienert, der originelle Kopf unter den heimischen Musiktheatermachern, setzt zwei Werke der Mozart-Zeit in Szene – und zwar erstmals so, dass zum „Originalklang“ auch eine möglichst originalgetreue Optik kommt.

Was zu sehen ist, also nicht nur Ausstattung und Kostüme, sondern auch das Licht, soll sich mit dem „Originalklang“ zu einem historischen Gesamtkunstwerk vermählen. Sogar die Intensität der Kerzenbeleuchtung der Barockzeit wurde künstlerisch rekonstruiert.
Vor allem aber ist es Bienert möglich, dank seiner akribischen theatergeschichtlichen Studien auch die Bewegungssprache des Spätbarock nachzuempfinden. In jener Epoche gab es, so hat sich bei den Forschungen herausgestellt, einen durchaus standardisierten Gebärdenkanon, der mit Text und Musik harmonieren musste.
Demonstrieren werden das Bienert selbst und ein engagiertes junges Ensemble anhand zweier musikhistorisch bedeutsamer, heute aber beinah vergessener Meisterwerke, die beide auch von Mozart hoch geschätzt wurden.
Eines stammt von Joseph Haydns Bruder Johann Michael, der als Salzburger Kapellmeister eine der Leitfiguren des jungen Mozart war. Das zweite wurde komponiert von Georg Anton Benda, dem Erfinder des sogenannten „Melodrams“, einer Kunstgattung, die in ihrem Gemisch aus Sprache und Musik geradezu magnetisch auf das Musiktheater-Genie Mozart wirkte.

Was Mozart einst fasziniert hat

In seiner „Zaide“ versuchte der Komponist Ähnliches – und legte das weit gediehene Manuskript unvollendet aus der Hand!
In der Stiftsbibliothek von Altenburg bei Horn in Niederösterreich ist nun das faszinierende Vorbild zu Mozarts vergeblichem Versuch zu erleben: „Ariadne auf Naxos“ (1775). Die Titelheldin klagt um Theseus, der sie verlassen hat. Anders als bei Hugo Hofmannsthal und Richard Strauss stürzt sie zuletzt jedoch verzweifelt ins Meer.
Das bot den einstigen Theaterregisseuren Stoff für entfesselten Maschinenzauber, wie ihn das Publikum liebte. Bernd R. Bienert holt die Effekte von anno dazumal wieder in sein „TEATRO BAROCCO“ zurück: Ariadne stirbt bei Blitz und Donner, umsaust von den Geräuschen der Windmaschine.
Dieser Sturz wird wohl zum dramatischen Höhepunkt eines Abends, der mit einem Schwank in Tiroler Mundart beginnt: „Der Bassgeiger zu Wörgl“, eine Art Vorabendprogramm des Ancien Régime, zur Musik eines Meisterkomponisten; auch das ist gewiss eine Entdeckungsreise wert.

„Ariadne auf Naxos“/„Der Bassgeiger zu Wörgl“. Stift Altenburg: 14., 15., 20. und 21.Juli.

Info: www.teatrobarocco.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2012)

 

NÖN - Niederösterreichische Nachrichten | 09. Juli 2012 | Thomas Jorda

Wie damals

TEATRO BAROCCO / Im Stift Altenburg bricht eine neue Ära an. Bernd Bienert zeigt unbekanntes Musiktheater.

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Rechtliche Probleme wird Bernd Roger Bienert, international bekannter österreichischer Regisseur und Bühnenbildner, wohl kaum bekommen. Immerhin hat er sich für die Patronanz seines neu gegründeten Festivals TEATRO BAROCCO im Stift Altenburg bei Horn des ehemaligen Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes, Karl Korinek, versichert.

Der Spielort war in den vergangenen Jahren in den Händen von Michael Mohapp, der aber im Herbst des Vorjahres die Sommerspiele im Stift Altenburg zurückgelegt und damit den Weg für den schnell entschlossenen Bienert freigegeben hat. Dessen Konzept: Musiktheater im Stil der spätbarocken Zeit und passend zu dem wunderschönen historischen Ambiente des Stiftes und vor allem der prachtvollen Bibliothek, die mit ihren 60 Metern zu den größten und schönsten barocken Innenräumen Österreichs zählt.

Bienert setzt bewusst auf kleine Dimensionen, nicht nur aus finanziellen Gründen: „Bei uns werden höchstens zweihundert Gäste Platz finden. Aber die Theater damals waren auch nur sehr winzig. Und ich will weg vom Gigantomanischen, ich will zeigen, wie es früher war. Das hat auch mit mir persönlich zu tun. Ich halte es nicht mehr aus, in einem Raum mit 3000 Menschen zu sitzen, wie bei den Salzburger Festspielen.“

Bienert will mit dem TEATRO BAROCCO nicht nur die gesamte Optik von Ausstattung und Kostümen, den originalen Klang der Musik und die Intensität der Kerzenbeleuchtung der Barockzeit künstlerisch rekonstruieren, sondern auch die damals verwendete tänzerische Gestik und die Bewegungssprache der Darsteller.

Für seine erste Saison hat sich Bienert für zwei Gustostückerl des Spätbarocks entschieden. Johann Michael Haydn, Salzburger Bruder des großen Niederösterreichers, ist mit seinem exotischen „Bassgeiger zu Wörgl“ vertreten, dessen Musik nicht wie damals üblich mit italienischen Texten, sondern im ländlichen Tiroler Dialekt vertont wurde. Diese sehr witzig-freche Duett-Oper wurde zu ihrer Entstehungszeit als Operetl bezeichnet.

Das zweite Werk des Abends stammt von Georg Anton Benda, dem Erfinder des Melodrams, der von Wolfgang Amadeus Mozart sehr verehrt wurde. Das 1775 entstandene Duodrama „Ariadne auf Naxos“ wird selten gespielt. Zur Musik wird von den Schauspielern nicht gesungen, sondern gesprochen.

http://www.noen.at/news/kultur-medien/Wie-damals;art153,400973

 

morgen 3/12 Kultur-Niederösterreich-Europa

Barock authentisch

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Oper. Stift Altenburg bietet diesen Sommer das prächtige Ambiente für erlesenen Musikgenuss. Beim neuen Festival TEATRO BAROCCO kommen zwei selten gespielte spätbarocke Werke zur Aufführung: Michael Haydns „Baßgeiger zu Wörgl“ (mit Libretto im Tiroler Dialekt!) und Georg Anton Bendas klassizistisch-antikisierende Bearbeitung der „Ariadne auf Naxos“.
Bei der Inszenierung hat Festival-Gründer und Intendant Bernd Roger Bienert auf Authentizität größten Wert gelegt. Bühnendekoration und (Kerzen-)Beleuchtung orientieren sich ebenso präzise an den Gepflogenheiten des späten 18. Jahrhunderts wie die Bewegung und die tänzerische Gestik der Darsteller.
Nähere Informationen zum Festivalprogramm und Online-Ticketreservierung: www.teatrobarocco.com

Den original Artikel als PDF-Datei herunterladen: morgen-3-12.pdf

 

DIE PRESSE, Kultur Spezial | 08. Juni 2012 | Wilhelm Sinkovicz

Himmelstöne auf dem Land

Die Originalklänge Nikolaus Harnoncourts und anderer verschönern heuer den Sommer bei FESTIVALS im Kamptal, im Strudengau oder in der Steiermark.

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Mit Bernd Bienert begibt sich einer der kreativsten Köpfe der heimischen Musiktheaterszene aufs sommerliche Festspielparkett. Wenn es einen Künstler gibt, dem zuzutrauen wäre, dass er dem Mainstream an verwechselbaren Klassikunterhaltungen ein merkliches Gegengewicht bieten kann, dann ist es wohl er. In seinen Anfängen hat er sogar die Wiener Staatsopern-Ballettszene, damals recht verkrustet, gehörig aufgemischt. Danach ist er mit höchst unterschiedlichen, nicht nur tanzgebundenen Projekten hervorgetreten. Und seit einigen Jahren wälzt er Pläne bezüglich eines „TEATRO BAROCCO“ das szenisch einen Widerpart zur musikalischen Originalklangszene bieten sollte. Warum, so fragen sich Kenner seit Langem, klafft ein Interessenkonflikt zwischen der Lust an der Wiederbelebung historischer Spielweisen, was den Klang und die Theateroptik betrifft? Bienert hat sich das auch gefragt und sich konsequent mit der Überlieferung choreografischer und inszenatorischer Aspekte des Theaters im 18. Jahrhundert beschäftigt. Frucht dieser Auseinandersetzung ist ein Festival, das heuer zum ersten Mal stattfindet.

Bienert hat zwei originelle Musiktheaterwerke aus der Zeit der Wiener Klassik ausgegraben, die sozusagen an Nebenschauplätzen uraufgeführt wurden, aber einen guten Einblick in die Theaterlandschaft des theresianischen Österreich bieten.
Zum einen ist es „Der Bassgeiger zu Wörgl“ aus der Feder von Joseph Haydns Salzburger Bruder Michael - den Mozart sehr geschätzt hat - ein Stück im Tiroler Dialekt. Zum anderen mit „Ariadne auf Naxos“ eines der Melodramen von Georg Anton Benda, in denen erstmals der Versuch gewagt wurde, Schauspiel und Musik harmonisch zu verbinden.
Die Werke sind für sich schon originell und formal ungewöhnlich genug, dass ein Darstellungsversuch, der sich um originale Aufführungspraktiken bemüht, aufregend ausfallen könnte. Jedenfalls hat die Ankündigung des Mottos „Musiktheater, authentisch“ bereits prominente Fürsprecher gefunden. Niemand Geringerer als der Opernenthusiast Karl Korinek fungiert als Präsident des Trägervereins. „TEATRO BAROCCO“ findet in Stift Altenburg im Kamptal vom 14. Juli bis 5. August statt.

Den original Artikel als PDF-Datei herunterladen: DiePresse-Bienert-KulturSpezial120608.pdf

NÖN - Niederösterreichische Nachrichten | Kultursommer 2012, Beilage Woche 22

Oper im Kerzenschein

TEATRO BAROCCO / Musiktheaterfestival in Altenburg zeigt Opern-Juwelen des Barock historisch inszeniert.

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Unter dem auf Authentizität verweisenden Namen TEATRO BAROCCO zeigt Intendant und Regisseur Bernd Roger Bienert, wie barocke Oper zur Entstehungszeit ausgesehen hat. Glanzpunkt des Festivals sind vier Abende mit historisch-authentisch inszenierten Barock Opern bei Kerzenschein.
Ganz im Sinne der barocken Theatertradition wird mit Windmaschine, Blitz und Donner der dramatische Höhepunkt des Abends, „Ariadne auf Naxos“, optisch spannend und zugleich historisch informiert inszeniert. Zum ersten Mal werden Opern wieder so zu sehen sein, wie sie bei den Uraufführungen von den Komponisten gedacht damals inszeniert wurden. Doch damit nicht genug: Auch Theatergrößen wie Ulrike Beimpold, Burgtheater-Schauspieler Hans Dieter Knebel sowie Ö1 Moderator und Gitarrist Helmut Jasbar werden mit Soloprogrammen das Publikum begeistern. In den historischen Räumen des Stiftes erwartet die Gäste ein neues Konzept und spannendes Musiktheater mit barocker Atmosphäre.

(Die Damen Figur mit der Blumenperücke auf dem Plakat wurde von der in Wien lebenden, bekannten amerikanischen Künstlerin Christy Astuy gemalt.)

http://admin.noen.at/service/beilagen/xmv210,1319 (Seite 6)

Den original Artikel als PDF-Datei herunterladen: NOEN-Kultursommer-seite6.pdf

NÖN – Niederösterreichische Nachrichten | 11.04.2012

Sommertheater: Neustart im Stift

Totale Umorientierung im Barocktheater des Stift Altenburgs nach 25 Jahren. Experiment mit Symbiose aus Sprache, Musik & Optik in Altenburger Bibliothek. Bernd Roger Bienert inszeniert.

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STIFT ALTENBURG / Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich der Choreograf und Regisseur Bernd Roger Bienert mit der Forschung zur Aufführungspraxis im Barocktheater und über sein vielseitiges künstlerisches Schaffen als Autor, Regisseur, Choreograf und Designer hinaus mit der Umsetzung und Einbindung gestischer Elemente der Gebärdensprache und historischer theatraler Körpergestik in seine Regiearbeiten.

Beim Neustart der Sommerspiele im Stift Altenburg – sie wurden 1987 vom Autor und Regisseur Dieter O. Holzinger (1941 – 2006) gegründet und standen seit 2005 unter der Leitung Michael Mohapps – setzt man im Benediktinerstift ab dem Sommer 2012 auf „TEATRO BAROCCO“.

Intendant wird Bienert sein, der seine Karriere als Tänzer an der Wiener Staatsoper und am Nederlands Dans Theater in Den Haag startete. Bernd Roger Bienert ist nach zahlreichen grenzüberschreitenden Arbeiten mit Größen aus Literatur, Musik, Architektur und Film heute als Kurator, Universitätslektor (Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien bzw. Bruckner Privatuniversität Linz) sowie als Vortragender (Mozarteum Salzburg) international tätig. Aufsehen erregte sein eigenes (Tanztheater-) Stück „The Puzzled Wife“ („Die verwirrte Frau“), das 2011 in Wien uraufgeführt wurde.

Schon seit mehreren Jahren beschäftigt sich Bienert mit der Forschung zur Aufführungspraxis im Barocktheater und mit der Umsetzung und Einbindung gestischer Elemente der Gebärdensprache und historischer theatraler Körpergestik in seine Regiearbeiten. Sein Ziel für Altenburg: „Ich will im historischen Ambiente der barocken Bibliothek eine Symbiose aus Sprache, Musik und Optik erschaffen, die einer gesamtkünstlerischen Einheit aller Elemente so nahe kommt, dass uns die Intentionen der Autorenschaft von Komponisten, Bühnenbildner und Librettisten der historischen Musiktheaterwerke in einer heutigen künstlerischen Interpretation im Wissen um die historischen Grundlagen gegenwärtig erfahrbar werden.“

Bernd Roger Bienert tritt im Stift Altenburg 2012 als Regisseur und Intendant in Erscheinung

http://www.noen.at/lokales/noe-uebersicht/horn/kultur/

Großer Erfolg für TEATRO BAROCCO beim Appassionato Kulturförderpreis

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Dem von Bernd Roger Bienert initiierten Performance-Projekt SIGNINGS
mit gehörlosen und hörenden DarstellerInnen und TänzerInnen, wurde heute
von der Jury des Kulturförderpreises „Appassionato“ der Anerkennungspreis zuerkannt.
Kammerschauspielerin Maresa Hörbiger, die den Ehrenschutz für den Appassionato 2012 übernommen hat, überreichte heute Vormittag in den Räumen der Spanischen Hofreitschule in der Wiener Hofburg persönlich die Preise an die glücklichen SiegerInnen. Hörbiger wünschte ihnen und allen anderen Appassionato-Nominierten für die Zukunftviel Glück, Kraft und Energie für alle Projekte. Durch mein „Theater zum Himmel“ sagte Hörbiger, „weiß ich aus eigener Erfahrung wie schwer es kleine Produktionen haben, großes Theater mit kleinem Budget zu machen. Es ist wichtig, unabhängige Kulturschaffende zu unterstützen und dieser von oeticket.com gestiftete Preis ist eine tolle Initiative!“ Zum dritten Mal wurde heuer der Kulturförderpreis „Appassionato“ von oeticket.com für außergewöhnliche Kulturinitiativen vergeben.

24. Mai 2012

DIE PRESSE | 04. Mai 2012 | Wilhelm Sinkovicz

Bernd Roger Bienert beschwört beim neu gegründeten Festival TEATRO BAROCCO das Spätbarock mit Werken von Benda und Haydn.

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Bernd Roger Bienert, einer der originellsten Köpfe im österreichischen Musiktheaterleben, ist überzeugt, den seit Langem gepflegten historisierenden Aufführungspraktiken im musikalischen Bereich auch szenische Pendants entgegensetzen zu können. Seit den Achtzigerjahren bricht Bienert konsequent mit Traditionen und Sehgewohnheiten.

Im Juli und August nützt der Regisseur, Bühnenbildner und Choreograf beim heuer neu gegründeten Festival „TEATRO BAROCCO“ erstmals die Räumlichkeiten von Stift Altenburg bei Horn als Opernschauplatz. Bei Kerzenbeleuchtung soll es nicht nur klingen wie im Spätbarock, sondern auch so aussehen: Tänzerische Gestik und Bewegungssprache jener Ära bei Werken von Johann Michael Haydn und Georg Anton Benda, einem der innovativsten Komponisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, rekonstruiert. Haydns „Baßgeiger zu Wörgl“ ist gar im Tiroler Dialekt komponiert, „Ariadne auf Naxos“ ist ein Beispiel für die von diesem Komponisten erfundene Gattung des Melodrams, in dem – von Wolfgang Amadeus Mozart bewundert – nicht Sänger agieren, sondern Schauspieler zur Musik den Text rezitieren.

Außergewöhnliche Begegnungen, jedenfalls. Premiere am 14. Juli. 2012

 

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